29.12.2020 - 18:17 Uhr
SchwarzenfeldSport

Zwischen Wolfsburgs Glasner und einem Nationaltrainer: Wolfgang Hesl in bester Gesellschaft

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Ein Bild und seine Geschichte: Wir schmökern ein bisschen in den Archiven. Den Anfang macht Ex-Bundesliga-Torhüter Wolfgang Hesl aus Schwarzenfeld. Es gibt auch eine Verbindung zum VfL Wolfsburg.

Eingerahmt von zwei Fußballgröße: Torwart Wolfgang Hesl (hinten Mitte) vor dem Spiel des SV Ried gegen Wacker Innsbruck neben Oliver Glasner (links), dem jetzigen Coach des VfL Wolfsburg, und Martin Stocklasa (rechts), der seit kurzem Nationaltrainer Liechtensteins ist.
von Josef Maier Kontakt Profil

Der Kapitän, links im Bild, grüßt die Fans, der junge Torwart in der Mitte blickt konzentriert auf die Tribüne. "Ich könnt' jetzt nicht mehr sagen, was das für ein Spiel war", sagt Wolfgang Hesl, der damals noch zehn Jahre jünger war. Bitterkalt war es an diesem 27. November 2010 im österreichischen Innkreis, in dem kleinen, verschlafenen Städtchen Ried. Hesl, gerade 24 Jahre alt, stand beim dortigen SV im Tor, zu Gast war Wacker Innsbruck. 1:0 siegten die Rieder damals und verteidigten die Tabellenführung in der österreichischen Bundesliga. Der gut 12 000 Einwohner zählende Ort war eine große Nummer im Nachbarland.

Eine Legende

Der winkende Kapitän neben dem Schwarzenfelder Hesl ist heute eine große Nummer im deutschen Fußball - Oliver Glasner, der Trainer des Überraschungsvierten der deutschen Bundesliga, des VfL Wolfsburg. Erst kürzlich war er drauf und dran, mit seinem Team den FC Bayern zu ärgern. "Der Olli war eine Legende in Ried", erinnert sich Hesl. Glasner war damals Mitte 30 und nicht nur der Abwehrchef. "Wenn der Olli was gesagt hat, dann hatte das Gewicht." Das hinderte den jungen Torwart aber nicht daran, den Abwehrboss mal zurechtzuweisen und zu dirigieren. "Das ist doch meine Aufgabe als Torhüter", sagt Hesl lächelnd.

Kurz vor Transferschluss

In Ried, in Oberösterreich, hat sich der Oberpfälzer immer wohlgefühlt. Auf Leihbasis war er am 31. August 2010 vom Hamburger SV zum Provinzklub gekommen. Das Leihgeschäft wurde erst wenige Stunden vor Transferschluss klargemacht. Hesl, heute 34, googelte erst einmal: "Ich habe erstmal geschaut: Was ist das für ein Verein? Was ist das für eine Stadt?" Noch am Abend des 31. August fuhr er von Hamburg, wo sie ihn zum Torwart Nummer drei degradiert hatten, zu seinen Eltern nach Altfalter (Kreis Schwandorf). "Da habe ich ein paar Stunden geschlafen und in der Früh ging's nach Ried." Gut zwei Stunden fährt man von der mittleren Oberpfalz über Passau in die Stadt im Innviertel.

"Ich erinnere mich gerne an diese Zeit", sagt Hesl gut zehn Jahre später. "Anfangs habe ich ein paar Wochen in einer Pension gewohnt. Bei einer ganz netten Familie." Der Oberpfälzer wurde schnell eingebürgert: "Da saß ich dann auch schon mal mit am Stammtisch." Später hatte ihm der Verein eine Wohnung gestellt. Aus sportlicher Sicht war der Schritt nach Österreich sehr wichtig: "In Ried habe ich auch das erste Mal in meiner Profikarriere regelmäßig gespielt." Stammtorwart Thomas Gebauer hatte sich schwerer verletzt, die Rieder gingen auf Spielersuche und wurden bei Hesl fündig.

Die Reportage aus Ried im Jahr 2010

In Wien im Pokalfinale

Der feierte mit den Riedern auch seinen einzigen Titel in seiner Profikarriere, die ihn neben dem HSV auch nach Dresden, Fürth, Bielefeld, Kaiserslautern oder Würzburg führte. Im Pokalfinale im Wiener Ernst-Happel-Stadion siegte der SVR gegen Austria Lustenau mit 2:0. Hesl saß auf der Bank, Gebauer war wieder fit und stand im Tor. Dennoch freute sich der Oberpfälzer wahnsinnig über den Triumph. "Ich glaube, da war ganz Ried im Stadion." Eine Verlängerung des Leihvertrags kam nicht infrage, eben weil Stammkeeper Gebauer wieder gesund war. Ried hat Hesl trotzdem nicht losgelassen. "Ich war seitdem zwei, drei Mal dort, und habe mir Spiele angeschaut." Kontakt zu Oliver Glasner hatte er seitdem nicht mehr. Hesl absolviert aber Teile seines Sportmanagements-Studiums in Wolfsburg. "Wir wollten uns dort mal treffen", erzählt der Oberpfälzer. "Aber Corona hat das bisher verhindert." Das Treffen soll alsbald nachgeholt worden.

Stocklasa in Schwarzenfeld

Mit dem Mann rechts auf dem Bild hat sich Hesl schon wieder getroffen. "Das ist Martin Stocklasa, er hat mich mal in Schwarzenfeld besucht, als er auf der Durchreise war." Stocklasa war lange Nationalspieler Liechtensteins und Oliver Glasners Partner in der Rieder Abwehr.

In bester Gesellschaft

Seit ein paar Wochen hat Stocklasa einen interessanten Job: Er ist neuer Nationaltrainer Liechtensteins und trifft in der WM-Qualifikation auf Deutschland und Jogi Löw. Wolfgang Hesl war also nicht nur an diesem bitterkalten Abend in Ried in bester Gesellschaft.

Hesl bleibt erstmal beim TSV Stulln

Stulln

Wolfgang Hesl wollte ursprünglich zurück ins Tor

Schwarzenfeld
Hintergrund:

Das ist Wolfang Hesl

  • geboren am 13. Januar 1986 in Nabburg, aufgewachsen in Altfalter
  • Jugendvereine: SC Altfalter, FC Schwarzenfeld, FC Amberg
  • Januar 2004 Wechsel ins Jugendinternat des Hamburger SV
  • Stationen: 2004 bis 2011 Hamburger SV; 2010/2011 SV Ried (Leihe); 2011/2012 Dynamo Dresden; 2012 bis 2015 Greuther Fürth; 2015 bis 2017 Arminia Bielefeld; 2017/2018 Würzburger Kickers; 2018/2019 1. FC Kaiserslautern
  • Erfolge und Spiele: Österreichischer Pokalsieger 2011; 19 Bundesligaspiele (HSV/Fürth), mehr als 130 Zweitligaspiele
  • Derzeit Feldspieler beim TSV Stulln; im Sommer Wechsel zum Landesligisten SC Ettmannsdorf; Sportmanagement-Studium

"Ich habe erstmal geschaut: Was ist das für ein Verein? Was ist das für eine Stadt?“

Wolfgang Hesl über seine Recherche über Ried

Wolfgang Hesl über seine Recherche über Ried

Wolfgangs Hesls Ex-Teamkollege Oliver Glasner (Bild) liegt derzeit mit seinem VfL Wolfsburg auf Platz vier in der Bundesliga. Bild: Swen Pförtner/dpa

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.