06.09.2018 - 17:28 Uhr
OTon

Im Herzen ewig 16

„Mit 28 bis du erwachsen. Eigenes Haus, toller Job, feste Strukturen. Und du wirst sicher nicht mehr über kindische Witze lachen“, höre ich noch heute mein 16-jähriges Ich.

Als ich 16 war, dröhnte Nirvana jeden Tag durch mein Zimmer. Auch heute tut es das noch - und ich fühle mich wieder wie mit 16.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Gut, das mit dem Job hat geklappt. Was alles andere angeht, fühle ich mich immer noch wie 16, nicht wie 28. Und vor allem fühle ich mich nicht erwachsen.

28. Fast 30 … die 40 in greifbarer Nähe. Mit 16 kommt einem alles jenseits der 25 steinalt vor. Alt und spießig. Vor kurzem habe ich einen Freund aus meiner Jugend wieder getroffen – nach über zehn Jahren. „Zehn Jahre. Julia, wir sind erwachsen geworden.“ Aber sind wir das wirklich? Ich habe an diesem Tag lange darüber nachgedacht – und bin zu dem Entschluss gekommen: Nein, definitiv nicht. Ich muss noch immer über die geichen dämlichen Witze lachen wie vor 12 Jahren. Kennt ihr den schon? Geht eine Semmel die Treppe rauf, merkt, dass sie keine Beine hat, geht wieder runter. Na, ein kleines Schmunzeln? Dann ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass auch in euch noch ein kleiner, alberner Teenager schlummert.

Auch heute noch entscheide ich mich Tausend Mal lieber dafür, mit meinen Freunden auf dem Balkon in Jogginghosen zu grillen, als in schicke Restaurants zu gehen. Niemals würde ich meine Chucks gegen Highheels tauschen. Und ja, ich habe immer noch eine beachtliche Sammlung von Converse-Schuhen, die ich wie kleine Heiligtümer behandle. Zwischen meinen T-Shirts schlummern auch nach Jahren noch meine Nirvana- und Ramones-Bandshirts. Ich ziehe sie nicht mehr an, aber ich würde es niemals übers Herz bringen, sie wegzuwerfen. Ach ja, und da wären wir schon beim nächsten Punkt. Auch in Sachen Musik hat sich nichts geändert. Ich kann jedes – aber wirklich jedes einzelne - Nirvana-Lied mitsingen. Was ich auch lautstark mache.

Noch heute freue ich mich mehr darauf, wenn ein neuer Horrorfilm im Kino anläuft, als auf jegliche Art von Kunstausstellung. Mein persönliches Weihnachten. Schon Monate vorher checke ich die Vorschauen, notiere die Daten und fiebere wie ein kleines Kind der Premiere entgegen.

Natürlich wird man verantwortungsvoller, übernimmt Aufgaben eines Erwachsenen, wird mit ernsten Situationen konfrontiert, mit denen man umgehen muss. Das ist wohl erwachsen. Und das ist auch gut so – solange der Spaß, die Spontanität und der manchmal kindliche Blick, der doch so schön sein kann, nicht verloren gehen. Ich will auch noch mit 40 oder 50 über dumme Witze lachen können, in Jogginghosen Horrorfilm-Abende abhalten und Kurt Cobain durch meine Wohnung dröhnen hören. Ich bin gespannt, ob ich jemals sage: Ich fühle mich komplett erwachsen. Aber ehrlich gesagt hoffe ich, dass es nie so weit ist.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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