01.10.2021 - 18:52 Uhr
ErbendorfBesserWissen

Mit guter Planung Lebensmittel retten und das Klima schonen

Ursachen für Lebensmittelverschwendung gibt es viele. Doch bereits mit kleinen Veränderungen im Alltag lässt sich die Verschwendung von Nahrungsmitteln im eigenen Haushalt eindämmen.

Hmm, geht das noch? Die meisten Lebensmittel lassen sich noch unbedenklich ein bis zwei Wochen nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum essen.
von Christa VoglProfil

Hinein damit in den Kompostbehälter. Oder in die Restmülltonne: Brot, das schon einige Tage auf dem Buckel hat. Gekochter Reis, bei dem man nicht sicher ist, ob er noch genießbar ist. Joghurt und Sahne mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum. Einige verschrumpelte Karotten. Und die Reste vom Mittagessen, auf die keiner mehr Appetit hat. Hinein damit und weg. Lebensmittelverschwendung gehört zum Alltag in vielen Haushalten. Mit der Aktionswoche "Zu gut für die Tonne" will das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dagegen halten. In diesem Jahr findet sie vom 29. September bis 6. Oktober statt.

Die Erbendorferin Kristina Heinzel-Neumann ist Ernährungstherapeutin und hält regelmäßig Vorträge zum Thema "Lebensmittel retten". Da stellt sich schon fast automatisch die Frage, ob bei ihr denn nie Lebensmittel in der Tonne landen. Die Antwort darauf wirkt ein Stück befreiend: "Doch, doch. Selbst mir passiert das. Es ist ja auch ein Stück menschlich, oder?", sagt sie lächelnd und fügt hinzu: "Ich versuche aber im Haushalt die Lebensmittelverschwendung zu minimieren. Und ich bemühe mich, die Impulse, die ich in meinen Vorträgen zu diesem Thema gebe, umzusetzen."

Aber warum sind Vorträge, die zeigen, wie man Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt reduziert, überhaupt notwendig? Ist es denn in Vergessenheit geraten, dass Lebensmittel wertvoll sind? "Ich glaube nicht, dass es in Vergessenheit geraten ist. Es ist nur so, dass gerade auf junge Familien Tag für Tag unglaublich viele Dinge zukommen, die bewältigt werden müssen. Vor allem von den Frauen", erklärt Heinzel-Neumann. Und weil es in einer solchen Situation wichtig sei, Prioritäten zu setzen, passiere es eben, dass Lebensmittel verschwendet werden: Es ist keine Zeit mehr, in Ruhe zu überlegen und zu planen.

Einen weiteren Grund für die hohe Zahl von verschwendeten Lebensmitteln möchte Heinzel-Neumann aber auch nicht verschweigen. "Tatsächlich bringen ältere Menschen dem einzelnen Lebensmittel viel mehr Wertschätzung entgegen als die jungen. Denn unsere Senioren wissen noch, was es heißt, wenn Lebensmittel knapp sind." Wohingegen junge Menschen nur die Überflussgesellschaft kennen würden, in der die verschiedensten Nahrungsmitteln ganzjährig ohne Mengenbegrenzung verfügbar seien.

Und dann, so die 40-Jährige, gebe es noch eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahrzehnten fast unbemerkt stattgefunden habe: die Isolierung von der Wertschöpfungskette. Heinzel-Neumann erklärt, was es damit auf sich hat: "Wir gehen in den Supermarkt und kaufen Lebensmittel günstig ein. Wir kriegen aber den Herstellungsprozess nicht mit und wir haben keine Ahnung von der Arbeit, die darin steckt." Im Gegensatz zu früher, als - vereinfacht ausgedrückt - der Verbraucher die Kartoffeln noch vom Acker holte und die Kuh selbst molk - habe eine Entkopplung von der Entstehung des einzelnen Lebensmittels stattgefunden. Die Folge: "Es kann nicht wertgeschätzt werden, weil man einfach auch nicht mehr sieht, wie der Wert entsteht."

