06.05.2021 - 17:04 Uhr
Tremmersdorf bei SpeinshartSport

"Die SGE Supporters": Oberpfälzer Power für Eintracht Frankfurt

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Die Oberpfälzer Fußballlandschaft ist fest in der Hand des FC Bayern, des 1. FC Nürnberg, von 1860 und immer mehr auch vom SSV Jahn Regensburg. Aber es gibt da ein Örtchen im Westen des Landkreises Neustadt/WN.

Josi, Heidi und Tobi Scherl beim Pokalsieg der Frankfurter 2018 in Berlin.
von Josef Maier Kontakt Profil

Frankfurt brodelt. Und mittendrin ist die Oberpfalz. Es ist ein traumhafter Fußballabend. Super-Choreographie, 47 000 Zuschauer im – wie es viele immer noch nennen – Frankfurter Waldstadion, ausverkauft. Zu Gast bei diesem Fest ist – der FC Vaduz, fußballerisches Schwergewicht aus dem Zwergenstaat Liechtenstein. „Die erste Quali-Runde in der Europa-League und dann ausverkauft, das gibt es nur in Frankfurt“, sagt Bastian Dötsch (39).

„SGE Supporters Oberpfalz“

Selbstverständlich war auch er 2019 mit seinem Kumpel Jörg Stütz vor Ort. Die knapp 300 Kilometer waren sie nicht das erste Mal von Tremmersdorf in die Main-Metropole hochgebraust. In Tremmersdorf, unweit von Eschenbach im Landkreis Neustadt/WN, gibt es ein paar ganz treue Anhänger der hessischen Eintracht. „Wir sind jetzt kein eingetragener Verein, ich würde uns eher als Fußballstammtisch bezeichnen“, sagt Dötsch, der auch Vorsitzender des FC Tremmersdorf ist. Auch ein paar andere Vereinsmitglieder des Kreisligisten sind Frankfurt-Fans, dazu kommen Leute aus Vohenstrauß, Immenreuth, Bärnau oder Grafenwöhr. Etwa ein Dutzend sind es. „SGE Supporters Oberpfalz“ nennen sie sich. Sie sind auch sichtbar, auf dem Fußballplatz in Tremmersdorf haben die Fans sogar eine eigene Bandenwerbung. „Ich wüsste jetzt nicht, dass es hier in der Oberpfalz einen weiteren Eintracht-Fanclub gibt“, sagt Dötsch, der hofft, dass sich weitere Mädels und Jungs als Eintracht-Fans outen. „Und mal ehrlich“, merkt er schmunzelnd an: „Ein paar Eintracht-Fans mehr unter all den Bayern-, Club- und Sechzig-Fans wären doch nicht schlecht.“

10 000 Kilometer für die Eintracht

Derzeit, in Pandemiezeiten, laufen die Fußballdiskussionen meist über Whats-App, wenn Fans in den Stadien wieder erlaubt sind, dann werden die Oberpfälzer Eintracht-Fans wieder auf Touren gehen. „Ich glaube, ich bin in den zwei Jahren vor Corona 10 000 Kilometer für Eintracht-Spiele gefahren“, rechnet Dötsch nach. Josi, Heidi und Tobi Scherl, ebenfalls treue Oberpfälzer Fans der Hessen, waren beim DFB-Pokalsieg 2018 in Berlin dabei. „In Frankfurt bei der Eintracht haben sie uns sicherlich noch nicht wahrgenommen“, sagt Dötsch. Aber das ist seinen Kumpels und ihm auch nicht wichtig. Sie l(i)eben auch so diesen Verein. Auch dann, wenn die Eintracht nicht so gut war, wie jetzt. Momentan hat sie drei Bundesligaspiele vor Schluss beste Chancen auf einen Champions-League-Platz.

