01.03.2021 - 00:27 Uhr
AuerbachBesserWissen

Die bunte Welt der Tomaten

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Sigrun Steger mag die Vielfalt. Seit Jahren züchtet sie ihre Tomaten selbst aus Samen. Ein Fest aus Farben, Formen und Geschmacksnuancen. Im März beginnt idealerweise die Aussaat. Was man dabei beachten sollte, weiß die Gartenliebhaberin.

Tomaten gibt es nicht nur in der Farbe Rot. Um eine große Vielfalt zu erhalten, zieht Sigrun Steger ihre Pflanzen selbst. :
von Christa VoglProfil

„Ich mag’s halt gern bunt“, erklärt Sigrun Steger mit einem Lächeln. Und damit meint sie nicht etwa die Färbung der Blätter im Herbst, einen farbenfrohen Kleidungsstil oder abwechslungsreiche Wandfarben. Wenn Sigrun Steger sagt, dass sie es gern bunt mag, meint sie Tomaten: von klassisch Rot über Gelb und Grün in verschiedenen Schattierungen, von Lila bis fast Schwarz, manchmal auch gestreift.

Vielfältig sind auch die Formen der Früchte. Manche von ihnen sind nur ein paar Gramm schwer, andere bringen fast ein Kilo auf die Waage. Und natürlich sind sie auch äußerst unterschiedlich in den Geschmacksnuancen: zuckersüß, mild, fruchtig oder auch leicht säuerlich.

Um diese große Vielfalt zu erhalten, zieht die 58-jährige Gartenliebhaberin aus Lobensteig, einem kleinen Dorf zwischen Pegnitz und Auerbach, ihre Tomaten selbst. Und zwar aus Samen, die sie im vergangenen Jahr von den ersten reifen Früchten gewonnen hat. Der Vorteil dabei: Zu diesem Zeitpunkt sind die Pflanzen noch kräftig und gesund und geben keine Krankheiten weiter.

„Inzwischen habe ich nur noch samenfeste Sorten“, sagt Steger. „Einerseits, weil man bei samenfesten Sorten im Gegensatz zu den F1-Hybriden die Samen abnehmen kann und nicht immer wieder neu kaufen muss. Andererseits, weil man damit hilft, die Artenvielfalt zu erhalten.“ Diese samenfesten Sorten seien mittlerweile „fast überall“ erhältlich, verrät sie.

Die ideale Aussaatzeit für Tomaten beginnt im März, zuvor sollte man sich nach passenden Samen umsehen. Obwohl Sigrun Steger in ihren Hochzeiten bei sich im Garten bis zu 200 verschiedene Sorten anbaute, ist sie nach wie vor auf der Suche und hält Ausschau: „Ich habe mir auch für heuer wieder Samen von Sorten bestellt, die ich noch nicht kenne.“ Wenn man eine neue Sorte sehe, wolle man die einfach haben. „Ich denke mir dann immer: Vielleicht schmeckt die ja noch besser. Es ist eine Art Sucht“, gesteht sie lachend – aber eine Sucht im positiven Sinn.

Nach dem Wälzen der Kataloge und dem Bereitlegen der Samentütchen beginnt im März die eigentliche Tomatensaison: aussäen, beschriften, pikieren, auspflanzen, anbinden, ausgeizen, düngen – und dann, meistens so Anfang Juli – endlich auch die Ernte der ersten Früchte. „Vom Strauch naschen an einem sonnigen, warmen Tag: Da merkt man am besten, dass jede Tomate anders schmeckt. Jede Sorte hat was Besonderes“, sagt die Gartenliebhaberin und kommt dabei nicht nur ein bisschen ins Schwärmen. Ihre Tipps zum Tomaten-Anbau:

Samen-Auswahl:

„F1-Samen sind recht teuer“, erklärt Steger. „Da kosten wenige Korn in einem Tütchen oftmals schon um die fünf Euro. Das war auch ein Grund dafür, dass ich zu den samenfesten Sorten gewechselt habe. Ich komme mit ihnen sehr gut zurecht.“

