13.04.2021 - 18:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Motiviert und fit durch die Pandemie: Seniorensportler lassen sich nicht ausbremsen

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Keine Wettkämpfe, erschwertes Training: Die Pandemie setzt nicht nur jungen Sportlern mächtig zu. Auch ältere Aktive leiden. Der Wunsch nach Normalität ist groß, wie unsere Umfrage unter Ü70-Sportlern in der Region zeigt.

Karl Schmid ist nicht nur als Leichtathlet topfit, wie er bei der Einweihung des Weidener Calisthenics-Parks im vergangenen Sommer zeigte. Der 83-Jährige hofft, dass er noch in diesem Jahr auf die Leichtathletik-Bahn zurückkehren kann.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Karl Schmid (Leichtathletik)

Noch gut erinnern kann sich beispielsweise Karl Schmid, wann er seinen letzten Wettkampf bestritten hat. "Das war die deutsche Meisterschaft in Erfurt", sagt der Leichtathlet auf Anhieb. Im März 2020 lief der damals 82-Jährige über 60 Meter in 9,48 Sekunden zum Meistertitel, im Weitsprung reichten 3,66 Meter immerhin zu Platz vier. "Eigentlich wollte ich danach zur WM nach Toronto", erzählt Schmid. "Aber die ist ausgefallen, wie alle anderen Veranstaltungen danach auch." Die Sehnsucht, wieder an der Startlinie stehen zu dürfen, sei groß, gibt der Senior aus Weiden zu. "Man ist in diesen Zeiten schon etwas enttäuscht und deprimiert. Ich würde mich riesig freuen, wenn es wieder losgeht." Aber noch ist geduldiges Warten angesagt. "Ich bin weiter in Bewegung, habe aber mein Training insgesamt deutlich reduziert", erzählt der mehrfache Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften. Ob er wieder an seine ursprüngliche Leistungsstärke anknüpfen kann, weiß Schmid nicht so recht. "Ich denke zwar schon. Aber ich müsste einige Zeit hintrainieren, so ein, zwei Monate."

Fred Böckl (Tennis)

"Ich habe im Winter drei Monate lang keinen Schläger in der Hand gehabt." Wer Fred Böckl kennt, weiß, wie schwer dem Tennis-Enthusiasten eine so lange Auszeit vom weißen Sport gefallen ist. "Die Zeit war sehr hart. Zumal ich ja eher ein trainingsfauler Typ bin, der mit Alternativen wie Laufen oder Radfahren nicht viel am Hut hat." Ein bisschen Krafttraining, hin und wieder Gymnastik – das war's. Seit gut vier Wochen ist das Tennis-Ass aber wieder zurück auf dem Court. "Ich habe leider zu spät erfahren, dass ich als Mitglied des deutschen Tennis-Nationalkaders jederzeit trainieren darf", erzählt der Bechtsriether. Seitdem schwingt der 70-Jährige, der in den vergangenen Jahren nationale und internationale Titel reihenweise eingefahren hat, wieder das Racket in der Tennishalle des TC Grün-Rot Weiden. "Meine Trainingspartner kommen aus der Herren-50-Mannschaft des TC Grün-Rot", erzählt Böckl. Motivationsprobleme hat die Nummer eins der europäischen Rangliste (AK 70) keine. "Vor Corona hatte ich einen Lauf mit 50 Spielen ohne Niederlage. Daran will ich anknüpfen."

Norbert Frisch (Tischtennis)

Mit einem etwas kleineren Schläger ist Norbert Frisch unterwegs. Und dies bereits seit fast 60 Jahren. "Ich habe auch Fußball gespielt, aber Tischtennis war der wichtigere Teil meines Lebens", berichtet der 74-jährige. Als Spartenleiter hält er seit Jahrzehnten die Tischtennis-Abteilung der DJK Neustadt zusammen, an der Platte steht er in der Bezirksklasse C unverdrossen seinen Mann. Allerdings: Seit November 2020 hat Frisch keinen Kunststoffball mehr über das Netz geschlagen. "Die Punktspiele, das Training, die Gemeinsamkeit mit den Mitspielern, das fehlt einem schon sehr", gibt er zu. Gedanken, den Schläger endgültig wegzulegen, sind bei ihm nie gereift. Im Gegenteil. "Wir im Verein lauern alle auf eine Freigabe. Sobald es irgendwie möglich ist, legen wir wieder los." Eine Befürchtung hat Frisch allerdings. "Ich denke schon, dass die Spielstärke gelitten hat. Aber mit ausreichend Training wird das wieder."

Manfred Dütsch (Schießsport)

Auf den Trainingseffekt setzt auch Manfred Dütsch. "Man kann zu Hause Trockenanschläge und Konzentrationsübungen durchführen", sagt der 72-Jährige. "Aber das Training am Schießstand ist dadurch nicht zu ersetzen. Dazu sind die Abläufe in unserer Sportart zu diffizil." Dütsch kennt den Schießsport in- und auswendig. Seit einem Autounfall im Jahr 1972 ist der Sulzbacher querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Das Schießen hat ihm Halt gegeben. Zunächst als Bogenschütze, später mit dem Luftgewehr nahm er erfolgreich an Weltmeisterschaften und den Weltspielen für Behinderte teil. Vor zwölf Jahren trat er altersbedingt kürzer, seitdem schießt der 72-Jährige nur noch aufgelegt. "Wenn man älter ist, hat man nicht mehr die ruhige Hand. Das Schießen mit Auflage ist prädestiniert als Seniorensport." Eine Demotivation durch Corona kann er weder bei sich noch in seinem Freundeskreis ausmachen. Im Gegenteil. "Jeder fiebert danach, in die Schützenheime zurückzukehren. Ich sehe eher die Gefahr, dass die Jugend das Interesse am Schießen und allgemein am Vereinssport verliert." Yoga und Training mit dem Handbike – das sind für Dütsch die Mittel, um sich fit zu halten.

Alois Gmeiner (Ski-Langlauf)

Bayerische und deutsche Meisterschaften, Welttitelkämpfe, bekannte Volksläufe wie der Wasa-Lauf: Als Ski-Langläufer hat Alois Gmeiner in den vergangenen Jahrzehnten viele Erfolge und Podestplatzierungen eingefahren. Die Wintersaison 2020/21 war seit langer Zeit die erste, in der er kein einziges Rennen bestritten hat: "Ich habe alle Wettkämpfe gestrichen. Tests und Quarantäne, die ganzen Auflagen waren mir zu hoch", berichtet der für den SV Schönkirch startende 70-Jährige. Corona habe ihn darüber hinaus aber "kein bisschen" eingeschränkt. "Ich bin jemand, der viel alleine trainiert. Von daher hat meine Leistungsfähigkeit nicht gelitten", sagt Gmeiner. Mit seiner Gattin ist Gmeiner oft mit dem Bike unterwegs, sein Schwerpunkt ist aber das Training mit Rollski. 30 bis 50 Kilometer legt Gmeiner pro Trainingseinheit zurück. "Da kommen 400 bis 600 Höhenmeter zusammen", rechnet der Nordoberpfälzer vor. Von der Pandemie lässt er sich nicht bremsen: "Mir macht alleine schon das Training narrisch Spaß. Die Wettkämpfe sind lediglich das Tüpfelchen auf dem i."

Die Punktspiele, das Training, die Gemeinsamkeit mit den Mitspielern, das fehlt einem schon sehr.

Norbert Frisch

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