18.03.2021 - 17:41 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Bauernverband: "Steigende Milchpreise müssen bei Bauern ankommen"

Bei der Mitgliederversammlung der Bezirksverbände Niederbayern und Oberpfalz des Bayerischen Bauernverbandes ging es vor allem um die Milchpolitik. Der Tenor war dabei eindeutig.

Problemthema Milch: Bei der virtuellen Mitgliederversammlung der Bezirksverbände Niederbayern und Oberpfalz des Bayerischen Bauernverbandes wurde intensiv darüber gesprochen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Knapp 100 Teilnehmer konnten die beiden BBV Präsidenten Josef Wutz und Gerhard Stadler in einer gemeinsamen Videokonferenz der Bezirksverbände Niederbayern und Oberpfalz zur Milchpolitik des Deutschen Bauernverbandes begrüßen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die neue Technik macht es möglich, den Milchpräsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Karsten Schmal bequem für einen Abend ins Wohnzimmer zu holen“, rief Stadler und freute sich über die rege Beteiligung bei der Veranstaltung.

Zur Einführung auf das Thema verwies Josef Wutz auf die große Bedeutung der Milchviehhaltung für Ostbayern und auf ständig steigende Anforderungen in der Milchproduktion, die zu großer Verunsicherung in den Betrieben führten. Er stelle fest, dass immer mehr Betriebe aufhören und auch die Anzahl der Milchkühe in Ostbayern seit Jahren rückläufig ist.

Schlechte Stimmung in den Betrieben

Karsten Schmal ist selbst Milcherzeuger und bewirtschaftet mit seiner Familie in Nordhessen einen Milchviehbetrieb. Er griff in seinen Ausführungen die schlechte Stimmungslage in den Betrieben auf und verdeutlichte, dass niedrige Erzeugerpreise mit den ständig steigenden Tierwohl- und Umweltschutzanforderungen einfach nicht zusammenpassen würden, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Molkereien forderte er auf, die Erzeugerpreise zeitnah und spürbar anzuheben und verwies auf eine positive Entwicklung auf dem Markt für Milchprodukte. „Weltweit ziehen die Notierungen an“, berichtete Schmal und verwies in seinen Ausführungen auf eine steigende Nachfrage nach Milchprodukten und sinkende Anlieferungsmengen, die zu dieser Entwicklung führten.

Allerdings stellte er auch fest, dass bei vielen landwirtschaftlichen Produkten die Differenz zwischen Erzeugerpreisen und Verbraucherpreisen zugenommen hat und verwies in diesem Zusammenhang auf die große Macht des Handels. „Hier ist eine konsequente Anwendung des Wettbewerbs- und Kartellrechtes angezeigt“, so Schmal, „wir fordern deshalb weitere Nachbesserungen bei der Umsetzung der EU Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken.“

Mehr Tierwohl in den Ställen

Ein weiteres Thema waren verschiedene Initiativen für mehr Tierwohl in den Ställen. Schmal betonte, dass Tierwohl in Deutschland sehr intensiv diskutiert werde, während es in vielen anderen Ländern kaum eine Rolle spiele. Er informierte über die Haltungsformkennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels und berichtete, dass jetzt auch bei Rindfleisch und Milch zusätzliche Tierwohlkriterien für höhere Haltungsstufen festgelegt werden, die über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgehen. Hinzu kommen noch Überlegungen aus der „Borchert-Kommission“ zu einem höheren Tierwohlniveau für alle Nutztiere in Deutschland. Fest stehe, dass diese zusätzlichen Tierwohlleistungen vom Verbraucher an der Ladentheke nicht honoriert werden. Es sind deshalb staatliche Abgaben zur Finanzierung dieser zusätzlichen Tierwohlleistungen notwendig.

Bei der anschließenden Diskussion unterstrich der Milchpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, dass Kosten für mehr Tierwohl den Bauern voll und dauerhaft ersetzt werden müssen, sonst wird die Tierhaltung in die Länder abwandern, wo Tierwohl kaum eine Rolle spielt. Damit würde man der regionalen heimischen Landwirtschaft und dem Tier- und Klimaschutz einen „Bärendienst“ erweisen.

Interview: "Tierwohl kann man kaufen"

Kaibitz bei Kemnath

Landwirte fühlen sich nicht verstanden

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.