01.02.2021 - 00:09 Uhr
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Wirbel um Whatsapp: OTH-Experte klärt auf und bewertet Alternativen

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Die neuen Datenschutzregeln von Whatsapp haben für Wirbel gesorgt. Aber ist die Hysterie auch gerechtfertigt? Und was taugen Alternativen wie Signal, Threema oder Telegram? Der Experte für Cybersicherheit der OTH Amberg-Weiden klärt auf.

Whatsapp, Signal oder Telegram? Die Auswahl an Messengern ist groß. Ihr Nutzwert hängt aber auch davon ab, ob die eigenen Kontakte das jeweilige Programm nutzen - sonst kann man sie darüber nicht erreichen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Prof. Daniel Loebenberger ist kein großer Fan von Whatsapp. Der IT-Sicherheitsexperte der OTH Amberg-Weiden nutzt den Messengerdienst nur in Ausnahmefällen. "Wenn mein Kommunikationspartner keine sichere Alternative nutzt und sich auch nicht überreden lässt, zu wechseln", sagt Loebenberger, der hauptsächlich über Signal oder Threema chattet. Die zwei Messenger sind in den vergangenen Tagen – wie Konkurrent Telegram – stark gewachsen, millionenfach heruntergeladen worden. Grund sind die neuen Datenschutzregeln von Whatsapp – die für jede Menge Kritik und Diskussionen um Datensicherheit gesorgt haben. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen dazu.

Um was geht's eigentlich?

Der Messengerdienst Whatsapp, der zu Facebook gehört, führt eine neue Datenschutzregeln ein. Zunächst sollten die neuen Nutzungsbedingungen ab dem 8. Februar gelten. Jeder Whatsapp-Nutzer hätte den neuen Richtlinien zustimmen müssen, wenn er die Chat-App weiter nutzen will. Die neuen Datenschutzregeln sorgten allerdings für jede Menge Verwirrung und Protest, zahlreiche prominente Menschen wie Tesla-Chef Elon Musk oder Satiriker Jan Böhmermann warben dafür, Whatsapp zu löschen und stattdessen etwa Signal zu nutzen. Daraufhin verschob das Unternehmen seine Frist auf 15. Mai.

Was wird an den neuen Datenschutzregeln von Whatsapp kritisiert?

Besonders kritisch wird der Abschnitt gesehen, der sich mit dem Teilen von Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen befasst, erklärt OTH-Professor Loebenberger. So heißt es: "Whatsapp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten." Viele Internetnutzer befürchten damit einen Dammbruch, dass Whatsapp noch mehr Daten mit Facebook teilt.

Was geschieht mit den Daten?

"Letztlich heißt dies", so Loebenberger, "dass Informationen, die bei der Benutzung von Whatsapp entstehen, an andere Facebook-Unternehmen weitergegeben werden können." Also Daten wie Telefonnummern oder Metadaten: Wer spricht mit wem, welche IP-Adresse hat der Absender, wer schreibt wem Nachrichten und wann und wie oft? Nachrichteninhalte seien dabei aber explizit nicht gemeint, sagt der OTH-IT-Experte. Diese Inhalte würden laut Whatsapp seit 2016 Ende-zu-Ende verschlüsselt übertragen. Bedeute: Sie sind für Facebook nicht einsehbar.

Es heißt, für EU-Bürger, ändert sich nichts: Warum dann die ganze Aufregung?

"Nun ja, obige Formulierung ist halt doch eher generisch", sagt Loebenberger. "Und auch wenn das Unternehmen beteuert, nichts an der Datenweitergabe zu ändern, ist es doch so, dass man diese Formulierung ‚unterschreibt‘. Und wer weiß schon wie die Änderung der Datenweitergabe in ein paar Jahren aussieht?" Daneben bleiben im Verhältnis zwischen Whatsapp-Daten und Facebook noch einige Widersprüche, welche die Unternehmen bisher nicht auflösen konnten.

