29.04.2020 - 15:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Coronavirus bremst auch Reitsport aus

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Reitstunden fallen aus, Hallen bleiben leer, Turniere werden abgesagt. Die Corona-Pandemie hat auch den Pferdesport in der Region voll erfasst. Und auch bei den Reitern weiß niemand, wie es konkret weitergeht.

Das verlängerte erste Mai-Wochenende hatten sich viele Reiter für Turniereinsätze auf dem Springplatz oder Dressurviereck eingeplant. Corona macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Sämtliche Reitsportveranstaltungen in der Region wurden verschoben oder abgesagt.
von Norbert DietlProfil

Füttern, pflegen und bewegen der Tiere - darauf müssen sich derzeit die Pferdebesitzer in der Corona-Krise beschränken. Michael Hubrich (Störnstein/Oberndorf), Vorsitzender der Landeskommission Bayern und Vizepräsident des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes, sieht den Pferdesport in einer ganz schwierigen Lage. "Man muss wohl davon ausgehen, dass 2020 ein verlorenes Jahr für den Reitsport sein wird."

Da bei Hubrich in Sachen Turniersport in Bayern alle Fäden zusammenlaufen, verwundert es nicht, dass er zuletzt täglich rund um die Uhr mit dem Thema Corona befasst war. "Bis zum 3. Mai ruht alles", sagt Hubrich. Es gebe zurzeit generell keinen Reitunterricht. Pferde müssten natürlich versorgt werden, wobei im Rahmen der Tierschutzvorgaben auch eine angemessene Bewegung gehöre. Dies bedeute aber nicht, dass die Pferde sportlich trainiert werden dürfen. Da nach den geänderten Ausgangsbeschränkungen Sport und Bewegung an der frischen Luft mit einer weiteren nicht im selben Hausstand lebenden Person wieder zulässig ist, könnte allerdings ein Einzelunterricht beim Ausritt in der Natur erteilt werden.

Charlotte Biller aus Landshut gewann 2019 zwei S-Prüfungen in Münchsgrün

Weiden in der Oberpfalz

Der Betrieb von Sportanlagen, also auch Reitplätzen im Freien, ist im Freizeitsport weiterhin nicht zulässig. Die Zahl der Personen, so Hubrich, sei im Stall auf ein Minimum zu begrenzen, Hygienevorschriften seien streng einzuhalten. Auf Stallbesitzer, ob Vereine oder Privatpersonen, würden angesichts der strengen Regelungen über kurz oder lang massive wirtschaftliche Probleme zukommen. Was Turniere betrifft, so ist Hubrich eher pessimistisch. "Man muss die Entwicklung abwarten." Aber seiner Meinung nach wird es allenfalls erst im Herbst zu regional begrenzten Turnieren in abgespeckter Form kommen. Der Verband hat die Bayerischen Meisterschaften Dressur, Springen und Voltigieren, die auf der Reitanlage München-Riem stattfinden sollten, bereits abgesagt.

Michael Hubrich, Vizepräsident des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes und Vorsitzender der Landeskommission Bayern, sieht den Reitsport in einer schwierigen Lage.

Turniere verschoben und abgesagt

  • Reitclub Münchsgrün

Dass beim Reitclub Münchsgrün, der bekanntlich vor den Toren des Corona-Hotspots Mitterteich seinen Stammsitz hat, die geplanten Turniere nicht stattfinden, ist nicht überraschend. Die Vereinsvorsitzende Nicole Heindl und ihr Team hatten auf ihrem Reiterhof schon frühzeitig einschränkende Regelungen festgelegt. „Vom Personal her fuhren wir eine kleine Besetzung und fremde Besucher waren nicht erlaubt.“ Die von den Behörden für Reiterhöfe angeordneten Hygiene- und Abstandsvorschriften waren deshalb beim Inkrafttreten kein Problem. Das am Landesleistungszentrum für Dressur in Münchsgrün zum Saisonstart am 1./2. Mai geplante Turnier und auch die alljährliche Großveranstaltung mit mehreren Prüfungen der Klasse „S“ am 18./19. Juli wurden umgehend abgesetzt.

Nun hofft man, dass im Spätsommer/Herbst sportliche Veranstaltungen unter angemessenen Regelungen wieder zugelassen werden. „Ich schließe nicht aus, dass wir dann auf die Schnelle vielleicht doch noch ein Turnier in Münchsgrün durchführen werden,“ so Hägler.

