29.03.2021 - 14:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzBesserWissen

E-Bike-Fahren gegen den Corona-Frust: Auf dem Zweirad die Heimat erkunden

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Durch Corona und die damit verbundenen Einschränkungen gab es schon im vergangenen Jahr einen Sturm auf den Fahrradhandel und Lieferengpässe. Vor allem E-Bikes waren sehr beliebt. Radexperte Ludwig Russ sagt, wie die Lage in der neuen Saison ist - und worauf man beim Kauf eines E-Bikes achten sollte.

Auf eine gute Federung kommt es an.
von Helmut KunzProfil

Der Run auf E-Bikes, also Fahrräder mit Elektromotor-Unterstützung, ist ungebrochen. "Lieferengpässe wie heuer hat es noch nie gegeben, schlimmer noch als letztes Jahr", sagt Fahrradhändler Rudolf Russ aus Weiden. "Ich habe die Angst der Händler nie geteilt, dass der große Run des letzten Jahres auf die Räder Absatzflauten für die Folgejahre nach sich ziehen würde." Man habe anfangs nicht mit der großen Zahl an Leasingrädern gerechnet, die Firmen für ihre Angestellten anschafften. Es gebe auch Kunden, die kauften nicht nur ein E-Bike, sondern gleich zwei.

Die aktuellen Engpässe beträfen allerdings nicht nur die E-Bike-Sparte, sondern alle Fahrräder. Vor allem aber den Ersatzteil- und Teile-Bereich. Viele namhafte Hersteller wie Shimano oder SRAM, hätten Lieferzeiten bis Ende des Jahres. "Wir haben uns Gott sei Dank reichlich eingedeckt. Wir können gut von unseren Vorräten zehren."

Engpässe gebe es auch bei den namhaften Reifenherstellern: "Schwalbe, Continental, Michelin: Ich nehme da keinen aus." Russ führt das auf das Zusammenspiel vieler ungünstiger Faktoren zurück: auf die Corona-Pandemie und auf den Weltmarkt. "Die Deutschen stellen zu wenig selber her und kaufen viel im Ausland ein. Plötzlich sind keine Schiffskapazitäten mehr frei und die Arbeitskräfte werden auch dort knapp."

Viele Modelle seien auf Lager, so der Radexperte. "Aber wenn ich ein bestimmtes Modell mit einer speziellen Rahmenhöhe will, kann es sein, dass es vergriffen ist." Lieferzeit mit etwas Glück: Mai oder Juni. "Oder wenn ich Pech habe: Silvester." Der Handel schicke heuer schon im April seine Bestellungen für die Saison 2022 raus. "Dabei hat man die Räder noch nicht einmal gesehen. So früh, das hatten wir noch nie. Man kann den Markt einfach nicht mehr einschätzen."

Nur beim Fachhändler kaufen

"Die Leute haben ihre Heimat für sich entdeckt." Der Urlaub sei gestrichen, also rauf aufs Rad. Am besten lasse sich das Umland mit dem E-Bike radeln. "Abends mal schnell zur Silberhütte und zurück ist kein Problem mehr. Ich muss nicht ins Ausland fahren, um einen schönen Urlaub zu haben. Wir haben es in der Oberpfalz auch schön."

Wer ein E-Bike kauft, sollte einen seriösen Fachhändler in seiner Nähe aufsuchen. Russ hat einige Tipps, auf was man achten sollte:

  • Auch bei den Motoren und Batterien auf namhafte Hersteller achten. "Die garantieren auch die schnelle Beschaffung von Ersatzteilen." Die Ausfallrate sei in diesen Fällen ohnehin gering. "Eine No-Name-Batterie kann das ganze Haus abfackeln. Hatten wir auch schon."
  • Ein leichter Carbon-Rahmen sei nicht unbedingt nötig. "Dafür habe ich ja meinen Motor."
  • "Bitte nicht auf die minderwertigste Ausstattung zurückgreifen. Ein starker Motor und die billigste Kette passen einfach nicht zusammen. Da gibt's nach 500 Kilometern die ersten Probleme."
  • Ferner sollte jedes Bike mit guten Speichen und ausreichend dimensionierten Bremsen ausgerüstet sein.
  • Die wichtigste Frage, die man sich vorher stellen sollte: Wofür nutze ich mein E-Bike? Für die Stadt oder für die Alpen? Für mich allein oder mit Anhänger?
  • Auch das jeweilige Körpergewicht sollte beim Kauf eine Rolle spielen.
  • Ein gutes City-Bike mit einem ausreichenden 500-er Akku koste zwischen 2000 und 3000 Euro. Reichweite je nach Strecke und Akku-Zuschaltung: bis zu 120 Kilometer.
  • Wer aber lieber einen Alpen-Cross fahren möchte, sollte auf ein gut gefedertes Mountainbike zurückgreifen. "Das kann schnell einmal 8000 bis 10000 Euro kosten. Das wird aber auch ganz anders beansprucht."
  • Schon allein aus Gründen des Garantie-Anspruchs sollte der Käufer unbedingt den regelmäßigen Kundendienst pflegen. Das E-Bike werde dann in der Fachwerkstatt inspiziert, die Kette nachgespannt, eine neue Software hochgeladen.
  • Eine erste Sichtprüfung an seinem Rad nach der Winterpause könne aber jeder selbst unternehmen. Das spare Geld. Putzen, unbedingt Licht, Schaltung und Bremsanlage überprüfen, Kette ölen, Rahmen auf äußere Defekte wie Steinschlag untersuchen und die Reifen auf Risse und eingefahrene Fremdkörper hin prüfen. Natürlich müsse der Luftdruck stimmen.

Kein "Fahrzeug für Kranke" mehr

"Früher war das E-Bike ein Fahrzeug für Kranke", schmunzelt Russ. "Dann wurde es zum Fahrzeug für Ältere. Und jetzt kaufen es 16-Jährige." Jeder wolle den Genuss eines E-Bikes nutzen, erzählt Russ. "Früher ist einer kaputt zurückgekommen, wenn er tagsüber eine größere Tour mit dem Rad gefahren ist. Heute kommt er ausgeruht nach 809 Kilometern zurück."

Um sich mit dem aktuellen Lockdown und seinen Einschränkungen zu arrangieren, setzen Händler wie Radsport Russ auf "Click & Meet". Das heißt: "Die Leute informierten sich per Telefon. Und wir stellen eine kleine Auswahl an Rädern zusammen, die dann vor unserem Geschäft von den Kunden begutachtet und zur Probe gefahren werden können."

Der Boom der E-Bikes ist nicht mehr aufzuhalten

Weiden in der Oberpfalz

Unsere Radl-Serie "On Tour" im Onetz

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.