18.03.2021 - 18:41 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Anhörung im Wirtschaftsausschuss zu Stromspeichertechniken

Experten haben im Landtag für den Einsatz vom Stromspeichern zur Absicherung der Energiewende geworben. Besonders optimistisch zeigten sich Forscher aus der Oberpfalz.

Professor Markus Brautsch von der OTH Amberg-Weiden plädiert bei längerfristiger Energiespeicherung für Wasserstoffspeicher.
von Jürgen UmlauftProfil

Zur Absicherung der Energiewende sollte der Freistaat nach Ansicht mehrerer Experten die verschiedenen Technologien zur Stromspeicherung stärker in den Blick nehmen. "Das Speicherproblem ist gelöst, wir müssen uns nur an die Umsetzung machen", sagte Professor Michael Sterner von der OTH Regensburg bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Landtags. Grundvoraussetzung für die sinnvolle Nutzung von Speichertechnologien sei der Ausbau von Wind- und Sonnenkraft auch in Bayern. Damit sei auch der kostengünstige Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft möglich, wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen entsprechend angepasst würden.

Professor Markus Brautsch von der OTH Amberg-Weiden verwies auf die wichtige Unterscheidung von Kurz- und Langzeitspeichern. So eigneten sich Batterien am besten für die Stromspeicherung in privaten Haushalten sowie Autos. Um längerfristig zu speichern, zum Beispiel um Phasen mit wenig Sonneneinstrahlung und Wind zu überbrücken, seien Wasserstoffspeicher am besten geeignet. Dafür könnte man vorhandene unterirdische Erdgasspeicher nutzen. Mit dem Wasserstoff ließe sich dann über konventionelle Gasturbinen Strom erzeugen. Brautsch forderte zur beschleunigten Umsetzung weniger Bürokratie, einen Technologiemix und mehr Flexibilität im System. Zudem brauche es für innovative Anlagen vereinfachte Genehmigungsverfahren.

Hier setzte auch Heinrich Gärtner vom Bundesverband Energiespeicher an. "Unsere Energiegesetze stammen aus der Zeit der Fax-Geräte", sagte er. Nach seiner Einschätzung könnten Stromspeichertechniken dafür sorgen, dass aus Wind und Sonne erzeugter Strom "zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge zur Verfügung steht". Die höchste Akzeptanz dafür schaffe man mit möglichst großer regionaler Wertschöpfung. Nach Einschätzung des Erlanger Professors Wolfgang Arlt werde Bayern ungeachtet des Ausbaus erneuerbarer Energien hierzulande auf Importe angewiesen bleiben. Dazu gehöre vor allem in Afrika per Sonnenkraft und in Osteuropa aus Windkraft erzeugter Wasserstoff.

Der Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft in München, Serafin von Roon, wies die Abgeordneten auf die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit von Speicheranwendungen hin. Diese würden sich nur durchsetzen, wenn es sich für deren Betreiber auch lohne. "Speicher werden kommen, wenn sie nicht durch die Regulatorik verhindert werden", betonte er. Aus seiner Sicht könnten Speicher die Energiewende "leichter und kostengünstiger" machen, da für die Stromabdeckung in Spitzenzeiten weniger Anlagenzubau erforderlich sei. Speicher seien die "größte und wichtigste Flexibilitätsoption". Deutlich skeptischer äußerte sich der von der AfD benannte Diplom-Ingenieur Frank Hennig. Er warnte vor Versorgungsengpässen und höheren Energiepreisen. Stromspeicher könnten hier nur bedingt Abhilfe schaffen.

Wasserstoff als Option für die Klimawende

Schwandorf

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.