05.07.2019 - 15:34 Uhr
AmbergOTon

"Fridays for Future" - Wir müssen übers Klima sprechen

„Politik interessiert euch doch sowieso nicht.“ Das ist ein Vorwurf, den sich Jugendliche früher oft anhören mussten. Die „Fridays for Future“ offenbaren ein anderes Bild.

Demonstranten auf einer der "Fridays for Future"-Demos in Amberg.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Montag, 20. August 2018, in Schweden: Vor dem Reichstag in Stockholm steht ein Mädchen mit einem Schild. Darauf steht: „Schulstreik für das Klima“. Bald organisieren sich Schüler weltweit unter dem Hashtag #FridaysForFuture. Auch in der Oberpfalz kommt die Bewegung an. Es gibt Demos in Regensburg, Amberg,Weiden und Cham. Das zeigt: Junge Menschen interessieren sich sehr wohl für Politik. Was sich verändert hat, ist die Organisationsform. War früher die Mitgliedschaft in einer Partei Ausdruck des politischen Engagements, schließen sich Jugendliche heute über soziale Medien zusammen. Wie nehmen sich junge Oberpfälzer selbst wahr und welches Verhältnis haben sie zur Politik? Drei engagierte Schüler und eine politisch aktive OTH-Studentin sprechen über Klimapolitik, die „Fridays for Future“-Bewegung und ihr eigenes gesellschaftliches Handeln.

Aziza Ernst (21)

Aziza Ernst

Die OTH-Studentin ist eine der Hauptorganisatoren der „Fridays for Future“-Demos in Amberg. „Einerseits fühle ich mich durch mein Studium zu dem Thema hingezogen. In erster Linie aber sehe ich mich als Mensch, der mitbekommt, dass etwas schief läuft und nichts passiert.“ Sie sagt, das Engagement der Schüler in Amberg habe sie beeindruckt. „Ich dachte mir: Wow, das muss ich unbedingt unterstützen. Das ist wichtig.“ Die Phase, in der die jungen Aktivisten belächelt wurden, glaubt sie, ist vorbei. Allerdings: „Es ist trotzdem noch nichts passiert. Ich befürchte, dass in gewisser Weise immer noch der politische Wille fehlt, was zu verändern.“ Es sei noch einiges an Druck nötig, auch wenn spätestens seit der Europawahl klar sei, dass das Thema nicht links liegengelassen werden könne. „Neulich hatten wir den Halbjahrestag der Streiks. Seit einem halben Jahr waren also jeden Freitag irgendwo Schüler in Deutschland auf der Straße.“ Auch während dieses Zeitraums hätten sich Klimakatastrophen in der Welt ereignet. Zudem seien die Treibhausemissionen weiter angestiegen. „Bis jetzt hat die nationale Politik keinerlei Entscheidungen getroffen“, sagt sie.

"Fridays for Future" Amberg: Aktivisten, Politiker und Experten diskutieren

Amberg

Lena Ibler (17)

Lena Ibler

Lena Ibler ist Schülersprecherin am Max-Reger-Gymnasium und dort Leiterin des Arbeitskreises Umwelt. Auch sie ist in der Amberger „Fridays for Future“-Ortsgruppe. „Ich glaube, dass es möglich ist, im Kleinen etwas zu verändern.“ Das sei häufig mit langen Diskussionen verbunden. „Es kommt immer auf die Leute an. Mit unserer Umwelt-AG konnten wir an der Schule einiges durchsetzen.“ Für sie gehört es dazu, bei Projekten auf Widerstand zu stoßen. Klima- und Naturschutz liegen ihr aus diesem Grund am Herzen: „Ich möchte es nicht verantworten müssen, dass folgende Generationen unter unserem Handeln leiden.“ Es sei „schwierig und egoistisch“ Probleme von heute auf die Zukunft zu verschieben. „Es ist verkehrt, in seiner Blase zu leben und zu sagen: Das interessiert mich nicht, ich mache mir noch ein schönes Leben.“ Sie setzt auf Kommunikation. „Gerade hier in Amberg, da sind die Politiker ja nicht total volksfern. Es geht darum, damit anzufangen, etwas zu ändern und nicht nur an sein Mandat zu denken.“

Friday for Future: Vierte Demo, 300 Teilnehmer

Amberg

Benedikt Lueger (17)

Benedikt Lueger

Der 17-Jährige besucht das Erasmus-Gymnasium in Amberg und ist einer der Organisatoren der lokalen „Fridays for Future“-Bewegung. Mitglied in einer Partei ist er nicht. Er erklärt: „Ich könnte nicht sagen, wenn ich schon wählen dürfte, für welche Partei ich mich am Sonntag entscheiden würde. Da ist nichts dabei, wo ich mich wirklich zugehörig fühle.“ Er hat das Gefühl, dass politische Entscheidungsträger die Anliegen der Demonstranten nicht ernst genug nehmen. „Deswegen gehen wir ja auf die Straße. Auch die Politiker, mit denen wir bisher in Kontakt standen, haben immer erst versucht, uns zu erzählen, was sie schon alles für den Klimaschutz gemacht haben. Wissenschaftlicher Konsens ist nunmal, dass wir wesentlich mehr machen müssen, um die Klimakatastrophe abzuwenden.“Von einer besseren Klimapolitik erhofft er sich eine gerechtere Zukunft. „Während wir hier über unsere Verhältnisse leben, gibt es auf der anderen Seite der Welt Menschen, die permanent den Kürzeren ziehen. Ich glaube, dass man mit einer nachhaltigeren Klimapolitik für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen könnte.“

Lukas Plößl (15)

Lukas Plößl

Der Schüler ist Schülerzeitungs-Chefredakteur am Max-Reger-Gymnasium. Dort moderiert er demnächst eine Podiumsdiskussion mit Lokalpolitikern, einem Landtags- und einer Bundestagsabgeordneten. Dabei werden ebenfalls Klima- und Umweltschutz in der Oberpfalz im Fokus stehen. „Unser erklärtes Ziel ist, dass Schüler, die so viele Fragen haben, aus erster Hand informiert werden. Denn zur Zeit wird viel kritisiert, ohne dass immer genügend Vorwissen da wäre. Das ist meiner Meinung nach Unsinn.“ Für Politik interessiert er sich, seit er damit angefangen hat,

Bundestagsreden auf Youtube zu schauen. Er glaubt, die Parteien hätten nach wie vor mehr Einfluss auf junge Menschen, als oftmals angenommen würde. Am liebsten würde er später einmal selbst Politiker

werden. „Ich bin nicht dafür, dass Jugendliche zu großen Einfluss auf die politischen Verhältnisse bekommen, denn sie sind gerade dabei, sich zu formen.“ Richtungsweisend und einen Weckruf darstellen, das könnten junge Menschen aber allemal.

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