28.02.2020 - 13:13 Uhr
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Vom Café zum Coach: Girlboss Sabrina Lorenz

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Käse aus der Oberpfalz und Fleischküchl nach Mamas Rezept: Neun Jahre lang holte Sabrina Lorenz ein Stück Amberger Gemütlichkeit in ihr Café Lotti nach München. Warum sie ihren Café-Traum trotzdem verkauft hat, verrät sie im Interview.

Sabrina Lorenz aus Amberg hat es auch in der Landeshauptstadt geschafft: Neun Jahre lang führte sie erfolgreich das Café Lotti in der Maxvorstadt. Heute geht die junge Unternehmerin einer weiteren Leidenschaft nach und coacht andere Geschäftsleute.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Rosa Wandfarbe, Blümchenkissen und Kronleuchter an der Decke. Neun Jahre ist das Café Lotti in der Maxvorstadt in München, der Ort für Sabrina Lorenz, an dem sie als Unternehmerin und Mensch reift, lebt und lacht. 2019 verkauft sie den erfolgreichen Mädchen-Traum. Die gebürtige Ambergerin erzählt, wie alles begann. "Den Traum von einem eigenen Café hatte ich schon sehr lange." 2009 wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit. "Ich war gerade 21 und hatte frisch mein Abi in der Tasche. Eigentlich sollte es ein Lehramtsstudium werden, doch mein Traum ließ mich nicht los. Mein damaliger Freund und bis zuletzt stiller Teilhaber hat dann zu mir gesagt: 'Komm, wir machen das jetzt'." Noch in der gleichen Woche erstellen die beiden einen Businessplan und fahren nach München, um eine Location zu suchen. Schon die erste Besichtigung fühlt sich richtig an. Der kleine Laden in der Schleißheimer Straße soll es sein. "Das war definitiv jugendlicher Leichtsinn. Mit Anfang 20 habe ich mir da einfach gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich war schon ein bisschen naiv, aber das war auch gut so", gesteht Sabrina heute mit einem entspannten Lachen.

Münchner-Wohnzimmer mit Amberg-Feeling

Sabrina Lorenz aus Amberg hat es auch in der Landeshauptstadt geschafft: Neun Jahre lang führte sie erfolgreich das Café Lotti in der Maxvorstadt. Heute geht die junge Unternehmerin einer weiteren Leidenschaft nach und coacht andere Geschäftsleute.

Anfängliche Schwierigkeiten lassen nicht lange auf sich warten. Nur wenige Kunden verirren sich in die Nebenstraße und stellen das junge Paar auch vor finanzielle Probleme. "Jeder Tag war damals lehrreich. Vieles habe ich mir selbst beigebracht, oft habe ich auch meine Mama angerufen. Die hat mir dann am Telefon geholfen, Fleischküchl zu machen", schwelgt die 31-Jährige in Erinnerungen. Sabrinas Familie steht zum Glück voll hinter ihr. "Für mich war es wie ein Sprung ins kalte Wasser, in dem ich einfach schwimmen lernen musste." Dabei half auch ihr ursprünglicher Plan: "Ich wollte ein Stückchen Amberg nach München holen. Für meine Gäste und für mich sollte das Lotti wie ein zweites Wohnzimmer sein. Das Familiäre, das ich aus Amberg kannte, wollte ich in die anonyme Großstadt bringen." Deshalb standen auch Wurst, Eier und Käse aus der Oberpfalz auf der Karte. Und dieses Rezept geht auf: Schon bald etabliert sich das Café Lotti als Marke deutschlandweit: "Unsere Gäste kamen von überall her."

Theorie und Praxis koppeln

Schnell kristallisiert sich für Sabrina heraus, dass das Führen eines Cafés mehr ist, als Kunden zu bedienen und Essen zuzubereiten. Immer mehr werden ihre Fähigkeiten als Geschäftsführerin gefragt. "Ich habe von Anfang an versucht, das Lotti auch als Marke aufzubauen. Statt 'im' Unternehmen, habe ich im Laufe der Zeit immer deutlicher 'am' Unternehmen gearbeitet." Sabrina macht deshalb zunächst ihren Betriebswirt bei der Handwerkskammer und studiert später noch Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung. "Ich konnte dabei die Theorie gut mit meinem praxisnahen Alltag im Café koppeln."

