10.07.2020 - 17:27 Uhr
WaldsassenSport

Tokio-Absage "kein großes Drama" für Ghost-Fahrerin Anne Terpstra

Eigentlich würde Anne Terpstra bald im Flieger nach Tokio sitzen. Am 28. Juli wäre sie beim Cross-Country-Olympiarennen gestartet. Aber die Corona-Pandemie hat den Terminplan der 29-jährigen Mountainbikerin gehörig durcheinandergewirbelt.

Anne Terpstra (vorne) trainierte in den vergangenen Wochen in den Wäldern rund um ihre Wahlheimat Waldsassen.

"Es ist in den vergangenen Monaten viel und wenig passiert", sagt die Holländerin, die für das Ghost-Factory-Racingteam Waldsassen startet und auch in der Klosterstadt lebt. "Beim Radfahren wenig, sonst auf der ganzen Welt viel", schiebt sie eine Erklärung nach.

Rückblick: Schon im vergangenen Herbst war klar, dass Anne Terpstra bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 dabei ist. Die Qualifikation war der Lohn für ihre bisher beste Weltcup-Saison im Cross-Country. So war der Trainingsplan in den vergangenen Monaten weitestgehend auf das Großereignis ausgelegt.

Auf Start verzichtet

"Ich war Anfang des Jahres sieben Wochen im Trainingslager in Südafrika und bin dort sogar ein Rennen gefahren", erzählt sie. Geplant aber war im März die Teilnahme am Cape Epic, einem achttägigen Mountainbike-Etappenrennen über 624 Kilometer mit 16650 Höhenmetern. "Wir haben aber noch vor der offiziellen Absage entschieden, nicht zu fahren", sagt Terpstra. "Und wir hatten Glück, vor dem Lockdown den allerletzten Flieger Richtung Deutschland zu erwischen."

In ihrer Wahlheimat Waldsassen angekommen ging es der 29-Jährigen jedoch über Wochen hinweg schlecht. "Ich war gesundheitlich nicht auf der Höhe. Mal war es besser, mal wieder schlechter. Ich war nicht fit und bei den Anstiegen war meine Energie schnell weg." Natürlich sei ein Coronatest gemacht worden, der war aber negativ.

Mehr Zeit für die Familie

In dieser Phase besuchte Anne Terpstra ihre Familie. Mehrere Wochen lang war sie in Holland. "Ich war schon lange nicht mehr da und habe es richtig schön gefunden. Ich hatte auch Zeit Rad zu fahren." Es sei anders wie in ihren Trainingsrevieren in der Oberpfalz, im Fichtelgebirge oder in Tschechien. "Ich habe gelernt, flache Kurven zu fahren und die kurzen steilen Anstiege in den Wäldern sind ein perfektes Training für Cross-Country."

Dann kam endlich das Aus für die Olympischen Spiele. Viel zu lange habe man gewartet, kritisiert Terpstra. Vorher waren bereits alle anderen Großveranstaltungen und MTB-Rennen abgesagt worden. "Es ist zwar schade, dass Tokio nicht stattfindet, aber die Umstände sind viel größer, als dass Olympia Priorität eins hätte. Deshalb ist es für mich kein großes Drama."

Die Pause habe auch den großen Vorteil gehabt zu sehen, wie es ohne Sport ist. "Ich hatte keinen Renndruck und damit auch nichts zu verlieren. Seit ich 18 Jahre alt bin mache ich Leistungssport. Ich hatte keine Zeit zu schauen, wie es ist ohne. Jetzt weiß ich, dass das auch geht. Ich habe keine Angst, wenn ich mal aufhöre, und weiß, dass ich gut leben kann. Aber noch macht es mir Spaß jeden Tag daran zu arbeiten, dass ich eine bessere Radfahrerin werde."

Fast wieder 100 Prozent

Mitte Mai hat ihr Coach vorschlagen, trotzdem mit dem großen Trainingsprogramm zu beginnen. "Es ging mir besser als erwartet und es hat mir gezeigt, dass eine lange Pause nicht unbedingt schlecht ist. Ich bin fast wieder bei 100 Prozent", sagt Terpstra.

In einigen Tagen trifft sich nach der langen Pause das gesamte Ghost-Team in Österreich. Zuvor werden alle auf Corona getestet. "Wir hatten uns zwar geschrieben. Aber ich freue mich, dass wir uns alle wiedersehen", sagt die Holländerin. "Ich vermisse das Drumherum, das Team, die Gespräche und das Feiern nach den Rennen."

Im Interview im November sprach Anne Terpstra noch über ihre großen Olympia-Ziele.

Waldsassen

Voller Terminkalender

Im August beginnt die letzte Phase vor den Rennen. Anne Terpstra will zwei Wochen nach Südtirol, um auf 1800 Meter Höhe zu trainieren. Der erste Wettkampfort Lenzerheide liegt nämlich auf knapp 1500 Meter. Nach dem ersten Septemberwoche hat das Team eine Woche Pause. Dann folgen Les Gets in Frankreich, zwei Rennen in Nove Mesto in Tschechien, die WM vom 7. bis 11. Oktober im österreichischen Leogang, danach die EM. "Die holländischen Meisterschaften dazwischen muss ich wahrscheinlich auslassen", fürchtet die 29-Jährige.

Zum Einsatz kommt bei den Wettkämpfen das extra für Olympia entwickelten Rad. Zu kaufen gebe es das Ghost-Mountainbike noch vor Olympia im nächsten Jahr, bestätigt Team-Manager Tom Wickles.

Qualifikation für Tokio steht

Ob Zuschauer an den Strecken stehen, ist nicht bekannt. "Es gibt ja in jedem Land andere Vorschriften", weiß Terpstra. "Ich genieße es aber schon, wenn Zuschauer da sind, da herrscht eine ganz andere Atmosphäre." Sollten die Olympischen Spiele 2021 in Tokio stattfinden, dann ist Anne Terpstra für Holland dabei. "Die Qualifikation hat weiter Bestand. Ich werde am Start sein. Und das fühlt sich schon gut an."

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