Aussaat:

„Ich säe im März in Anzuchtkästen mit einzelnen Pflanzlöchern und lichtdurchlässiger Abdeckhaube und verwende torffreie Anzuchterde. Die Saaten werden angegossen und im beheizten Wintergarten ans Fenster gestellt. Zum Keimen benötigen sie Wärme und Licht. Nach acht bis zehn Tagen gehen die Pflänzchen auf, die Keimblätter erscheinen.“

Beschriften:

„Wenn man verschiedene Sorten sät, dann ist es sinnvoll, sie gleich zu beschriften, um nicht durcheinander zu kommen.“

Pikieren:

„Wenn die Pflänzchen das dritte und vierte Blatt bekommen, so Anfang bis Mitte April, ist es an der Zeit sie zu pikieren.“ Sie werden in größere Töpfe mit Pflanzerde gesetzt, die nährstoffreicher ist. „Dann sollten die Pflanzen nicht mehr zu warm stehen. Das Beste ist ein Raum, der hell und unbeheizt ist oder ein beheiztes Gewächshaus. Andernfalls werden sie krakelig statt kompakt.“

Anbinden:

„Mit dem Pikieren kann man der Pflanze gleich eine Rankhilfe, zum Beispiel einen kleinen Stab, geben und sie daran anbinden. Damit vermeidet man, dass die kleinen Tomaten umkippen oder schief wachsen.“

Auspflanzen:

Bei Steger kommen die jungen Tomatenpflanzen Ende April ins Gewächshaus. „Man sollte allerdings darauf achten, dass die Temperatur dort nicht unter sieben Grad Celsius fällt, andernfalls leiden die Pflanzen oder gehen sogar ein. Hat man kein Gewächshaus, sollte man bis nach den Eisheiligen warten mit dem Auspflanzen.“

Standort:

„Tomaten mögen nicht im Regen stehen. Oft reicht ihnen schon eine geschützte Stelle unter einem Dachvorsprung, damit sie gut wachsen.“ Außerdem wollen es Tomaten luftig. „Stehen sie zu eng, dann kann es zu Pilzkrankheiten kommen.“

Ausgeizen:

„Die Pflanzen sollten regelmäßig ausgegeizt werden. Dabei werden die Geiztriebe aus der Verästelung zwischen Stamm und Blattstiel entfernt. Fleisch- und Stabtomaten sollten auf jeden Fall ausgegeizt werden.“ Kleinfrüchtige Cocktailtomaten können auch mehrtriebig gezogen werden. Buschtomaten und Wildtomaten werden nicht entgeizt.

Düngen:

„Das Beet, auf dem die Tomaten ausgepflanzt werden, dünge ich mit Kompost und Hornspänen und im Laufe des Sommers werden die Pflanzen mehrmals mit verdünnter Brennnesseljauche gedüngt. Das ist mein ganzer Dünger. Mineraldünger verwende ich nicht.“

Stärken:

„So ein- bis zweimal besprühe ich die Pflanzen mit Ackerschachtelhalmbrühe zur Vorbeugung gegen Krankheiten. Das macht die Pflanzen kräftiger und widerstandsfähiger.“

Das muss im Frühjahr im Garten getan werden

Sulzbach-Rosenberg
Service:

Die Lieblingssorten von Sigrun Steger

Cocktailtomaten:

Ruthje – rote, etwas größere Cocktailtomate mit ausgewogenem Süße-Säure-Verhältnis

Green Grape – gelbgrüne, mittelfrühe Cocktailtomate, süß und fruchtig; historische Sorte

Fleischtomaten

Golden Jubilee – goldgelb, saftig und aromatisch; früh

Black Sarah – rotbraun, süß-fruchtig; alte deutsche Sorte

Stabtomaten/Salattomaten:

Matina – sehr früh reifende, rote, platzfeste Freilandtomate

Red Zebra – rot-gelb gestreift, würziges, fruchtig-süßes Aroma; Blickfang

 

 

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