24.03.2021 - 18:25 Uhr
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Nach Intrigen-Vorwurf: Oberpfälzer Genossen geschlossen hinter Uli Grötsch

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Im Interview mit Oberpfalz-Medien beschuldigt SPD-Bundestagsabgeordneter Florian Post den Parteifreund Uli Grötsch der Intrige. Den Generalsekretär und die Oberpfälzer Genossen hinterlässt er damit ratlos.

Rückendeckung für Uli Grötsch: Die Intrigen-Vorwürfe von Florian Post halten die meisten Oberpfälzer Genossen für unbegründet.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Man merkt dem Bewerber um Bayerns SPD-Spitzenjob keine Verstimmung an: „Florian Post und ich kennen uns schon ewig“, sagt Uli Grötsch entspannt auf den Vorwurf, er habe seinen ehemaligen Juso-Kumpel Sebastian Roloff zur Gegenkandidatur um den sicheren oberbayerischen Listenplatz für den Bundestag ermuntert. „Ich war immer der Meinung, dass wir ein gutes Verhältnis haben.“ Ein Rätsel sei ihm das, wieso er gegen Post ein Komplott schmieden sollte. „Ich bin gar nicht in der Lage, den oberbayerischen Bezirk zu beeinflussen.“

Schindler: „Ganz normaler Vorgang“

Unverständnis erntet der gebürtige Neustädter Post auch beim Oberpfälzer SPD-Chef Franz Schindler: „Das ist ein ganz normaler Vorgang, den es bei Kandidatenaufstellungen immer gibt.“ Es sei bekannt gewesen, dass Roloff an einem sicheren Listenplatz Interesse hat. „Florian Post ist nicht meuchlings ermordet worden, das war eine demokratische Entscheidung.“ Gründe dafür, warum er unterlegen sei, müsse er zu Hause und bei sich selber suchen, sagt Schindler über den streitlustigen Genossen.

Im Übrigen sei Roloff kein Unbekannter: „Sebastian ist Personalleiter bei MAN, er hat in seinem beruflichen Werdegang bewiesen, dass er etwas kann, ist ein fähiger Arbeitnehmervertreter mit Wirtschaftskompetenz“, lobt Schindler den Rechtsanwalt aus dem Landkreis Cham, der in einer Kampfabstimmung Post vom angestammten Münchener Listenplatz verdrängte. Schindler glaubt nicht, dass der Intrigen-Vorwurf Grötsch bei seiner Kandidatur schadet: „Schon eher ein Nachteil für Uli ist, dass er gegen eine mögliche Doppelspitze kandidiert.“ Allerdings habe der Charme eines gemischten Doppels seit dem Duo Esken/Walter-Borjans an Strahlkraft eingebüßt.

Ziegler: „Man braucht ein dickes Fell“

Die Weidener Stadträtin Hildegard Ziegler kennt alle Betroffenen persönlich: „Florian Post war mit mir in der Grundschule, mit Sebastian Roloff war ich zusammen bei den Jusos.“ Kampfabstimmungen seien in der Politik nichts Ungewöhnliches: „Da braucht jeder ein dickes Fell.“ Roloff sei es bei seiner spontanen Gegenkandidatur wohl um ein Überraschungsmoment gegangen. „Man muss aber mit Post kein Mitleid haben“, findet die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion. „Er ist im Erststimmenwahlkampf nicht ganz chancenlos, wenn er seine Wut in Zaum hält.“ Sie rät ihm, „jetzt besser ein guter Verlierer zu sein“.

Etwas anders sei der Fall Marianne Schieder gelagert. Auch gegen die Schwandorfer SPD-Bundestagsabgeordnete trat mit Carolin Wagner eine junge Gegenkandidatin an. „Wenn man jemand angreift, der lange im Amt ist, sollte man den fairen Weg wählen“, findet Ziegler. „Man legt sich mit Leuten an, die eine beträchtliche Lebensleistung hinter sich haben.“ Die Parlamentarische Geschäftsführerin Schieder hatte sich mit Unterstützung des Bezirksvorstands durchgesetzt. Im Übrigen würde sich Ziegler mehr Interesse für sozialdemokratische Themen wünschen: „Ich stelle fest, dass immer erst innerparteilicher Streit für Aufmerksamkeit sorgt, das ist bedauerlich, weil unser gutes Wahlprogramm dadurch runterfällt.“

