Update 11.03.2021 - 14:03 Uhr
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Influencerin in der Corona-Pandemie: "Man braucht ein dickes Fell"

Die Influencerin Chiara Schiekofer aus Sulzbach-Rosenberg verdient mit ihrem Instagram-Profil nebenbei zum Studium dazu. Mit der Corona-Pandemie hat sich die soziale Internet-Plattform verändert. Anfeindungen durch Nutzer sind alltäglich.

Chiara Schiekofer aus Sulzbach-Rosenberg hat mit ihrem Instagram-Profil "Chiarakokosnuss" knapp 33.700 Abonnenten.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie bringt einige Einschränkungen im Alltag vieler Menschen. Mit Freunden treffen, durch die Fußgängerzone bummeln oder im Fitnessstudio Gewichte heben - all das ist momentan gar nicht möglich. Langweile zu Hause ist da nicht auszuschließen. Der Griff zum Smartphone um Social-Media-Apps zu durchforsten, ist oft eine Lösung, um dem Trübsal zu entkommen. Doch die Inhalte auf Plattformen wie Instagram werden immer einheitlicher, sagt Influencerin Chiara Schiekofer (24) aus Sulzbach-Rosenberg: "Ich finde, es ist weniger individuell geworden." Social Media hat sich seit der Corona-Pandemie verändert. Das liegt laut Chiara daran, dass man nichts unternehmen kann und die Tage bei jedem so gut wie identisch aussehen.

Chiaras Instagram-Profil "Chiarakokosnuss" verfolgen 33.700 Instagram-Nutzer. Täglich nimmt die Sulzbach-Rosenbergerin ihre Abonnenten in ihrem Alltag mit. Sie erlebt die Corona-Pandemie wie die meisten negativ. Im Gegensatz zu Influencer-Kolleginnen wie Bianca Claßen oder Sarah Harrison, die dick im Geschäft sind, merkt Chiara, dass es einigen langjährigen Partnerfirmen in der Krise nicht gut geht: "Sie brechen mir als Kooperationspartner weg." Ein Grund dafür sei, dass den Firmen weniger Budget für Werbung zur Verfügung stehe. "Ich als kleiner Influencerin merke die Krise finanziell. Große haben da wohl deutlich weniger Probleme", erklärt die 24-Jährige. Ihr Instagram-Profil ist quasi ihr Nebenjob zum Studium: "Ich studiere Theater- und Medienwissenschaften und Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg. Wo andere Studenten kellnern, mache ich Instagram."

Der Lockdown wirkt sich auch auf die Präsenz der Sulzbach-Rosenbergerin auf Social Media aus. Vor allem ihre Motivation hält sich in Grenzen: "Wenn man nichts Spannendes oder Interessantes zu erzählen hat, macht es einfach keinen Spaß sein Leben zu teilen. Fotos zu machen, ist natürlich schwierig, wenn man eigentlich möglichst zu Hause bleiben soll." Hinzu kommt, dass eine harmlose Aussage einen Ansturm von Anfeindungen erzeugt.

Heikles Thema auf Instagram: Corona

Im vergangenen Jahr teilte Chiara eine kurze Story auf ihrem Profil, in der sie sagte, sie habe Probleme zu atmen beim Tragen eines Mundschutzes. Eine Aussage, die Folgen hatte. "Grundsätzlich bekomme ich jeden Tag Anfeindungen oder beleidigende Nachrichten. Das ist nie schön. Wenn ich das Gefühl habe, dass man mich falsch verstanden hat, versuche ich das natürlich aufzuklären", erklärt Chiara. Über das Thema Corona spreche sie nicht mehr auf ihrem Kanal: "Man merkt, die Gesellschaft ist bei diesem Thema extrem gespalten. Egal was ich sage, irgendwem passt es nicht und derjenige fühlt sich durch meine Meinung angegriffen." Nichtsdestotrotz lässt sich die Influencerin nicht unterkriegen und scheut sich nicht, Themen wie Mobbing und Hass im Internet anzusprechen, über die die meisten schweigen: "Ich spreche gerne mal kontroversere Themen an, um einfach in gewissen Bereichen ein wenig aufzuklären oder auf wichtige Themen aufmerksam zu machen. Aber bei Corona brodelt es einfach. Ich möchte nicht das Ablassventil für Menschen sein, die aktuell einfach unzufrieden oder wütend sind."

Andere Meinungen respektieren

Anfeindungen im Netz sind nicht selten im Alltag eines Influencers, erzählt die Studentin: "Anfeindungen, die eher in Richtung Beleidigung gehen, versuche ich zu ignorieren. Meistens klappt das gut, aber manche Dinge gehen wirklich absolut unter die Gürtellinie. Das beschäftigt mich schon. Man braucht definitiv ein dickes Fell." Wenn es darum gehe, dass Leute zu einem gewissen Thema einfach eine andere Meinung als Chiara vertreten und ihr deswegen beleidigende Nachrichten schicken, dann konfrontiert sie diese: "Ich versuche den Leuten klar zu machen, dass es völlig legitim ist, unterschiedliche Meinungen zu haben. Man muss sie nicht immer verstehen, aber wenigstens respektieren. Leider sind meine Versuche meist vergeblich."

Trotzdem ist der 24-Jährigen das Feedback ihrer Abonnenten wichtig: "Sofern es sich um konstruktive Kritik handelt, versuche ich natürlich, darauf einzugehen und mich zu verbessern. Wenn es denn umsetzbar ist." Für sie ist diese Form des Austauschs mit der Community wichtig: "Konstruktive Kritik sollte man sich zu Herzen nehmen, nur so kann man sich verbessern und auch wachsen."

Mehr zu "Chiarakokosnuss" gibt es hier

Oberpfalz
Hintergrund:

55 Millionen Likes auf Instagram

  • Bei Instagram geht es vor allem darum, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Dies lässt sich durch Likes und Kommentare zu einem Beitrag messen.
  • Das Bild mit den meisten Likes auf Instagram stammt vom Profil "world_record_egg". Das Bild von einem braunen Hühnerei hat knapp 55 Millionen Likes und schubste damit Kylie Jenners Bild mit 18 Millionen Likes vom Thron.
  • Ein zweites Bild des Profils zeigt das Ei mit Rissen in der Schale. Diese sollen bildhaft den Druck, der heutzutage auf den Menschen im Internet lastet, zeigen. Hinter der Aktion steckt die amerikanische Hilfsorganisation für psychische Störungen, Mental Health America.
Die Influencerin hat keine Scheu kontroverse Themen auf Instagram anzusprechen.
Die konstruktive Kritik ihrer Anhänger ist Chiara wichtig: "Nur so kann man sich schließlich verbessern und auch wachsen."

 

 

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