Das Auto hinter mir setzt zum Überholen an. Plötzlich fährt der schwarze Kleinwagen neben mir auf der Gegenfahrbahn. Vor uns liegt eine Kurve, die Strecke ist kaum einsehbar. Ich werde nervös: Kommt jemand entgegen? Reicht der Platz noch?
Solche Situationen erlebe ich inzwischen ziemlich oft. Ich wohne in Weiden und arbeite derzeit in der Redaktion in Amberg. Also fahre ich fast täglich über die Landstraße dorthin. Die Strecke ist kurvig. Viele Abschnitte erlauben Tempo 100. Aber wer sie kennt, weiß: Nicht jede Kurve lädt dazu ein, schneller zu fahren. Trotzdem taucht im Rückspiegel immer wieder derselbe Typ Fahrer auf. Erst erscheint er klein. Dann kommt er näher. Irgendwann sieht man im Rückspiegel fast nur noch Scheinwerfer. Der Abstand? Kaum noch vorhanden.
Ich fahre mit Tempo 100 über die Landstraße – genau so, wie es das Schild vorgibt. Für den Fahrer hinter mir offenbar trotzdem zu langsam. Dann kommt das Aufblenden. Ein kurzer Lichtstoß, manchmal zwei. Die Botschaft ist eindeutig: Fahr schneller. Nur funktioniert das auf einer kurvigen Langstraße nicht immer. Also fahre ich weiter und warte darauf, was als Nächstes passiert.
Meist kommt irgendwann das Überholmanöver. Ein kurzer Blick nach vorne, dann schert das Auto hinter mir aus – auch wenn die Strecke nur wenige Meter einsehbar ist. Für ein paar Sekunden hängt alles davon ab, dass kein Auto entgegenkommt.
Nach wenigen Sekunden ist der Drängler verschwunden. Allerdings oft nicht lange. Ich sehe ihn wieder – hinter einem Lkw, an einer Ampel oder ein paar Autos weiter vorne. Im selben Tempo wie alle anderen. Der Zeitgewinn ist meist überschaubar. Was bleibt, ist dieses mulmige Gefühl – und die Frage, warum manche Menschen im Straßenverkehr so viel Druck machen.
Riskante Überholmanöver und zu geringer Abstand gehören zu den Situationen, die auf solchen Strecken besonders gefährlich werden können. Eigentlich weiß das jeder. Trotzdem scheint es Fahrer zu geben, für die der Rückspiegel ein Wettbewerb ist. Wer vorne fährt, ist offenbar im Weg. Vielleicht liegt es am Zeitdruck. Vielleicht an Ungeduld. Vielleicht auch daran, dass sich hinter dem Steuer vieles unpersönlicher anfühlt. Man sieht keine Gesichter – nur Autos. Dabei sitzen in jedem dieser Autos Menschen, die einfach nur ankommen wollen. Und manchmal würde schon ein bisschen mehr Abstand reichen, damit alle sicher ans Ziel kommen.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.



















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