08.04.2021 - 10:06 Uhr
AmbergBesserWissen

Wer hat den Gartenschläfer gesehen?

Im April erwacht er aus seinem Winterschlaf, den er in Baumhöhlen oder Felsspalten verbracht hat: der Gartenschläfer. Ursprünglich war die Schlafmaus in weiten Teilen Europas beheimatet, doch nun gehen ihre Bestände drastisch zurück.

Die Bestände des Gartenschläfers, der Schlafmaus mit der Zorro-Maske, schrumpfen. Aber jeder kann etwas zu ihrer Erhaltung beitragen.
von Evi WagnerProfil

„Ich gehöre wohl zu den letzten Menschen in Bayern, die an einem Tag alle drei bei uns vorkommenden Bilch-Arten – den Siebenschläfer, den Gartenschläfer und die Haselmaus – an einem Tag gesehen haben“, erzählt Rudi Leitl. Der Diplom-Forstwirt ist Gebietsbetreuer beim Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach und vor allem für seinen Einsatz für Fledermäuse in der Region bekannt. Doch er kümmert sich auch um andere bedrohte Tierarten.

Bereits 1995, als er zum ersten Mal Gartenschläfer im Steinwald entdeckt hatte, begann er damit, sich umfassend über den kleinen Bruder des Siebenschläfers zu informieren. „Mit seiner Zeichnung im Gesicht, die an eine Zorro-Maske erinnert, ist das ein sehr hübsches, possierliches Tierchen, etwa halb so groß wie ein Eichhörnchen“, erzählt der Naturexperte. „Er kam schon immer mehr im ostbayerischen Grenzgebiet vor. Denn er mag sehr gerne Felsen. Für seinen Winterschlaf, der von Oktober bis April dauert, braucht er unterirdische Hohlräume.“

Wenig sichtbar

Ursprünglich war der Gartenschläfer in weiten Teilen Europas beheimatet, doch seit einiger Zeit gehen seine Bestände drastisch zurück. Warum das so ist, weiß niemand. „Lange hat sich niemand so richtig um diese Art gekümmert“, erklärt Rudi Leitl. „Denn der Gartenschläfer ist wenig sichtbar. Man dachte eben, der lebt im Wald, dem geht’s gut. Aber dann musste man feststellen, dass diese Schlafmaus weitgehend verschwunden ist.“

Bereits 2018 starteten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung die „Spurensuche Gartenschläfer“. Innerhalb von sechs Jahren wollen die Forscher und Naturschützer nun herausfinden, warum der Gartenschläfer regional ausstirbt. Außerdem sollen Schutzmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Erforscht werden Nahrungsgewohnheiten und -angebote, Lebensraumansprüche und Klima, genetische Strukturen, Krankheiten, Fressfeinde und vieles mehr.

Echte Ureinwohner Bayerns

Das Ziel der „Spurensuche Gartenschläfer“: die Bestände des Gartenschläfers in einem großen Teil seines Verbreitungsgebiets in Deutschland sichern. „Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Lebewesen schon lange vor uns Menschen hier in Bayern beheimatet waren“, so Rudi Leitl, der auch das Projekt „Bayerns UrEinwohner“ des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL) unterstützt. „Das sind also echte Ureinwohner. Und unsere Aufgabe ist es, diese Ureinwohner bei uns zu erhalten.“

Doch wie kann dem Gartenschläfer geholfen werden? „Bei uns hier liegt die Verantwortung da vorwiegend im Forstbereich“, so der Artenschützer. „Wichtig ist, dass in den Wäldern genug Totholz belassen wird und viele Höhlenbäume entwickelt werden. Denn dann hat er ausreichend Tagesverstecke und es gibt auch viele Insekten, Schnecken und Würmer, die dem Gartenschläfer als Nahrung dienen.“

Gartenschläfer sind Allesfresser, sie ernähren sich außerdem von Früchten, Vogeleiern und kleinen Wirbeltieren. Um den kleinen Bruder des Siebenschläfers zu Gesicht zu bekommen, muss man schon sehr viel Glück haben – und vor allem nachts im Wald sein. Denn die Bilch-Art ist nachtaktiv.

„Es gibt in Deutschland einige Bilch-Forscher, die auch diese Art beobachten“, so Rudi Leitl. „Gearbeitet wird hier vorwiegend mit Fotofallen. Zu erkennen ist der Gartenschläfer auch an seinem ganz besonderen Ruf.“

Besonders freut es den Artenschützer, dass 25 Jahre nachdem er seinen ersten Gartenschläfer im Steinwald gesehen hat, dieser erneut an der gleichen Stelle nachgewiesen werden konnte.

Vorkommen im Steinwald

„Ich habe den Naturpark-Rangern im Steinwald diese Stelle gezeigt – und tatsächlich kommt er dort noch vor. Inzwischen ist er bei uns hier eine sehr seltene Art geworden. Doch ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es noch weitere Bestände gibt.“ Wer auch dabei helfen will, das Überleben des Gartenschläfers in Deutschland zu sichern, kann sich auf www. gartenschlaefer.de weitere Informationen holen.

Wer einen Gartenschläfer beobachtet oder dessen markanten Ruf – ein Quieken, Pfeifen und Murmeln – gehört hat, sollte das außerdem an die Ranger und Gebietsbetreuer der Naturparke im Norden und Osten der Oberpfalz melden. Diese werden dann versuchen, den Gartenschläfer weiterhin als Ureinwohner der Oberpfalz zu bestätigen und zu erhalten.

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