Gegen diese gesellschaftlichen Entwicklungen kommt natürlich auch die Ökotrophologin aus Erbendorf nicht an. Trotzdem ist sie überzeugt, dass durch kleine Veränderungen im Alltag jeder einen Beitrag dazu leisten kann, Lebensmittel zu retten und so auch das Klima zu schützen. Ihre Tipps, die sie in Vorträgen und Beratungsgesprächen gibt, seien - wie sie sagt - "nichts Neues". Sie rufe lediglich altes Wissen wieder neu in Erinnerung.

Wochenplan:

"Der ist das A und O", sagt Heinzel-Neumann. "Wer einen Speiseplan für die kommende Woche macht, wirft dabei automatisch einen Blick in das Tiefkühlfach, den Kühlschrank oder den Vorratsschrank. Was brauche ich? Was ist noch vorrätig? So behält man den Überblick und weiß, was weg muss."

Vorkochen:

"Das eignet sich besonders für Tage, an denen wenig Zeit ist. Dann ist nämlich zumindest schon eine Komponente der Mahlzeit - zum Beispiel am Vortag gekochter Reis, Kartoffeln, Nudeln - die normalerweise länger braucht, bereits fertig und muss nur noch aufgewärmt werden."

Restetag:

"Ich mache das immer am Freitag", verrät die Ernährungsexpertin. "Ich schaue den Kühlschrank durch, was noch da ist oder offen ist und weg muss. Eine offene Dose mit Erbsen? Zwei Karotten? Eine halbe Paprika? Ein offener Becher Schmand? Das kommt in eine Pfanne und daraus entsteht eine leckere Gemüsesoße."

Vorratshaltung:

"Es ist beruhigend, wenn man Zuhause einen Grundbestand an bestimmten Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Nudeln, Reis, Nüsse, Mehl, Eier, Öl, Saucen oder Suppen, Zucker, Milch, Pizzaboden, Tiefkühlprodukte oder Suppengemüse hat. Dann neigt man, wenn es im Supermarkt wieder mal schnell gehen muss, nicht so sehr zu Panikkäufen."

Haltbar machen:

"Es ist noch ein Rest Gulasch da, aber die nächsten Tage sind alle Familienmitglieder ausgeflogen? Der Nachbar hat einen Eimer mit Äpfeln vorbeigebracht? Der gebackene Kuchen ist viel zu groß für die kleine Familie? Mit Einfrieren, Einkochen oder Einwecken schafft man sich Vorräte und kann sie bei Zeitnot schnell aufbrauchen", rät Heinzel-Neumann.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD):

"Ein Lebensmittel hat keine Zeitschaltuhr, bevor es dann explodiert." Die meisten Lebensmittel ließen sich tatsächlich noch unbedenklich ein bis zwei Wochen nach dem MHD essen. "Pflanzliche Lebensmittel noch etwas länger und tierische etwas kürzer."

Lebensmittel retten - aber nicht um jeden Preis:

"Lebensmittel retten, hört da auf, wo die Gesundheit gefährdet wird. Je tierischer ein Produkt ist, desto näher am MHD sollte es verbraucht werden", warnt die Ernährungsexpertin. "Unser Körper - Augen, Nase, Mund - gibt Warnsignale, wenn etwas "nicht stimmt". Zu rät zum Geruchs- und Geschmackstest, die Beurteilung von Aussehen und Konsistenz. "Und manchmal reicht bereits der gesunde Menschenverstand um zu entscheiden: Da lasse ich die Finger davon."

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Erbendorf
Hintergrund:

Aktion: "Deutschland rettet Lebensmittel!"

  • Bundesweite Aktionen zum Thema Lebensmittelverschwendung vom 29. September bis 6. Oktober.
  • Beteiligung von allen Sektoren der Lebensmittelversorgungskette: Primärproduktion, Handel, Lebensmittelverarbeitung, Außer-Haus-Verpflegung und private Haushalte.
  • Im Fokus dieses Jahr: "Obst und Gemüse" - anlässlich des Internationalen Jahres für Obst und Gemüse.
  • Weitere Informationen auf www.zugutfürdietonne.de.

 

 

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