21.05.2021 - 15:52 Uhr
AmbergBesserWissen

Gefährlicher Eindringling auf dem Vormarsch

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Amerikanische Signalkrebse verdrängen immer mehr die heimischen Krebsarten. Im Naturpark Hirschwald gibt es das Krebshegeprojekt. Mit Hilfe von Reusen wird Krebs-Monitoring betrieben. Das Team sucht aber auch nach DNA-Spuren im Wasser.

Der aus Amerika stammende Signalkrebs ist eine invasive Art und verdrängt die ursprünglich heimischen Krebsarten.
von Christa VoglProfil

Im Oberpfälzer Jura, südlich von Amberg, liegt der Naturpark Hirschwald. Seine Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, bunten Wiesenstreifen, zerklüfteten Felsen, bewaldeten Hochflächen und von den beiden kleinen Flüssen Vils und Lauterach. Vor zwei Jahren hat dort Naturparkranger Christian Rudolf seine Arbeit aufgenommen. Er ist ausgebildeter Förster und Berufsjäger, allerdings jagt er im Naturpark weder Hirsche, noch Rehe oder Wildschweine. Er macht Jagd auf ein ganz anderes Tier: den Signalkrebs.

Ein Blick in die Vergangenheit hilft, besser zu verstehen, warum das so ist. In Deutschland gibt es drei ursprünglich heimische Krebsarten: den bis zu 15 Zentimeter langen Deutschen Edelkrebs, den etwas kleineren Steinkrebs sowie den seltenen Dohlenkrebs. Die zunehmende Gewässerverschmutzung sowie eine aus Amerika eingeschleppte Pilzerkrankung, die Krebspest, dezimierten jedoch drastisch deren Bestände. Um die dadurch in Not geratene Krebsfischerei zu unterstützen, wurde der aus Amerika stammende Signalkrebs ausgesetzt. Mit weitreichenden Folgen.

Aggressive Art

"Leider ist es so, dass der Signalkrebs unsere heimischen Krebsarten verdrängt oder in manchen Flüssen und Bachläufen bereits verdrängt hat", sagt Christian Rudolf. "Die amerikanische Art ist aggressiver gegenüber anderen Arten. Sie hat eine höhere Fortpflanzungsrate und kann die Krebspest übertragen - ist aber selbst teilresistent dagegen." Daher überrascht es nicht, dass diese invasive Art mittlerweile auch im Naturpark Hirschwald zahlenmäßig stark vertreten ist - in Lauterach und Vils. Grund genug, um ein Programm zu entwickeln, das sich mit dem Krebsbestand in den beiden Fließgewässern auseinandersetzt: das Krebshegeprojekt. Die Vorgehensweisen, die dabei zur Anwendung kommen, sind unterschiedlich und hängen vom Krebsbestand im jeweiligen Gewässerabschnitt ab.

Zum Beispiel: der Oberlauf der Lauterach. "Anhand einer Studie, die vor sechs Jahren durchgeführt wurde, konnten an diesem Gewässerabschnitt Steinkrebse nachgewiesen werden", erklärt der Ranger. Aber gibt es diese Bestände auch noch heute?

Spuren von Organismen

Um diese Frage mit Sicherheit beantworten zu können, wird auf ein besonderes Analyseverfahren zurückgegriffen, die eDNA-Methode. Sie ermöglicht es, DNA-Spuren von Organismen nachzuweisen. In der Praxis wird dabei an einer bestimmten Bachlaufstelle Wasser entnommen, das zum Beispiel darauf untersucht wird, ob sich darin DNA-Spuren vom Steinkrebs, vom Deutschen Edelkrebs oder vom Signalkrebs befinden. Und auch Krankheitserreger, wie die Krebspest, können damit nachgewiesen werden.

Zum Beispiel: die Vils. "In der Vils findet man keine einheimischen Krebse mehr, es gibt nur noch Signalkrebse und den Galizischen Sumpfkrebs, ebenfalls ein Einwanderer, eine invasive Art", sagt Rudolf und dämpft auch gleich die Hoffnung, dass sich darunter trotzdem noch der eine oder andere Steinkrebs befinden könnte. In diesem Fall setzt das Krebshegeprojekt auf das Monitoring: Mit einer Bestandsaufnahme soll geklärt werden, welche Krebsarten in einem bestimmten Flussabschnitt vorhanden sind und wie viele.

Naturpark Hirschwald: Die große Suche nach dem heimischen Flusskrebs

Schmidmühlen

Unterstützung durch Fischer

Christian Rudolf muss dieses Projekt nicht alleine stemmen, er bekommt Unterstützung von ungefähr 100 "Fängern", überwiegend Mitglieder der Fischereivereine vor Ort, die geschult wurden im Umgang mit Reusen, Sie erkennen die verschiedenen Krebsarten zuverlässig und besitzen außerdem einen Fischereischein. "Wir haben ungefähr 200 Reusen zur Verfügung. Und diese werden jeden Tag von den Helfern geleert. Dabei wird genau notiert, wann welche Anzahl und welche Krebsart an welchem Standort gefangen wurde." Was mit den gefangenen Tieren passiert? "Sollten heimische Krebse dabei sein, so werden diese wieder ins Wasser entlassen. Alle anderen Krebsarten dürfen aus rechtlichen Gründen - die Signalkrebse sind ja eine invasive Art - nicht mehr in das Gewässer zurückgesetzt werden. Aber sie werden nicht weggeworfen, sondern verwertet." Nämlich von den Fängern - als kleine Anerkennung für die sehr zeitaufwendige und ehrenamtliche Unterstützung beim Monitoring.

Sechs Tonnen Signalkrebse

Wer allerdings denkt, dass sich in den Reusen nur hin und wieder ein Signalkrebs verirrt, täuscht sich: Seit Juni 2020 wurden aus der Vils und der Lauterach mit Hilfe der Reusen insgesamt 91 000 Signalkrebse entnommen. "Das waren rund sechs Tonnen", sagt der Naturparkranger, selbst überrascht von der großen Menge. In den Sommermonaten waren es oftmals mehrere Hundert an einem Tag. Trotzdem ist Christian Rudolf optimistisch. Nicht, weil er hofft, die Signalkrebse durch die regelmäßige Entnahme mengenmäßig zu reduzieren oder gar zum Verschwinden zu bringen. Sondern weil er sicher ist, dass durch dieses Leuchtturmprojekt im Naturpark Hirschwald neue Erkenntnisse zum Thema Krebs gewonnen werden, die künftig auch anderswo von großem Nutzen sein können.

So wird die Arnika geschützt

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Zu den Beiträgen aus der Serie "Natur unserer Heimat"

Christian Rudolf ist Ranger im Naturpark Hirschwald. Er ist ausgebildeter Förster und Berufsjäger. Im Naturpark macht er Jagd auf den Signalkrebs.
Hintergrund:

Invasive Krebsarten

In Bayern kommen verschiedene invasive Krebsarten vor, die die Bestände der heimischen Arten stark bedrohen:

  • Galizier- oder Sumpfkrebs
  • Kamber- oder Amerikanischer Krebs
  • Signalkrebs
  • Roter amerikanischer Sumpfkrebs

Ihr Besatz in natürlichen Gewässern ist strikt verboten.

 

 

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