22.11.2018 - 18:56 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Bayerns Kirchen und ihre Immoblien: Umnutzen statt abreißen

Das Problem der katholischen Frauenkirche in Amberg ist auch Bayerns evangelischer Kirche nicht neu. Gut 1000 Gebäude werden in den nächsten zehn Jahren in Bayern überflüssig. Etwas anders sieht es im katholischen Bistum Regensburg aus.

Die Frauenkirche in Amberg sucht eine neue Nutzung.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Pfarrei St. Martin hat eine Kirche ohne Verwendungszweck. Die katholische Frauenkirche in Ambergs Innenstadt sei zwar nicht einfach so zu verschenken. Eine sinnvolle Nutzung werde aber dringend gesucht, stellte Stadtpfarrer Thomas Helm am Donnerstag nochmals klar. Solche Probleme kennt auch Bayerns evangelische Landeskirche. Sprecher Johannes Minkus verweist auf eine aktuelle Erhebung: Demnach gehören der Kirche in Bayern 6197 Gebäude. "In den kommenden zehn Jahren werden wir rund 1000 Gebäude aufgeben müssen", erklärt Minkus. Dies sei nötig, um den Erhalt der verbleibenden Immobilien zu sichern.

Auch Sakralbauten stehen bei der evangelischen Kirche auf dem Spiel. 1768 davon gibt es derzeit in Bayern, 735 sind nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. "Damals kamen Vertriebene, der Bedarf war groß", erklärt Minkus. Aus heutiger Sicht seien viele Bauten zu groß angelegt, denn der Rückgang der Gläubigen hält an. Zur Jahrtausendwende hatte die Landeskirche 2,8 Millionen Mitglieder, heute sind es 2,3 Millionen. Hier setzten die Pläne an. Vor allem bei Sakralbauten soll auf Abriss oder Verkauf verzichtet werden. Minkus: "Gerade hier hängen doch viele Herzen dran." Die Verantwortlichen setzen deshalb auf Rückbau und Umnutzung.

Frauenkirche in Amberg

Amberg

Besonders in Städten gebe es Beispiele, weil dort der Rückgang besonders deutlich wird. Die Dreifaltigkeitskirche in Nürnberg-Steinbühl sei an den Bedarf angepasst. Die einst 1000 Sitzplätze wurden um zwei Drittel verringert. Statt dessen biete der Bau nun Platz für Gemeindearbeit und ein Café. Auch aus München-Hasenbergl gibt es ein Beispiel: Dort ist die Zahl der Kirchenmitglieder von 7000 auf 2000 gesunken, der Bedarf für Sozialarbeit im Problemviertel aber weiter groß. Beim Umbau sei der Kirchenraum verkleinert worden. Neu eingezogene Wände schaffen Platz für diakonische Arbeit. So passt sich die evangelische Kirche den Herausforderungen der Zeit an.

Etwas anders fällt die katholische Reaktion aus: Das Beispiel aus Amberg sei nicht typisch im Bistum Regensburg, versichert Pressesprecher Clemens Neck. Trotz sinkender Gläubigenzahl auch in der Oberpfalz und Niederbayern habe das Bistum mit ihrem Immobilienbestand prinzipiell keine Probleme, versichert Neck: "Ich sehe auch nicht, dass sich das in den kommenden Jahren ändern würde."

Die Statistik des Bistums weist für 2017 rund 2000 Kirchen (ohne Kapellen aus). Hinzu kommen 750 Pfarrhäuser, 340 Pfarrheime und 400 Kindertageseinrichtungen. Alleine das Bistum investierte 2017 63,5 Millionen Euro, wobei 56,8 Millionen Euro als Investitionszuschüsse flossen, meist an Pfarreien. Mit anderen Worten wurde noch deutlich mehr Geld in kirchliche Immobilien gesteckt. Im Einzelfall gebe es tatsächlich immer wieder auch Anpassungsbdarf bei der Nutzung. "Zeiten ändern sich und damit die Anforderungen." Neck nennt Beispiele, in denen die Pfarrgemeinde Funktionen übernimmt, die einst das Dorfwirtshaus inne hatte. In Eschenbach im Landkreis Neustadt/WN wird das große Pfarrheim durch einen kleineren, dem Bedarf angemesseneren Bau ersetzt. Anstelle des großen Pfarrheims entstehen Wohnungen. Solche Anpassungen seien aber kein Zeichen für ein grundsätzliches Problem.

Nach dem Bericht über die Frauenkirche

Amberg
Pressesprecher Johannes Minkus
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