Was sagen Whatsapp und Facebook?

Die Konzerne beschwichtigen, alles halb so wild. "Es gibt keine Änderungen an den Praktiken der Datenweitergabe in der Europäischen Union (einschließlich Großbritannien), die sich aus den aktualisierten Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien ergeben", zitiert "Zeit Online" einen Unternehmenssprecher. Es bleibe dabei, dass Whatsapp in der europäischen Region keine Nutzerdaten mit Facebook teile, damit Facebook diese Daten zur Verbesserung seiner Produkte oder Werbung nutzen könne. Die Verschiebung auf Mai sei demnach auch das Resultat von Missverständnissen.

Was ist schlimm daran, wenn Whatsapp und Facebook Daten zusammenlegen?

Es besteht natürlich ein Gefahr, wenn ein so gigantischer Konzern wie Facebook so viele Daten, so viel Macht besitzt, erklärt Loebenberger. "Daher laufen ja auch aktuell Diskussionen, den Konzern zu zerschlagen. Tatsächlich laufen hierzu momentan Klagen der amerikanischen Handelsbehörde FTC."

Wie sicher ist Whatsapp?

"Da es sich bei Whatsapp nicht um Open-Source-Software handelt, also Software deren Quelltext einsehbar ist, kann man sich nicht hundertprozentig sicher sein", sagt der OTH-Professor. "Aber Whatsapp bewirbt sein Produkt ja damit, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu implementieren. Und dies scheint auch umgesetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema fanden jedenfalls meines Wissens keine klaffenden offenen Türen."

Was sind sichere Alternativen?

Loebenberger empfiehlt Signal und Threema, sie seien sichere Alternativen. "Ich habe mir die kryptographische Architektur von Signal und Threema genauer angesehen und bin von beiden überzeugt." Vor allem Signal überzeugte viele andere Experten. Und Telegram? "Dazu kann ich keine fundierte Aussage machen", so der Professor. Das Tech-Portal heise.de hat den Messenger getestet – und ihm ein katastrophales Zeugnis ausgestellt. Nach einer Überprüfung nannten sie Telegram einen "Datenschutz-Albtraum".

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Professor Daniel Loebenberger ist kein großer Fan von Whatsapp. Der IT-Sicherheitsexperte der OTH Amberg-Weiden nutzt den Messengerdienst nur in Ausnahmefällen.
Hintergrund:

Wie sicher sind Signal, Threema und Telegram?

  • SIGNAL: Aus Sicht vieler Experten die sicherste und beste Alternative. Die Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Signal ist zudem eine Open-Source-Software. Bedeutet: Der Quellcode ist öffentlich. So könne man jederzeit sehen, was hinter den Kulissen der App geschieht. Hinter Signal steht eine gemeinnützige Stiftung, die sich durch Spenden finanziert. Es besteht also kein finanzielle Interesse an den Daten der Nutzer. Einen Beweis, wie sicher die App ist, liefert Edward Snowden. Der Whistleblower schrieb auf Twitter: "Ich nutze es jeden Tag und ich bin noch nicht tot."
  • THREEMA: Auch der Messenger aus der Schweiz gilt als sicher. Die App ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und ihr Quellcode ist frei einsehbar. Die Server stehen alle in der Schweiz damit unterliegt man Europas strengem Datenschutzrecht. Allerdings kostet die App einmalig 3,99 Euro.
  • TELEGRAM: Ist zwar einer der beliebtesten Messenger, aber den meisten Experten nach keine gute Alternative zu Whatsapp. Die Nachrichten sind nicht automatisch verschlüsselt, diese Funktion ist gut versteckt und jeder Nutzer muss sie selbst aktivieren. Zudem ist der Servercode nicht öffentlich zugänglich. Und sämtliche Daten werden auf zentralen Servern gespeichert, bei denen es unklar ist, wo sie stehen.

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