22.08.2021 - 16:28 Uhr
RegensburgSport

Devise beim SSV Jahn nach der Schalke-Gala: Auf dem Boden bleiben

Die Regensburger Überraschungsspitzenreiter der 2. Fußball-Bundesliga spielen sich gegen Schalke in einen Rausch, geben sich im Nachgang aber betont nüchtern. Während die Fans frohlocken, drücken Trainer und Spieler auf die Euphoriebremse.

Verkehrte Welt im Jahnstadion Regensburg: Torschütze Steve Breitkreutz (von rechts) und Andreas Albers bejubeln den Treffer zum 2:0 für den SSV Jahn, die Schalker Marius Bülter und Thomas Ouwejan können es nicht fassen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Das war ein Fußball-Festtag für die Oberpfalz! Schon Minuten, bevor Schiedsrichter Marco Fritz die Zweitliga-Begegnung des SSV Jahn Regensburg gegen den FC Schalke abpfiff, schallten die Evergreens "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey" und "Sowas hat man lange nicht geseh'n" durch das Jahnstadion. Das sind Lieder, die nur ausnahmslos begeisterte und völlig euphorisierte Fans anstimmen. Und genau so fühlen sich die Anhänger des SSV Jahn derzeit. Strahlende Gesichter und ungläubiges Kopfschütteln waren immer wieder bei den 5324 erlaubten Zuschauern (abzüglich einiger hundert, enttäuschter Schalker) zu beobachten.

Selimbegovic' mahnende Worte

Nach dem immer noch unrealistisch anmutenden 4:1-Erfolg über den Bundesliga-Absteiger grüßen die Kicker von Mersad Selimbegovic nach wie vor von der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Und der Regensburger Chefcoach gab sich auch nach dem vierten Sieg im vierten Spiel allergrößte Mühe, seine Spieler und das Umfeld auf dem Boden zu behalten. "Jetzt heißt es gut zu regenerieren, den nächsten Gegner zu analysieren und einfach dranzubleiben – und sich nicht zu gut zu finden. Denn da lauert die Gefahr, dass man denkt, dass man besser ist, als man wirklich ist. Wir haben aktuell einen Lauf, da musst du dranbleiben und einfach weitermachen."

Doch die Art und Weise wie seine Elf auch ein scheinbares Schwergewicht dieser "besten zweiten Liga aller Zeiten" beherrschte, verdeutlichte auch den letzten Zweiflern in der Republik, wie gut diese aktuelle Jahn-Elf ist. In den Sozialen Medien machte sogleich eine Karikatur die Runde, in der ein kleiner Junge im Schalke-Trikot seine Mutter fragte "Wo ist denn Papa?", und diese antwortete: "Auf Demontage in Regensburg" – eine treffende Zusammenfassung dieser Regensburger Gala-Vorstellung. "Es ist unglaublich. Vor unseren Fans hier in unserem Stadion gegen Schalke 04 zu gewinnen, das ist schon eine Leistung", frohlockte der starke Flügelflitzer Jan-Niklas Beste, der den Super-Samstag mit seinem Fernschuss zum 1:0 in der Frühphase der Partie eingeleitet hatte. Sinnbildlich für die desolate Schalker Leistung war dabei der haarsträubende Ballverlust im Spielaufbau gegen den früh pressenden Jahn-Angreifer David Otto.

Grammozis entschuldigt sich

Der Fehlstart der Königsblauen schlug mit zunehmender Spielzeit und wachsendem Rückstand auch deren Anhängern aufs Gemüt. Nach dem Austausch einiger verbaler Nettigkeiten flogen zunächst auf der Haupttribüne die Fäuste, ehe sich der Knappen-Frust wieder auf die eigene Mannschaft projizierte. "Dass wir unseren Fans einen schlechten Tag bereitet haben, tut am meisten weh. So wie heute dürfen wir uns aber nicht präsentieren und in dieser Höhe verlieren", entschuldigte sich S04-Trainer Dimitrios Grammozis im Anschluss. Der Schalker Ärger dürfte dem Jahn ziemlich gleichgültig sein, vielmehr stimmten auch die Akteure ins Credo ihres Cheftrainers ein: "Es ist ein super Start, mehr als wir uns erträumt hätten. Es sind aber erst einmal zwölf Punkte für unser klares Ziel Klassenerhalt", sagte 3:0-Torschütze David Otto. Mersad Selimbegovic gefällt das.

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Sarpreet Singh (Mitte) ist gegenüber seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg kaum wiederzuerkennen. In dieser Szene vernascht die Regensburger Bayern-Leihgabe die Schalker Malick Thiaw (links) und Florian Flick.

"Denn da lauert die Gefahr, dass man denkt, dass man besser ist, als man wirklich ist."

Jahn-Coach Mersad Selimbegovic

 

 

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