Wat mutt, dat mutt, sagt der Norddeutsche. Da half auch nicht, dass er mitgeholfen hatte, den Sieg beim SSV Jahn Regensburg einzufahren: Patrick Erras war's aber völlig egal. Mit den eingewechselten Spielern und denen die 90 Minuten auf der Ersatzbank saßen, musste er am Sonntag nach dem 2:1-Sieg von Holstein Kiel auslaufen, ehe es auch für den Oberpfälzer via Flieger von Ingolstadt zurück an die Kieler Förde ging. Der Raigeringer zog nochmal Sprint um Sprint an - mit einem Grinsen im Gesicht. "Das war ein immens wichtiger Sieg für uns", sagte der 27-Jährige danach am Mannschaftsbus.
In der 73. Minute war Erras eingewechselt worden, nur ein paar Minuten später war er plötzlich Abwehrchef, nachdem der sonstige Defensiv-Boss Stefan Thesker verletzt raus musste. "Ich sehe Patrick schon als Sechser", sagte Holsteins Trainer Marcel Rapp bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Das ist seine starke Position."
Größe und Spielverständnis
Sein Team habe derzeit aber echte Personalprobleme. "Und da ist Patrick als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette eine echte Alternative. Aufgrund seiner Größe und aufgrund seines Spielverständnisses." Der junge Trainer schätzt auch die Zuverlässigkeit von Erras. Aber wann der 1,97 Meter große Akteur endlich mal wieder in der Startelf auftauche, "das kann ich nicht sagen".
Erras bekommt jetzt bei den Kieler "Störchen" wieder Teilzeiteinsätze, nachdem er in der Vorrunde schon einige Mal außen vor schien. Nach seinem Jahr in Bremen, wo der Oberpfälzer überhaupt nicht zurechtkam und auch oft verletzt war, war er für etwa 200 000 Euro Ablöse nach Kiel weiter gezogen.
Gas im Training
Die düsteren Wolken zogen mit. Er kam auch dort nicht richtig in Tritt. Zudem hatte Trainer Ole Werner, der Erras unbedingt haben wollte, Mitte September beim Klub von der Ostsee hingeschmissen. Doch Erras ließ sich nicht entmutigen. Jetzt, mit dem Start der Rückrunde, wird er allmählich belohnt: "Ich gebe im Training richtig Gas, der Trainer sieht das." Rapp, der anfänglich Erras etwas ins Abseits stellte, registriert dies sehr wohl. "Ich bin mit Patricks Entwicklung gründsätzlich zufrieden."
"Es geht bergauf"
Erras selbst fühlt sich auch besser: "Es geht bergauf. Auch mit der Mannschaft, mit dem Sieg in Regensburg haben wir den Abstand nach hinten weiter vergrößert."
Seine Oberpfälzer Familie konnte sich in Regensburg wegen des coronabedingten Zuschauerausschlusses nicht von seiner Entwicklung überzeugen. Aber ein Wiedersehen gibt's dennoch, am kommenden spielfreien Wochenende: "Dann kommt die Familie nach Kiel."
Der Grund ist auch klar: Es gibt einen neuen Star im Hause Erras. Emelie hat eine kleine Schwester bekommen. "Vor zwei Wochen", erzählt der Papa voller stolz. "Sie heißt Maily." Fußball wird am Wochenende in Kiel nur Nebensache sein.
Das ist Patrick Erras
- Geboren am 21. Januar 1995 in Amberg
- Mit fünf Jahren erste fußballerische Schritte beim SV Raigering
- 2007 Wechsel in die D-Jugend des 1. FC Nürnberg
- Mit der B-Jugend des Clubs Meister der Bundesliga Süd/Südwest, mit den A-Junioren Aufstieg in die Bundesliga
- Ab 2014 Mitglied der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg
- Mitte Oktober 2015 Debüt in der Profimannschaft im Zweitliga-Heimspiel gegen den FSV Frankfurt
- März 2016 Kreuzbandriss, nahezu ein Jahr Pause
- Mai 2018 mit dem Club Aufstieg in die Bundesliga, ein Jahr später folgte der Abstieg
- 1. August 2020 Wechsel zum SV Werder Bremen (Drei-Jahres-Vertrag)
- 1. Juli 2021 Wechsel zu Holstein Kiel (Drei-Jahres-Vertrag)

























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