Update 20.08.2020 - 15:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Rückkehr von Zuschauern: BFV legt Muster-Hygienekonzept vor

Der Bayerische Fußball-Verband erhöht den Druck: In einem Schreiben an das bayerische Innenministerium fordert BFV-Präsident Rainer Koch die Erlaubnis für Zuschauer beim geplanten Re-Start. Die Entscheidung könnte sehr kurzfristig fallen.

Es ist weiter Geduld gefragt: Die Entscheidung, ob zum geplanten Re-Start der Amateurfußballer am 5./6. September Zuschauer zugelassen sind, wird der Ministerrat vermutlich erst wenige Tage zuvor am 1. September fällen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Die Zeit drängt, die Ungeduld wird größer: Der Bayerische-Fußballverband hat in einem Schreiben an das bayerische Innenministerium die Freigabe für Zuschauer beim geplanten Re-Start der Amateurfußballer am 5. und 6. September gefordert. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die der Verband am Donnerstagmittag veröffentlichte. BFV-Präsident Rainer Koch verweist darin auf die bereits erlaubten 400 Zuschauer bei kulturellen und religiösen Veranstaltungen. Darüber hinaus seien in anderen Bundesländer bereits wieder Zuschauer bei Fußballspielen auf Amateurebene gestattet. „Wir sind der festen Auffassung, dass zumindest diese Vorgaben, die sich als sicher erwiesen haben und mittlerweile etabliert sowie anerkannt sind, auch für den bayerischen Amateurfußball gelten müssen. Ein Fußballplatz bietet in den meisten Fällen weitaus mehr Platz, um Abstandsregelungen einhalten zu können als etwa eine Freilichtbühne“, wird Koch in der Mitteilung zitiert.

Für den Verband funktioniere Amateurfußball ohne Zuschauer schlicht nicht. "Dabei wissen wir, dass wir weiterhin alle mit größter Sorgsamkeit agieren sollten, denn die Pandemie ist längst nicht vorbei. Regeln und Vorgaben sind dafür da, sie auch zu befolgen – und zwar strikt“, so Koch weiter. Dazu hat der BFV ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept für seine Vereine als Muster erarbeitet. Die Entscheidung, ob die Politik tatsächlich grünes Licht für die Rückkehr von Zuschauern gibt, könnte erst wenige Tage vor dem geplanten Wiederbeginn fallen: Der Ministerrat tagt das nächste Mal am 1. September. Daher drängt Koch auf "eine rasche Entscheidung", wie er abschließend formuliert: "Unsere Botschaft ist klar: Der bayerische Amateurfußball übernimmt Verantwortung, er ist startklar."

Auch Fußball ist Kultur.

Thomas Graml, BFV-Bezirksvorsitzender der Oberpfalz

Der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende Thomas Graml kann die wachsende Ungeduld bei den Fußballern und Funktionären durchaus nachvollziehen. "Je länger nur Trainingseinheiten und Geister-Testspiele erlaubt sind, desto schwieriger wird es, die Akteure bei Laune zu halten. Jeder Spieler braucht den Anreiz und die Motivation, um Punkte und Titel zu kämpfen." Auch wenn sich Graml "klarere Aussagen" aus der Politik in Bezug auf das BFV-Hygienekonzept erhofft hätte, "können wir damit leben, dass der Beschluss bis 1. September gefällt werden soll". Selbst wenn wirtschaftliche und finanzielle Aspekte ausgeblendet würden, gehe es nun vor allem darum, eine Gleichbehandlung herzustellen. "Da herrscht aktuell schon eine Diskrepanz etwa zu kulturellen Events vor, wenn in einem Sportstadion ein Freiluftkino für 400 Besucher abgehalten werden darf. Aber Fußballfans dürfen am Tag darauf nicht rein. Auch Fußball ist Kultur", verdeutlicht Graml.

Oberste Priorität hätten, und da wiederholt der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende das Anliegen Kochs, die Gesundheit aller sowie die Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Verhaltensregeln. "Wenn allerdings die Polizei zu einem Vorbereitungsspiel gerufen wird und dort dann 60 Zuschauer zählt, konterkariert das alle Bemühungen des Verbands, Zuschauer zuzulassen", beschreibt Graml einen konkreten Fall aus der Oberpfalz. Und wird der Re-Start noch länger verzögert, vergrößerten sich die Sorgen der bayerischen Amateurfußballer. "Wir haben zwar noch etwas Spielraum, wenn wir einige Module des Ligapokals streichen, doch ein Wiederbeginn im späten Herbst und bei schlechter Witterung ergibt keinen Sinn." Die Folge wäre eine fast eineinhalbjährige Unterbrechung, wenn der Spielbetrieb erst im März oder April 2021 fortgesetzt werden könnte. "Dann wird es für viele Vereine um die Existenz gehen, weil viele Spieler die Lust auf Fußball verloren haben", skizziert Graml das Worst-Case-Szenario. Punktspielbetrieb ja oder nein? Zuschauer ja oder nein? Die Zeit drängt.

