17.10.2019 - 12:52 Uhr
OTon

Meine Couch

Kollege Matthias Schecklmann hat seine alte Couch entsorgt. Wie schwer ihm die Entscheidung gefallen ist, schreibt er in der OTon-Kolumne.

Die Couch von Kollege Matthias landete auf dem Sperrmüll.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Ich hatte mal ne Couch, ne wunderschöne Couch. Mit wunderschönen Polstern, in wunderschönem schwarz. Darauf bin ich oft gesessen, hab viel erlebt, unter dem linken Polster hat irgendwas geklebt. Ich hab viel Zeit auf dieser Couch verbracht, kannte jeden Zentimeter. Hab Essensflecken und Brandlöcher verursacht, darauf mit Freunden gelacht und mit Mädchen rumgemacht.

Ich brauchte keinen Komfort, das Metallgestell und vier Billigpolster haben gereicht. Ohne Kissen, ohne Decke – und trotzdem war es meine schöne Couch. Doch jetzt ist sie weg. Fängt mich nicht mehr auf, wenn ich erschöpft nach Hause komm. Wird schon gehen, denke ich mir und besorgte mir eine neue Couch.

Diese kleine Ode an meine Couch schreibe ich, weil ich sie beim letzten Sperrmüll entsorgt habe. Ich bekam sie gebraucht, als ich nach dem Abi in meine erste Studentenbude gezogen bin. Das Ding hat mich neun Jahre lang begleitet und hat wirklich viel erlebt – dementsprechend war auch der Zustand. Bei meinem letzten Umzug hatte ich sie bei meiner Mutter zurückgelassen, da ich meistens in bereits möbilierte Wohnungen gezogen bin.

Nun ist sie weg. Auf dem Sperrmüll gelandet! Entsorgt! Ich habe inzwischen eine neue Couch, die größer und bequemer ist – aber es ist eben nicht meine alte, verranzte Couch mit den schwarzen Polstern, den Brandlöchern und dem klebrigen Etwas unter dem linken Polster.

OTON:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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