So kommen Hühner gut durch den Winter

Immer mehr Menschen entdecken die Hühnerhaltung als Hobby. Doch sobald der Sommer vorbei ist und die Tage kürzer werden, stellen viele Hühner das Eierlegen ein. Was dann zu tun ist, erklärt die Züchterin Susanne Engelhardt aus Edelsfeld.

Hühner im Schnee...sind noch lange keine Schneehühner.
von Christa VoglProfil

ONETZ: Frau Engelhardt, warum legen Hühner eigentlich weniger Eier oder keine Eier sobald es Herbst wird?

Susanne Engelhardt: Das hat vor allem mit dem abnehmenden Tageslicht zu tun. Wenn die Tage kürzer werden, dann hören die Hühner auf mit dem Eierlegen. Das ist ein natürlicher Vorgang. Man kann aber gegensteuern mit einer Verlängerung der Lichtzeit auf insgesamt 13 bis 14 Stunden. Allerdings ist es wichtig, kein flackerndes Licht – wie zum Beispiel Neonröhren – zu verwenden. Auch wir Züchter arbeiten mit Belichtung.

ONETZ: Sobald dann die Lichtzeit erhöht ist, legen die Hühner wieder ganz normal?

Susanne Engelhardt: Da gibt es noch eine wichtige Sache: Die Umgebungstemperatur. Wenn diese zwölf Grad Celsius nicht unterschreitet, dann legen Hühner auch im Winter Eier. Liegt aber die Temperatur im Hühnerstall – oder im Freigehege – darunter, ist den Hühnern kalt. Sie verwenden dann viel Energie darauf, sich selbst aufzuwärmen. Und dann ist keine Energie mehr da zum Eierlegen. Dagegen hilft nur eine gute Isolierung des Stalls oder eine Heizung.

ONETZ: Zwölf Grad Celsius, das klingt nicht besonders warm.

Susanne Engelhardt: Ein Huhn kommt mit kühlen Temperaturen viel besser zurecht als mit Temperaturen von zum Beispiel 30 Grad Celsius. Weil sie nämlich nicht schwitzen können. Wenn ihnen im Stall kalt ist, dann kuscheln sie sich oft auf der Stange eng zusammen. Erfrieren wird ein gesundes Huhn im Winter nicht, auch wenn der Stall keine Isolierung und keine Heizung hat. Wichtig ist vor allem, dass der Stall zugluftfrei und trocken ist. Auch sollte im Winter energiereiches Futter angeboten werden, so dass sie mit der Energie ihren Wärmehaushalt leicht decken können.

ONETZ: Und wenn die Temperaturen im Hühnerstall Minusgrade erreichen?

Susanne Engelhardt: Hühner kommen selbst mit Temperaturen von minus 20 Grad Celsius klar. Allerdings kann es vorkommen, dass bei Hühnern mit großen Kämmen bei Minustemperaturen die Kämme erfrieren, eben weil sie nicht von Federn geschützt sind. Um dem vorzubeugen, sollten die Kämme mit Vaseline oder einer anderen Fettcreme versorgt werden. Wird das verpasst, so sind die Erfrierungen an den schwarzen Spitzen der Kämme zu erkennen. Das ist erfrorenes Gewebe. Und das muss wirklich nicht sein.

ONETZ: Und wie ist es mit dem Futter? Stimmt die Aussage: Energiereiches Futter = viele Eier?

Susanne Engelhardt: Die Ernährung der Hühner hat nicht generell mit dem Eierlegen zu tun. Denn das Eierlegen ist angezüchtet. Das erkennt man daran, dass zum Beispiel Hühner, die zu wenig Kalk im Futter erhalten, trotzdem Eier legen. Dann halt mit einer ganz dünnen, zerbrechlichen Schale, manchmal sogar ohne Schale. Mit einer guten Ernährung – zum Beispiel genug Eiweiß und Kalk – fördert man das Huhn an sich. So hat man lange Freude an den Hühnern und beugt Mangelerscheinungen vor.

ONETZ: Sollte man im Winter die Ernährung der Hühner umstellen?

Susanne Engelhardt: Der Winter ist für das Huhn einfach anstrengend. Ob es nun legt oder nicht. Wenn man die Belichtung verlängert, hat das Huhn mehr Zeit, um Nahrung aufzunehmen. Gerade bei kaltem Wetter ist das von Vorteil, weil so der Energiehaushalt besser gedeckt werden kann. Im Winter kann man aber auch energiereicheres Futter zufüttern. Zum Beispiel Sonnenblumenkerne oder Maiskörner – je nach Hühnergröße ganz, gebrochen oder geschrotet. Die nimmt dann das Huhn als Energiefutter auf, verbraucht es und verwandelt es nicht zu Fett. Im Sommer sollte man darauf aber verzichten, weil die Hühner sonst verfetten.

ONETZ: Und warum ist es wichtig, dass Hühner nicht verfetten?

Susanne Engelhardt: Wenn ein Huhn verfettet, legt es nur noch wenige Eier oder überhaupt keine mehr. Das ist wie beim Menschen auch. Wer zu dick ist, bekommt gesundheitliche Probleme. Das kann man fast 1:1 übertragen. Das Huhn wird träge und bewegt sich wenig, es bekommt Herz-Kreislauf-Probleme.

ONETZ: Wie kann man die Gesundheit der Hühner unterstützen?

