29.07.2020 - 19:40 Uhr
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US-Abzugspläne: Pentagon halbiert Zahl der US-Soldaten in der Oberpfalz

Ein Alptraum für Politiker, Arbeitnehmer und Geschäftsleute in der Oberpfalz droht wahr zu werden. Die Abzugspläne der US-Armee treffen die Region besonders. Für einen Standort könnte es eng werden. Der Bürgermeister gibt sich kämpferisch.

Die Stryker-Radpanzer haben der Vilsecker Einheit ihren Namen gegeben. Gut möglich, dass die Einheit die Oberpfalz nun wieder verlässt.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Abzug von 11.900 amerikanischen Soldaten aus Deutschland bedeutet für die US-Standorte in der Oberpfalz einen drastischen Aderlass. So wird das 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck (Kreis Amberg Sulzbach) mit rund 4500 Männern und Frauen zurück in die Vereinigten Staaten verlegt werden. Das kündigte US-Verteidigungsminister Mark T. Esper zusammen mit dem Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Mittwoch in Washington an.

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Zudem erwarten beide, dass zwei Bataillone nach Italien verlegt werden. Das zielt auf die zwei in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) stationierten Verbände der 173. US-Luftlandebrigade aus dem italienischen Vicenza. Dort ist das Hauptquartier. Durch den Abzug soll die Zahl der US-Soldaten in Deutschland von insgesamt knapp 36 000 auf knapp 24 000 sinken. Einige Verlegungen könnten in wenigen Wochen beginnen, sagte Esper. Andere bräuchten deutlich mehr Zeit.

Reaktionen zum US-Abzug

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US-Standort Vilseck droht Aus

In der Oberpfalz wird die Entscheidung mit Betroffenheit aufgenommen. Zumal dem US-Standort Vilseck wegen des Abzugs das Aus drohen könnte. Besorgt, aber nicht hoffnungslos, reagiert Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl: „Wenn es so käme, wäre es natürlich sehr problematisch.“ Insgesamt sind in der Oberpfalz knapp 13 000 US-Soldaten stationiert. Sollte der Abzug so umgesetzt werden wie angekündigt, dürften zwischen 5000 und 6000 Soldaten bleiben.

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Schertl warnt, nur die Abhängigkeit der Deutschen zu sehen. „Die Amerikaner profitieren mindestens so sehr von der Stationierung.“ Er nennt die Nähe zum Nahen Osten. Auch deshalb geht Schertls Blick Richtung 3. November. Dann wählen die Amerikaner ihren Präsidenten. Gibt es einen Wechsel, sei die Chance hoch, dass die Abzugspläne vom Tisch sind, hofft Schertl.

„Wir bedauern die Entscheidung der US-Regierung sehr“, sagte Ministerpräsident Markus Söder zu Oberpfalz-Medien. „Dies belastet leider das deutsch-amerikanische Verhältnis.“ Aus Söders Sicht schwächt der Schritt auf Dauer die Nato und die USA. „Gleichzeitig trifft die Entscheidung die Standortkommunen hart. Wir werden allen betroffenen Standorten helfen“, sicherte der Ministerpräsident zu.

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Von einer „verteidigungs- und sicherheitspolitischen Fehlentscheidung“ sprach der Weidener Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht (CSU). Er hofft, dass die geplanten Maßnahmen nicht realisiert werden. Zugleich betonte er, es gelte, sich jetzt um die betroffenen Kommunen und die deutschen Beschäftigten der US-Armee zu kümmern.

Aderlass in Stuttgart

Der US-Abzug trifft neben der Oberpfalz auch den Raum Stuttgart. Von dort wird das Oberkommando der US-Streitkräfte in Europa und die Spezialkräfte abgezogen und nach Belgien verlegt. Offen ist, ob das Afrika-Kommando bleibt. Polen profitiert von den US-Verlegungen nicht. Die USA verhandeln mit Polen seit Jahren vergeblich über ein Stationierungsabkommen.

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