28.05.2020 - 12:00 Uhr
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Dänische Kronen in deutschen Einkaufswägen

Maske, Wagen-Chip und Co: Für Volontärin Kathrin Moch birgt der Einkauf im Supermarkt zu Coronazeiten viele Stolperfallen. Zum Glück passen dänischen Kronen in deutsche Einkaufswägen.

Einkaufen in Coronazeiten hat seine Tücken, findet OTon-Kolumnistin Kathrin.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Butter, Zucker, Milch und Mehl. Klingt nach "Backe, Backe, Kuchen" oder "Hamster, Hamster, Hamsterkauf" – ist aber mein Einkaufszettel fürs Wochenende. Während Adrenalin-Junkies früher nach Thailand flogen, um sich dort mit einem spröden Seil von einer Brücke zu stürzen, reicht im Jahr 2020 ein Besuch im Supermarkt, um den Puls in die Höhe zu treiben.

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Es ist Samstag, 9.30 Uhr. Ich sitze in meinem Auto und bin bereit, mich in die Schlacht zu stürzen. Einkaufsliste – Check. Desinfektionsmittel – Check. Maske – Ch..Wo ist meine Maske? Vielleicht aus unbewusster Antipathie gegenüber diesem (im wahrsten Sinne des Wortes) atemberaubenden Ding, habe ich sie zuhause vergessen. So ein Mist, denke ich. Vor meinem inneren Auge sehe ich das verhasste Teil an der Wäscheleine baumeln. Ich improvisiere mit einem schwarzen Schal und komme mir sofort vor, als möchte ich eine Bank ausrauben oder einen Molotowcocktail auf den Supermarkt werfen. Um in Coronazeiten seinen Einkauf ohne innere oder äußere Blessuren zu erledigen, braucht es einen Schlachtplan. Erster Stützpunkt: Einkaufswagen holen.

Ich stelle fest: Ein fünf-Kronen-Stück aus dem letzten Dänemark-Urlaub passt hervorragend in den schmalen Schlitz. Sonstiges Kleingeld besitze ich nicht mehr. Dank des Coronavirus mutiere ich zu einem kontaktlosen Kassenbonsammler. Dann ab zum Pfandautomaten. Die Menschen tragen Gummihandschuhe. Aber der Automat ist längst vorbereitet auf die Patschehändchen: Nach 30 Sekunden spuckt er automatisch und kontaktlos das wertvolle Zettelchen aus. Im Heferegal: Mal wieder gähnende Leere. Wohin ist eigentlich die ganze Hefe verschwunden? Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich eine Erklärung, dafür bekomme ich umso mehr Hunger auf Hefegebäck. Ich steuere die Gebäckabteilung an, die mich ebenfalls mit gähnender Leere empfängt.

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Traurig und hungrig mache ich mich auf den Weg Richtung Kasse. In einigen hundert Metern Entfernung und irgendwo zwischen den Regalen für Katzenfutter und Putzmitteln reihe ich mich in die Wartenden ein. Als ich es durch die Plexiglas-Schleuse namens Kasse geschafft habe und endlich Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht spüre, reiße ich mir den Schal runter und atme tief ein. Wie gut frische Luft schmecken kann. Erschöpft sinke ich in meinem Autositz zusammen. Ich hätte die Zeit der Beschränkungen doch für Sport nutzen sollen – Einkaufen in Coronazeiten erfordert definitiv Kondition.

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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