2017: Sabrina Lorenz wird zum IHK-Role-Model

Trotz der positiven Erfahrungen würde Sabrina, wenn sie nochmal 20 wäre, kein Café mehr eröffnen: "Ich bereue die letzten zehn Jahre nicht. Allerdings würde ich mit dem Wissen und der Erfahrung, die ich heute habe, nicht den selben Weg gehen. Einfach, weil ich eigentlich keine Gastronomin, sondern eher Unternehmerin bin."

Auf zu neuen Ufern

Diese Erkenntnis brachte Sabrina schließlich zu dem Entschluss, das Café Lotti zu verkaufen und sich verstärkt auf ihre Leidenschaft, die Unternehmensberatung, zu konzentrieren. "Ich habe mich im Lotti entwickelt und denke, dass ich irgendwie rausgewachsen bin. Für mich war es die Schule des Lebens, ich habe dort so unglaublich viel gelernt. Irgendwann habe ich aber gespürt: Jetzt ist es Zeit für etwas Neues". 2019 übergibt sie das erfolgreiche Lotti an ihre Nachfolger und startet ihr Buisness als Unternehmensberaterin und Unternehmercoach. Während der Zeit im Café Lotti hat Sabrina gelernt, dass es für Führungskräfte besonders wichtig ist, jeden Menschen individuell wahrzunehmen: "Der Mensch sollte immer im Mittelpunkt stehen. Was wollen meine Mitarbeiter? Was wollen meine Gäste? Ich bin zum Beispiel gar kein Rosa-Mädchen. Aber ich habe gemerkt, dass meine Zielgruppe, junge Frauen, das ansprechend fand. Deshalb war das Lotti auch so gestaltet."

Mehr Frauen in Führungspositionen

Dass Frauen einen schwierigeren Stand als Unternehmerin haben, findet Sabrina nicht: "Ich denke, es ist wichtig zu wissen, was man will, wer man ist und wo man hin möchte. Wenn einem das klar ist, kann man dementsprechend auftreten und wird dann auch ernst genommen." Trotzdem unterscheide sich eine weibliche Führung deutlich: "Da spielt einfach unsere Biologie mit rein. Frauen sind empathischer, während Männer eher dazu neigen autoritärer aufzutreten. Ich wünsche mir natürlich mehr Frauen in Führungspositionen. Da merkt man aber in den letzten Jahren eine deutliche Veränderung. Es gibt auch immer mehr junge Gründerinnen."

Das Café Lotti vermisst die heute 31-Jährige nicht. "Ich bin jetzt in einem neuen Lebensabschnitt und freue mich über alles, was gerade passiert." Trotz ihres Erfolgs in München bleibt ihre Heimat, Amberg, immer ein wichtiger Teil für sie: "Meine Heimat hat mich 20 Jahre lang als Menschen geformt. Dort habe ich meine Werte bekommen." Für die Zukunft wünscht sich Sabrina vor allem gesund zu bleiben und viele Menschen mit ihren Coachings erfolgreicher und glücklicher zu machen: "Ich bin auf dieser Welt, weil ich eine Aufgabe habe, was ich für die Menschheit und das Leben hier tun kann oder muss. Und das möchte ich voll und ganz ausleben."

Tipps für junge Gründer :

- Sei Dir bewusst, dass Du als Unternehmer keine reine Fachkraft mehr bist und auch unternehmertypische Aufgaben erledigen musst. Du arbeitest mehr 'am' Unternehmen als 'im' Betrieb.

- Sei Dir Deiner Persönlichkeit bewusst. Setze Dich also stets mit deiner Persönlichkeitsentwicklung auseinander und werde Dir über deine Stärken und Schwächen bewusst.

- Glaube an Dich selbst.

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