29.07.2020 - 19:40 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Kommentar zum US-Abzug: Der Anfang vom Ende einer jahrzehntealten Partnerschaft

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US-Präsident Donald Trump hat schon vor seinem Amtsantritt Deutschland ins Visier genommen. Jetzt bestraft er Berlin. Doch auch ohne ihn wird sich die Partnerschaft ändern, kommentiert Alexander Pausch.

Beim Besuch von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Pentagon in September 2019 schien kein Blatt zwischen sie und US-Verteidigungsminister Mark T. Esper zu passen. Jetzt verkündete Esper den Abzug von 12000 US-Soldaten,
von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Der Abzug der US-Soldaten aus Deutschland, aus der Oberpfalz ist noch nicht das Ende der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Aber er verändert das Miteinander nachhaltig. Der Schritt erzwingt, dass sich Europäer, Deutsche und Oberpfälzer ehrlich nach den belastbaren Gemeinsamkeiten mit den USA fragen. Dabei geht es nicht darum, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Soldaten aus Deutschland nach Hause holen oder einen Teil ihrer Truppen in andere europäische Länder verlegen. Das kann und soll jeder souveräne Staat halten wie er will. Das hält Deutschland mit der Bundeswehr auch nicht anders.

Entscheidend ist das wie: Weder US-Verteidigungsminister Mark T. Esper, noch dem Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Walters, ist es bei der Pressekonferenz in Washington gelungen, darüber hinwegzutäuschen, dass es kein strategisches Kalkül hinter dem Abzug gibt. Das einzige Ziel dieser Aktion ist es, Deutschland zu bestrafen. Es geht darum, die Launen eines Präsidenten zu erfüllen.

Die Abzugspläne

Vilseck

Das Motiv der Stärkung der Abschreckung gegenüber Russland an der Ostflanke der Nato ist vorgeschoben. Als Nato-Oberbefehlshaber sollte General Wolters wissen, dass es nicht genug Bahnwaggons gibt, um im Krisenfall die Bundeswehr-Verstärkungen und gleichzeitig die US-Verstärkungen aus den Häfen und Depots in Westeuropa zeitnah nach Osteuropa zu verlegen. Die Stärke des 2. US-Kavallerieregiments in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) ist, dass die Radpanzer vom Typ "Stryker" selbst fahren können. Das beweisen sie seit Jahren. Doch sie sollen zurück in die USA.

Für die Oberpfalz bedeutet der US-Abzug beinahe einen Kahlschlag. Die Stryker-Brigade aus Vilseck geht, die Fallschirmjäger aus Grafenwöhr sollen abziehen. Was bleibt sind die Belastungen durch Flug-, Schieß- und Manöverlärm auf den Truppenübungsplätzen Hohenfels und Grafenwöhr - ohne dass die Anwohner die Vorteile durch die Nachbarschaft der US-Soldaten und deren Familien haben. Und es bleibt die Frage, ob sich der deutsche finanzielle Beitrag zu den US-Investitionen gelohnt hat, wenn künftig US-Einrichtungen leerstehen werden. Die Bundeswehr hat sicher keinen Bedarf an so großen Kasernenanlagen.

Niemand sollte sich Illusionen machen: Die USA sehen sich in einem "Wettstreit der Großmächte". Ihr Widersacher ist China. Russland ist da nur eine Randerscheinung. Diese Sicht teilen Republikaner und Demokraten. Im Wettstreit mit China wollen die USA Handlungsfreiheit. Der Wille, sich abzustimmen und zu binden, um sich so Loyalitäten zu sichern, schwindet zunehmend.

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