„Ja, die Eintracht war früher auch mal eine große Nummer.“ Dötsch erinnert sich an den Pokalerfolg 1988, als Lajos Détári, der Ungar, einen Freistoß aus 23 Metern zum 1:0-Erfolg gegen den VfL Bochum in den Winkel zimmerte. „Das war das erste Spiel der Eintracht, das ich so mitgekriegt habe.“ Damals war er sechs. Richtig zum Fan wurde Dötsch aber durch das „Drama von Rostock“, wie er es nennt. Die versaute Meisterschaft von 1992. Noch heute ist er der Meinung, dass Frankfurt und Ralf Weber eine Viertelstunde vor Schluss beim Stand von 1:1 einen Elfmeter hätten kriegen müssen. Stattdessen verlor die Eintracht von Trainer Dragoslav Stepanović („Lebbe geht weider“) noch mit 1:2. Wie Schalke 2001 waren auch die Frankfurter neun Jahre zuvor irgendwie „Meister der Herzen“, den richtigen Titel griff der VfB Stuttgart ab.

„Missgeschicke schweißen ja oft noch mehr zusammen als Erfolge“, erklärt Dötsch seine Liebe zur Eintracht. Und jetzt hat er da in der Oberpfalz einige Mitstreiter gefunden. „So richtig los ging es mit unserer Fangemeinschaft vor fünf Jahren“, blick er zurück. Auch da hatte die Eintracht keine so gute Zeit, rettete sich erst in den Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg vor dem Abstieg.

Unverständnis für Hütter

Danach kam die wundersame Entwicklung, die auch mit zwei Namen zu tun hat: Fredi Bobic und zuletzt auch Adi Hütter. Dass Bobic gehen würde, sei abzusehen gewesen, meint Dötsch, der die Personalien eifrig mit seinen Kumpels diskutiert. „Aber dass er zu so einem Chaosverein geht ...“ Das verwundert den zweifachen Familienvater, er kann sich dann aber ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Okay, da findet er das gleiche Feld vor wie vor ein paar Jahren in Frankfurt.“ Aber da Bobic’ Familie in Berlin wohne, sei der Wechsel doch irgendwie verständlich. Den Weggang von Adi Hütter kann der Leiter der Trainingsausbildung bei Witron (Parkstein) da weniger verstehen. „Dass er nach Gladbach geht, ist ganz sicher nicht der nächste Riesenschritt für ihn.“ Aber was solls? „Dieses ganze Fußball-Business, darüber mag ich mich nicht mehr aufregen.“

Vieles ist ihm da zuwider geworden, er liebt noch das Ursprüngliche, das Feeling im Stadion, das die Oberpfälzer Eintracht-Fans bald wieder erleben wollen. Natürlich auch international. „Ja, wir packen die Champions-League-Quali“, ist sich Dötsch sicher. Aber in Frankfurt würde es auch in der Europa-League magische Nächste geben.

So wie diese am 1. August 2019, zwei Wochen vor dem Vaduz-Spiel: wieder eine Gänsehaut-Choreographie, wieder 47 000 Zuschauer, wieder ausverkauft. Zu Gast dieses Mal bei der Europa-League-Qualifikation: Flora Tallinn, fußballerisches Schwergewicht aus dem Baltikum, aus Estland. Die Gästespieler wurden nach dem Spiel von den heimischen Fans gefeiert. Dötsch und Kumpel Stütz waren mittendrin: „Das ist Eintracht-Fankultur.“

Der Ober-Bayer in der Oberpfalz

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Ein Bayernfan über die familiäre Stärke der Münchener

Oberpfalz

„Missgeschicke schweißen ja oft noch mehr zusammen als Erfolge."

Bastian Dötsch von den "SGE Supporters Oberpfalz"

Info:

Eintracht-Fanclubs

  • Es gibt mehr als 750 eingetragene Eintracht-Frankfurt-Fanclubs. Im Vergleich: der FC Bayern hat etwa 4500.
  • Die „SGE Supporters Oberpfalz“ sind kein offiziell eingetragener Fanclub. Wer Interesse hat mitzumachen: Info an bastian.doetsch[at]web[dot]de.

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