29.07.2020 - 19:11 Uhr
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US-Abzug: Reaktion zwischen Schock und trotzigem Optimismus

Bürgermeister strahlen Zuversicht aus, Gewerkschafter kündigen einen harten Kampf um Arbeitsplätze an - und alle üben heftige Kritik am US-Präsidenten.

Die USA wollen mehr als 15.000 Soldaten aus Deutschland abziehen.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Nach den Erklärungen von US-Verteidigungsminister Mark Esper und der deutschen Kollegin Annegret Kramp-Karrenbauer zum Abzug von mehr als 15.000 Soldaten aus Deutschland melden sich Politiker, Gewerkschafter und andere Beteiligte zu Wort. Die Reaktionen schwanken zwischen Entsetzen und trotziger "Jetzt-erst-Recht-Mentalität". Ein Überblick:

"Damit wären wirtschaftliche Folgen verbunden. Es sind aber auch viele Freundschaften entstanden, gute Beziehungen, um die es sehr schade wäre."

Hans-Martin Schertl, Bürgermeister von Vilseck.

"Man muss auch das Positive sehen: Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist in seinem Bestand nicht gefährdet. Die Zahl der Übungen dürfte in dem vorgestellten Szenario eher noch zunehmen. Das ändert aber nichts an der Tatsache: Der angekündigte Abzug der Stryker-Brigade wäre ein schwerer Schlag."

Edgar Knobloch, Bürgermeister Grafenwöhr.

"Dies belastet leider das deutsch-amerikanische Verhältnis. Dabei ist der militärische Nutzen nicht erkennbar. Wir werden allen betroffenen Standorten helfen. Vor allem die Bundeswehr ist gefragt. Wir warten jetzt ab, ob die Entscheidung auf Dauer bleibt."

Markus Söder, Ministerpräsident

"Der Abzug der US-Truppen ist eine sehr zu bedauernde, trotzdem souveräne Entscheidung der Trump-Regierung - von sicherheitspolitischer Souveränität zeugt sie nicht. Deutschland, gerade Bayern war, ist und bleibt ein verlässlicher Bündnispartner - ein Bündnis, das der Gegenseitigkeit bedarf. Vilseck und Grafenwöhr sind tragende Säulen eines funktionierenden Konzepts. Umso mehr wünsche ich mir eine weise, politische Weichenstellung für Amerika im November. "

Tobias Gotthardt, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler.

"Statt der Stärkung der Nato führt der Truppenabzug zu einer Schwächung des Bündnisses. Die Schlagkraft des US-Militärs wird nicht erhöht, sondern verringert, gerade mit Blick auf Russland und militärische Dauerkonflikte im Nahen- und Mittleren Osten."

Norbert Röttgen, CDU-Außenexperte und derzeit Bewerber um den Parteivorsitz.

"Wir stehen unter Schock und machen uns Sorgen um die Zukunft unserer Kolleginnen und Kollegen."

Wolfgang Dagner, Vorsitzender der Verdi-Fachgruppe für Standort-Stationierungsstreitkräfte.

"Man darf nicht nur Vorteile für uns Deutsche sehen. Die Amerikaner profitieren mindestens ebenso sehr von der Stationierung."

Hans-Martin Schertl, Bürgermeister Vilseck.

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"Wir fordern die sofortige Einrichtung eines Runden Tisches unter Teilnahme der Bayerischen Staatskanzlei, der Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Region, der Bürgermeister aus den Truppenübungsplatzrandgemeinden, der betroffenen Betriebsvertretungen und der Gewerkschaft Verdi."

Alexander Gröbner, Verdi-Bezirksgeschäftsführer Oberpfalz.

"Die Beschäftigten stehen bereit, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen."

Wolfgang Dagner, Verdi.

"Trump will Deutschland abstrafen, trifft aber Sicherheitspolitisch das westliche Bündnis und sich selbst."

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Außenexpertin.

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