  • Reitclub Amberg

„Wir haben alle Veranstaltungen gestrichen“, sagt Vorsitzende Patricia Giermann. Betroffen sind davon zwei kleinere, regionale Turniere am 3. Mai und 30. August, sowie das große Dressur- und Springturnier am 8./9. August auf der Reitanlage in Neumühle mit traditionell um die 400, 500 Reitern aus Niederbayern und der Oberpfalz. Ist eine Verschiebung eventuell in den Herbst denkbar? „Derzeit ist da nichts geplant“, sagt Giermann. Ebenfalls ersatzlos gestrichen wurden der „Tag der offen Türe“ des Reitclubs im Mai und der Familiennachmittag in den Sommerferien.

  • Reitclub Weiden

Auch am Weidener „Schwedentisch“ tut sich in Sachen Turniere nichts. Am 20./21. Juni wären beim Reitclub Weiden (RCW) bei einem Reit- und Springturnier Qualifikationen für den Verbands-Jugend-Cup, den „1. Großen FAV-Amateur-Cup“ und den Amateurförderpreis Niederbayern/Oberpfalz (Dressur) geritten worden. Die Turniereinnahmen hätte man gut gebrauchen können. Schließlich hat der „Reiterclub“ während der Wintermonate seine gesamten Schulpferde altersbedingt verkauft und wollte sich während des Sommers wieder jüngere Schulpferde zulegen.

RCW-Vorsitzender Ralph Schuh hat dadurch ein Problem weniger, denn ein Schulbetrieb hat zuletzt ohnehin nicht stattgefunden. Die Corona-Pandemie hat das Vereinsleben zudem durcheinandergewirbelt. Nach 26 Jahren als Vorsitzender wollte Schuh in der im März geplanten Jahreshauptversammlung sein Amt an einen Nachfolger übergeben.

Da derzeit noch immer keine Versammlungen durchgeführt werden dürfen, muss Schuh noch einige Wochen im Amt bleiben.

  • RSG Weiden

Die Reitsportgemeinschaft (RSG) Weiden hat ihr für den 1. Mai geplantes Übungsturnier schon vor Ostern abgesagt. Für die Vorsitzende Kathrin Müller eine bittere, aber unumgängliche Entscheidung: „Es wäre die 23. Auflage dieses vorwiegend für den Reiternachwuchs geplanten Turniers und gleichzeitig der Einstieg in die grüne Saison gewesen.“ Am Termin 5./6. September für ein Reit- und Springturnier wird zunächst noch festgehalten, wobei sich bei der Clubchefin die Zuversicht in Grenzen hält.

Auch wenn die Einnahmen aus diesem erstmals wieder über zwei Tage geplanten Turnier der Vereinskasse recht gut tun würden, stehe die Gesundheit von Reitern, Pferden und den Zuschauern an erster Stelle. „Mal abwarten, ob die Behörden bis dahin solche größeren Veranstaltungen wieder zulassen.“

  • Reit- und Fahrverein Hahnbach

Auch bei Christian Schoierer, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Hahnbach, glimmt der Funke Hoffnung noch ein wenig. Eine kleinere Veranstaltung (1./2. Mai) wurde schon abgesagt. Das für Juni geplante Springturnier (M**) ist zunächst auf den 27./28. August verschoben worden, wobei man auch da von der Gesamtlage abhängig ist. Sollten bis dahin Großveranstaltungen wieder zulässig sein, wird das Turnier durchgeführt.

Reitsport:

Ulrike Kick und "Ruling-Pedro" fit

Abrupt gestoppt wurde im Übrigen auch Ulrike Kick durch die Corona-Krise. Die Dressurreiterin aus Weiden-Frauenricht hatte mit ihrem "Ruling-Pedro" am 8. März in Karlsfeld im "Grand-Prix-Special" mit einer Wertung über 70 Prozent und Rang drei einen tollen Saisonstart hingelegt, wurde dann aber von der Pandemie ausgebremst. Im Gegensatz zu den Freizeit- und Amateurreitern darf sie als Profi aber mittlerweile ihre Pferde nicht nur bewegen, sondern wieder "sportlich" trainieren. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Aber ich selbst bin bereit und meine Pferde sind fit."

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.