10.05.2021 - 10:20 Uhr
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Corona-Pandemie sorgt für Favoritenwechsel an den Börsen

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Die Gewinner-Aktien 2020 kommen aus den Bereichen E-Commerce, Technologie, Internet, Cloud, E-Gaming und Künstliche Intelligenz. Über Hintergründe der Kursentwicklungen und Aussichten schreibt Börsenexperte Robert Beer in seiner Kolumne.

Mit Microsoft Teams können Nutzer zu zweit und in Gruppen chatten, in Themenkanälen zusammenarbeiten, Dateien teilen, telefonieren und per Video konferieren – unerlässlich in Zeiten von Home-Office während der Corona-Pandemie. So gehört Microsoft ganz klar zu den Gewinnern an der Börse.

Plus 50 Prozent beim Umsatz, den Gewinn fast verdoppelt. So lässt sich das erste Quartal von Apple kurz und knapp beschreiben. Spektakuläre Zahlen, die man sonst nur vom Weihnachtsquartal kennt. Deutlich mehr Umsatz und erhebliche Gewinnsteigerungen konnten auch Microsoft, Amazon, die Google-Mutter Alphabet vermelden. Und viele mehr.

Die Gründe liegen auf der Hand. Lockdown und Pandemiebekämpfung spielen diesen Unternehmen in die Karten. Schüler und Firmen nutzen Microsoft Teams und Teamviewer. Eingekauft wird online. Nicht nur Amazon, alle E-Commerce-Anbieter wie Zalando, Delivery Hero und Co. profitieren. Statt TV schaut man Netflix und spielt online. Von der Werbung profitieren Google und Facebook. Den Trend zur Cloud nutzen neben Unternehmen auch immer mehr Privatleute. Digitalisierung wird groß geschrieben. Statt Tagesgeld macht man Bitcoin, Ethereum oder neuerdings Dogecoin.

Optimismus ohne Grenzen

Eine Entwicklung, die sich 2020 in den Börsenkursen bemerkbar gemacht hat. Die Gewinner-Aktien kommen aus den Bereichen E-Commerce, Technologie, Internet, Cloud, E-Gaming und Künstliche Intelligenz. Kursverdopplungen in diesen Sektoren waren keine Seltenheit. Dass jedoch auch in diesen Bereichen den Anlegern die hochprofitablen Branchengrößen nicht mehr reichen, lässt sich aus dem Chart des "Goldman Sachs non-Profitable Tech Baskets" ablesen. Jeder will die "neuen" Amazon-, Apple- oder Google-Aktien zuerst haben. Der Zukunfts-Optimismus kennt keine Grenzen.

Ein Verfünffachen seit dem März-Tief vor gut 13 Monaten lässt bei vielen erfahrenen Börsenexperten jedoch die Alarmglocken läuten. Ist dieser Anstieg zu viel oder werden künftige Gewinne die Entwicklung doch rechtfertigen? Nicht wenige fühlen sich an die Jahrtausendwende erinnert, als der "Neue Markt" nach einer fulminanten Rallye krachend zusammenbrach und etliche Hoffnungsträger verschwunden sind. Die jetzigen Schwergewichte haben diese Zeit überlebt, die Kurse jedoch Jahre gebraucht, die alten Höchststände zu überschreiten.

Der damalige Grund: Umsätze und Gewinne mussten erst nachziehen, um den Unternehmenswert zu rechtfertigen. Denn viele dieser sehr gut gelaufenen Aktien weisen eine extrem hohe Bewertung auf. Die Erwartungen sind auch jetzt enorm. Hinzu kommt: Das niedrige Zinsniveau tut ein Übriges. Ohne Zins-Alternativen setzt es sich leichter auf Aktien, die wenig Gewinne ausweisen und eben auch keine Dividenden zahlen. Befeuert durch die weltweiten Konjunkturmaßnahmen und Staatsausgaben, allen voran das 1,9-Billionen-US-Dollar-schwere US-Pandemieprogramm, und getragen von der Aussicht auf Lockerungen und ein normales Leben haben sich nun auch in vielen anderen Branchen die Aussichten aufgehellt. Die Bautätigkeit lässt die Kosten für viele Materialien steigen, Öl- und Rohstoff-Kurse haben stark angezogen. Die Nachfrageerholung trifft auf leere Lager und lässt überall die Preise steigen.

Zinsen leicht gestiegen

Die Inflationserwartung ist weltweit auf Mehrjahreshochs. Die langfristigen Zinsen sind hierdurch bereits leicht gestiegen. Die Börse reagiert. Während die Kurse vieler Pandemiegewinner auf der Stelle treten, notieren seit Jahresbeginn Aktien aus den Bereichen Industrie, Autobau und Energie deutlich im Plus. So führen im DAX Volkswagen und Daimler die Gewinnerliste an, gefolgt von Heidelberg-Cement. Die Deutsche Bank hat ebenfalls knapp 30 Prozent zugelegt. Anziehende Zinsen sind schließlich gut für Banktitel.

Weltweite Konjunkturprogramme, enormer Nachholbedarf bei Investitionen, Lagerhaltung und Konsum sowie ein weiterhin sehr niedriges Zinsniveau treffen auf Lockerungen und zunehmenden Optimismus. Die Erwartungen für die Konjunktur sind auch für die zweite Jahreshälfte sehr positiv. Die niedrigere Bewertung sowie attraktive Dividendenausschüttungen sprechen daher aktuell für eine Fortsetzung der Tendenz. Wobei unabhängig hiervon der generelle Trend zur Digitalisierung weiter fortschreiten wird.

Börsenexperte Robert Beer zur Gamestop-Posse

Deutschland und die Welt

Auszeichnung für Robert Beer

Parkstein
Hintergrund:

Zur Person: Robert Beer

  • Robert Beer ist Fondsmanager und Inhaber der Robert Beer Investment GmbH in Parkstein.
  • Als Buchautor befasst er sich seit den 1980er-Jahren mit der Wirtschaft und den Kapitalmärkten.
  • Kürzlich wurde er auf Platz 3 unter den Fondsmanagern des Jahres 2021 gewählt.
  • Die Jury von „Euro“, „Euro am Sonntag“ und „Börse online“ bewertete dazu rund 5000 Fonds und deren Fondsmanager.

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