Dippold: „Interessiert außerhalb der Partei niemanden“

Wie man in der roten Diaspora auch als Sozialdemokrat erfolgreich sein kann, hat Sebastian Dippold, Bürgermeister von Neustadt/WN unter Beweis gestellt. Obwohl der 34-jährige Informatiker seine Kandidatur „in größter Harmonie“ eintüten konnte, hält er Gegenkandidaturen nicht gerade für einen Sündenfall: „Das interessiert außerhalb der Partei niemanden“, sagt der Basketballer, „was haben wir zu verlieren?“, setzt er mit Blick auf die lange Durststrecke der Bayern-SPD hinzu. Seine Botschaft an den ehemaligen Genossen Post aus Leuchtenberg: „Er sollte den Fehler bei sich selber suchen.“

Bei der Wahl zum bayerischen Obergenossen stellt sich Dippold klar hinter Uli Grötsch: „Uli ist ein liebenswertes, hochintelligentes Arbeitstier, das immer da ist, wenn es irgendwo ein Problem gibt oder ein Werk zugesperrt wird.“ Die Konzentration auf soziale Gerechtigkeit als den Markenkern der SPD hält er für richtig. „Ich traue ihm noch viel zu“, würde er sich über einen Vorsitzender aus der nördlichen Oberpfalz freuen. Wie es mit den Roten wieder aufwärts gehen soll? „Es geht um Glaubwürdigkeit“, das sei in einer Groko schwierig, auch wenn man noch so viele soziale Wohltaten durchsetze.

Lindner: „Uli kann man immer anrufen“

Auch Robert Lindner, SPD-Bürgermeister in Floß, weiß, wie man Wahlen mit Bescheidenheit und Volksnähe gewinnt. Schon deswegen ist der Medizincontroller überzeugter Unterstützer von Uli Grötsch: „Uli kann man immer anrufen, etwa wenn im Lockdown eine Brauerei-Gaststätte nicht weiß, wie’s weitergehen soll.“ Auch sein Gegenkandidat Florian Brunn habe sich schon mal in Floß blicken lassen: „Wir haben uns von ihm Tipps für die Sanierung erwartet.“ Gehört habe man danach nie wieder etwas.

Auch der Amberger SPD-Stadtrat Florian Fuchs bricht in puncto SPD-Vorsitz in Bayern eine Lanze für Uli Grötsch: „Er ist ein Mann der Basis, geerdet und verwurzelt.“ Sein großer Vorteil: „Er ist Polizist, ein Mann aus der Mitte der Gesellschaft, im ländlichen Raum verwurzelt.“ Damit sei er das Gegenteil der oft einseitigen Ausrichtung an „pseudointellektuellen großstädtischen Milieus alias Kevin Kühnert“. Solche Karriere-Genossen würden normale Bürger am Land nicht mehr erreichen.

Murphy: „Der Uli, ganz klar“

Ähnliche Töne auch vom Flossenbürger SPD-Gemeinderat Peter „Murphy“ Gruber: „Der Uli, ganz klar“, sagt der Gastwirt auf die Frage, wen er sich als neuen Chef wünschen würde. „Da weiß ich, was ich hab, wir waren schon gemeinsam bei den Jusos, er lässt sich nicht verbiegen, kommt wie ich aus kleinen Verhältnissen.“

Nur Daniel Reichenberger, 27-jähriger Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ursensollen ist noch unsicher, wen er bevorzugen würde: „Uli steht mir nah“, sagt der 27-jährige Gymnasiallehrer in Augsburg, „schon mit seinem Kampf gegen Rechts.“ Aber auch das gemischte Doppel habe sich gut präsentiert: „Die sind mehr auf Linie der Bundespartei, mit einem grünen Anstrich, was in Anbetracht der Klimathematik gut in die Zeit passt.“

Florian Post unterstellt Uli Grötsch eine Intrige

München
Info:

Keine Unterstützung der Bayern-Jusos

  • Bei seiner Kandidatur für den Vorsitz der bayerischen SPD kann der Oberpfälzer Bundestagsabgeordnete und bayerische SPD-Generalsekretär Uli Grötsch aus Waidhaus (Kreis Neustadt/WN) nicht auf die Unterstützung der Parteijugend hoffen.
  • Die bayerischen Jusos unterstützen bei der Wahl der neuen Landesspitze am 24. April seine Konkurrenten Ronja Endres und Florian von Brunn.
  • Grötsch will im Falle einer Wahl die aus Bischofsgrün im Fichtelgebirge stammende Ramona Greiner zur Generalsekretärin machen.

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