Susanne Engelhardt: Ich sage meinen Kunden immer, dass sie Bierhefe verfüttern sollen, wenn sie ihren Hühnern etwas Gutes tun wollen. Bierhefe hat viele wertvolle Inhaltsstoffe und wirkt zum Beispiel auch unterstützend in der Mauser für die neue Federbildung. Bierhefe gibt es im Lagerhaus, im Drogeriemarkt oder natürlich im Internet. Die Bierhefe, die Menschen essen, ist auch für Tiere geeignet. Ich rate auch zu Vitamin-C-Gaben. Natürlich nicht in hoher Dosierung. Das stärkt das Immunsystem. Vitamin-C-Pulver gibt es ebenfalls im Drogeriemarkt. Und wenn etwas im Argen liegt, hilft oft ein Tee aus Oregano und Knoblauch. Das wirkt wie ein natürliches Antibiotikum. Kräuter helfen generell bei Hühnern ganz super.

ONETZ: Apropos Kräuter. Im Sommer sind die Hühner ja oft auf der Wiese unterwegs oder sie bekommen Grünzeug als Futter. Fehlt ihnen das im Winter nicht?

Susanne Engelhardt: Natürlich kann man im Winter auch Salat verfüttern. Aber das Huhn kommt auch sehr gut ohne Grünfutter zurecht. Außerdem muss es ja nicht unbedingt etwas Grünes sein. Man kann zum Beispiel Karotten und Äpfel schnipseln oder ihnen halbierte Futterrüben anbieten, die sie dann auspicken. Das Gute daran: Darin ist auch viel Wasser enthalten. Ein Tipp: Wenn Hühner Äpfel nicht kennen, dann werden sie oft nicht beachtet. Dann am besten einige Tage lang die Äpfel in kleine Stücke schneiden und in den Futtertrog legen. Wenn sich die Hühner daran gewöhnt haben, kann man auch halbierte Lageräpfel anbieten.

ONETZ: Und wie ist es mit dem Wasser in der Tränke?

Susanne Engelhardt: Im Winter brauchen Hühner weniger Wasser als im Sommer. Man sollte aber zweimal pro Tag den Wassertrog mit kaltem Wasser füllen, weil warmes Wasser schneller gefriert. Die Hühner füllen dann ihren Kropf mit dem frischen Wasser, das ist wie eine Art Vorrat. Sie können also mehr Futter und Wasser aufnehmen, als sie aktuell brauchen. Falls das Wasser im Trog sehr schnell einfriert, ist es natürlich sinnvoll, das Wasser öfter zu wechseln. Hühner müssen aber nicht den ganzen Tag eine eisfreie Wasserschüssel zur Verfügung haben. Und inzwischen gibt es auch elektrische Tränkenwärmer, die den Wassertrog immer eisfrei halten.

ONETZ: Manche Hühnerhalter füttern zusätzlich Rosinen oder Walnüsse als kleine Leckerbissen.

Susanne Engelhardt: Hühner sind Allesfresser, sie fressen natürlich auch Rosinen oder Walnüsse. Klar kann man Futter kaufen, das mit 40 Euro pro Sack sehr teuer ist. Allerdings sollte man sich überlegen, ob es dieser Schnick-Schnack wirklich bringt. Wichtiger ist, dass das Futter mindestens 18 Prozent – oder noch besser 19 bis 20 Prozent – Rohprotein beinhaltet. Es ist ja auch so, dass Rosinen nicht unbedingt zum natürlichen Speiseplan eines Huhns gehören. Genauso wenig wie Walnüsse. Denn: Wie sollte ein Huhn in der Natur an Walnüsse oder Rosinen kommen? Im Normalfall überhaupt nicht. Und noch etwas ist wichtig. Beim Blick in den Hühnerstall sollte man eines nicht vergessen: Was da gackert, scharrt und Eier legt, ist – bei aller Liebe – ein Tier, ein Nutztier: eben ein Huhn.

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Oberpfalz

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Sinnleithen bei Edelsfeld
Hintergrund:

Zur Person: Susanne Engelhardt

  • Susanne Engelhardt ist 26 Jahre alt und Hühnerzüchterin.
  • Auf ihrem Hof in Sinnleithen bei Edelsfeld (Kreis Amberg-Sulzbach) tummeln sich viele verschiedene Hühnerrassen: Sussex, Vorwerk, Paduaner, Italiener, Seidenhühner, Bielefelder, Araucana und Marans.
  • Hühnerhalter können bei ihr auch befruchtete Eier von Rassehühnern kaufen und diese dann zu Hause – von einer Glucke oder vom Brutapparat – ausbrüten lassen.
  • Susanne Engelhardt weiß auch Rat, wenn sich eine Henne auffällig verhält und hat Tipps für die richtige Futterzusammensetzung.
Hühner werden danach beurteilt, wie viele Eier sie legen. Dagegen kann der Gockel die Sache entspannt angehen. Bloß kein Stress!
Auch im Winter genießen Hühner die Zeit im Freien. Sie können ja jederzeit wieder zurück in den Stall.
Trotz der Kälte ist so ein Spaziergang mit Futtersuche für Hühner sehr abwechslungsreich.
Susanne Engelhardt züchtet Hühner. Sie weiß, was ihnen gut tut: zum Beispiel Bierhefe, Vitamin C und ein Tee aus Knoblauch und Oregano als natürliches Antibiotikum.

 

 

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