Hintergrund:

Die Mitteilung des Bayerischen Fußball-Verbands im Wortlaut

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hält den für September geplanten Re-Start der aktuell wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Amateurfußball-Saison mit einer zunächst begrenzten Zahl an Zuschauern für realistisch und hat dem zuständigen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (StMI) am 13. August 2020 ein entsprechend detailliert ausgearbeitetes Hygiene-Musterkonzept vorgelegt. Eine Entscheidung wird spätestens für den 1. September erwartet, wenn der Ministerrat zu seiner nächsten turnusgemäßen Sitzung zusammenkommt. „Wir wissen um die große Ungeduld bei unseren Fußballern. Bei alledem, was jetzt entschieden wird, muss die Gesundheit aller an oberster Stelle stehen. Das ist uns absolut bewusst. Deswegen waren wir quasi durchweg im Kontakt mit der Politik und haben zugleich einen Weg aufgezeigt, wie wir den Spielbetrieb mit einem Höchstmaß an Gesundheitsschutz umsetzen können – nicht nur im Fußball, sondern für alle Mannschaftssportarten mit Körperkontakt, die im Freien stattfinden“, sagt BFV-Präsident Rainer Koch. In dem Ministeriumsschreiben verweist Koch unter anderem darauf, dass beispielsweise kulturelle oder religiöse Veranstaltungen unter freiem Himmel längst wieder stattfinden können und dabei bis zu 400 Besucher zugelassen sind. „Wir sind der festen Auffassung, dass zumindest diese Vorgaben, die sich als sicher erwiesen haben und mittlerweile etabliert sowie anerkannt sind, auch für den bayerischen Amateurfußball gelten müssen. Ein Fußballplatz bietet in den meisten Fällen weitaus mehr Platz, um Abstandsregelungen einhalten zu können als etwa eine Freilichtbühne“, sagt Koch. Im benachbarten Württemberg sind von staatlicher Seite aktuell schon wieder 500 Zuschauer bei Fußballspielen zugelassen. Der BFV setzt sich in dem Schreiben zudem dafür ein, auch eine Öffnungsklausel vorzusehen, sodass kommunale Behörden auf Gegebenheiten vor Ort mit individuelle Regelungen reagieren können. „Vereine, die beispielsweise eine Sitzplatztribüne haben und Plätze ausweisen können oder ein besonders weitläufiges Sportgelände besitzen, sollten in unseren Augen auch mehr Zuschauer zulassen dürfen“, sagt Koch. In Sachsen war es am vergangenen Freitag beispielsweise möglich, das Eröffnungsspiel der Regionalliga Nordost zwischen Lok Leipzig und Hertha BSC Berlin II vor 3115 Besuchern auszutragen. „An unserer Grundhaltung, dass Amateurfußball ohne Zuschauer nicht funktioniert, hat sich nichts geändert. Wir sehen vielmehr den Zeitpunkt gekommen, jetzt mit Bedacht und unter Berücksichtigung von fundierten Konzepten den nächsten Schritt zu machen. Dabei wissen wir, dass wir weiterhin alle mit größter Sorgsamkeit agieren sollten, denn die Pandemie ist längst nicht vorbei. Regeln und Vorgaben sind dafür da, sie auch zu befolgen – und zwar strikt“, betont Koch: „Dass wir das können, haben unsere Vereine in den letzten Wochen und Monaten eindrucksvoll bewiesen, wenn es darum ging, mit den jeweiligen Lockerungen verantwortungsvoll umzugehen.“ Der BFV hat zudem ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept für seine Vereine als Muster erarbeitet. An der Entwicklung war BFV-Verbandsarzt Werner Krutsch maßgeblich beteiligt, der auch zum Expertenteam zählte, das die international anerkannten Konzepte für die DFL Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erarbeitet hat. Das Muster-Konzept wird aktuell für den Trainingsbetrieb und Trainingsspiele umgesetzt und bildet in modifizierter Form auch die Basis für das Konzept, wenn Wettbewerbsspiele unter Miteinbeziehung von Zuschauern wieder erlaubt sind. „Wir haben unsere Hausaufgaben im Sinne unserer über 4500 bayerischen Fußball-Vereine gemacht und sind zudem auch spieltechnisch weitgehend startklar, wenn uns die Politik grünes Licht gibt. Wir wissen um das starke bayerische Krisen-Management der Politik von Ministerpräsident Markus Söder und den für den Sport zuständigen Innenminister Joachim Herrmann. Es ist nicht einfach, in dieser schweren Zeit weitreichende Entscheidungen zu treffen. Darum ist niemand zu beneiden, Bayern aber hat das vorbildlich gemacht und dafür möchten wir uns auch ausdrücklich bedanken“, sagt Koch. Der BFV plant mit dem Re-Start der Saison Anfang September, inwieweit dies zum 5./6. September möglich ist, hängt jetzt von der Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung ab. „Auch hier ist klar, dass wir unseren Vereinen auch etwas Zeit geben müssen, um sich auf die Situation einstellen und Vorkehrungen treffen zu können – das geht nicht von heute auf morgen, daher ist eine möglichst rasche Entscheidung wünschenswert. Unsere Botschaft ist klar: Der bayerische Amateurfußball übernimmt Verantwortung, er ist startklar!“

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