22.05.2020 - 15:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Oberpfälzer Basketballer zwischen Vorfreude und Sorge

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Welchen sportlichen Wert hat das Quarantäne-Turnier in München zur Ermittlung des neuen deutschen Basketball-Meisters? Experten aus der Region sind sich bei der Beurteilung uneins. Beim Meisterschaftstipp sieht das ganz anders aus.

Für die Basketball-Experten aus der Region und die meisten Fans in Deutschland sind die Basketballer des FC Bayern um Derrick Williams die Topfavoriten auf den Gewinn des Meistertitels.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Die Basketball-Bundesliga ermittelt ihren Deutschen Meister 2020 ab 6. Juni in 35 Spielen bei einem Quarantäne-Turnier vor leeren Rängen im Audi-Dome in München. Der Modus ist einfach gehalten und an EM- oder WM-Turniere angelehnt: Zwei Fünfergruppen sowie K.-o.-Duelle ab dem Viertelfinale mit Hin- und Rückspiel. Stefan Merkl, Trainer des Regionalligisten DJK Neustadt/WN und in der Nachwuchsförderung beim Bayerischen Basketball-Verband tätig, sieht nach der Starterlaubnis der Politik "zwei Herzen in meiner Brust" schlagen. Aus rein sportlicher Sicht ergibt dieses Turnier für Merkl durchaus Sinn. "Für uns Amateurvereine ist es spannend zu sehen, wie und ob das Hygienekonzept so funktioniert. Damit würde auch unsere Hoffnung auf einen Wiederbeginn im September oder Oktober steigen", sagt Merkl. Andererseits hegt der Neustädter Trainer auch die Befürchtung, dass ein Scheitern dieses Konzepts fast zwangsläufig "zulasten der Gesundheit der Spieler" gehen wird. Und die wurden, für Merkl unverständlich, bei der Entscheidung über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs als letzte gefragt. Trotz allem sieht er dieses Turnier als "beste Lösung und Kompromiss zwischen sportlicher Fairness und wirtschaftlichen Interessen" an.

"Dass nach den Fußballern auch die Basketballer wieder loslegen dürfen, ist ein tolles Signal für alle Basketballer. Das ist ein kleines Licht in all der Corona-Dunkelheit", ist Michael Gröber, Abteilungsleiter beim TV Amberg, richtiggehend euphorisiert. Er hätte sich sogar schon einen früheren Re-Start gewünscht, möglicherweise sogar als "gemeinsame Sache mit anderen Sportarten wie Handball". Etwas schade findet Gröber, dass jetzt "jeder Verband sein eigenes Ding durchzieht". Bei aller Freude räumt der Amberger aber auch ein, dass dieser nominell reduzierte Wiederbeginn "nicht unbedingt gerecht" erscheint.

Für den Weidener Trainer Roman Lang hält sich der sportliche Wert des Quarantäne-Turniers in München in Grenzen.

Die wirtschaftliche Notwendigkeit eines Quarantäne-Turniers sieht Roman Lang, Trainer und Sportlicher Leiter bei den Hamm Baskets Weiden: "Viele Vereine verlieren derzeit viel Geld. Dies führt etwa zu Entlassungen von hauptamtlichen Jugendtrainern, weil diese Posten entbehrlicher erscheinen als die Profispieler. Wenn es durch das Turnier in München gelingt, die finanziellen Verluste etwas aufzufangen, ist das der einzige positive Aspekt für mich." Allein aus sportlicher Sicht sieht der Weidener Coach "keinen großen Sinn" im Münchener Turnier. Zum einen, weil nur 10 von 17 Teams am Start sein werden, und nun Mannschaften theoretisch Meister werden könnten, die "in der regulären Saison nicht einmal in die Nähe der Play-offs" gekommen wären. "Der Sieger dieses Turniers ist für mich kein Deutscher Meister, das ist kein offizieller Titel. Das hat eher den Charme eines Vorbereitungsturniers", fügt Lang an. Er werde die Spiele "vermutlich nicht verfolgen", weil ohne die Fans in der Halle und das ganze Drumherum "keine Atmosphäre" herrsche. Einen Meistertipp hält Lang dennoch parat: "Zu 70 Prozent setzt sich der FC Bayern durch. Die Münchener konnten den Kader zum größten Teil zusammenhalten, während etwa Frankfurt oder Braunschweig zu viele Spieler verloren haben."

Auch der Neustädter Merkl und der Amberger Gröber tippen auf den FC Bayern als Sieger des Quarantäne-Turniers. "Das werden schöne Spiele für den Zuschauer und eine spannende Geschichte. Daher würde ich eine Überraschung in diesem Modus nicht ausschließen. Da setzt sich ein Underdog mal schneller durch als in einer langwierigen Best-of-7-Serie", rechnet Merkl vor. Gröber geht als "Bayern-Sympathisant" dennoch relativ neutral an dieses Turnier ran: "Die großen Mannschaften werden dominieren. Bayern, Alba Berlin oder Brose Bamberg werden vermutlich den Titel holen. Oldenburg hat aber auch das Potenzial zu überraschen." Schade, aber nachvollziehbar, sieht das Trio den Verzicht medi Bayreuths auf das Münchener Turnier an. "Aus finanziellen Gründen ist die Bayreuther Entscheidung verständlich, auch wenn ich den Amberger Jevon Perschnick oder den Neustädter Nico Wenzl gerne in München auflaufen gesehen hätte", sagte Gröber vom TV Amberg.

Stefan Merkl, Trainer der DJK Neustadt/WN, sieht einen Kompromiss zwischen sportlicher Fairness und wirtschaftlichen Interessen.

Marathonläufer Erik Hille schafft neue Bestzeit

Nabburg

Was passiert mit Sportwetten in der Coronakrise?

Nabburg

NBA-Legende Patrick Ewing ist an Covid-19 erkrankt

Sport

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.