28.07.2020 - 18:19 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Douglas Macgregor: Ein Kenner der Oberpfalz als neuer US-Botschafter

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Donald Trump weiß seine Karten auszuspielen. Während alle auf die Abzugspläne aus Washington warten, nominiert der US-Präsident einen Deutschlandkenner als Botschafter. Dieser nahm schon als Offizier kein Blatt vor den Mund.

In Laufe seiner Karriere beim US-Militär diente Douglas Macgregror auch in der Oberpfalz beim 2. US-Kavallerieregiment. Beim den Verband, der derzeit in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) stationiert, ist gab es vergangene Woche einen Kommandowechsel. Brigadegeneral Christopher Norrie (Mitte) übertrug Col. Joseph Ewers (rechts) das Kommando. Ewers löst Oberst Thomas Hough ab.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Es ist heiß in diesen Tagen in Washington. Mit knapp 39 Grad Celsius deutlich wärmer als auf dem US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN). Hier übte vor 30 Jahren die 2. Schwadron des 2. US-Kavallerieregiments und mit ihr Douglas A. Macgregor, damals im Rang eines Majors. Die Übung bereitet ihn auf jene Panzerschlacht in der Wüste vor, die seinen militärischen Ruhm begründen sollte.

Der hochdekorierte, inzwischen pensionierte Oberst des US-Heeres soll neuer Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin werden. US-Präsident Donald Trump nominierte Macgregror in der Nacht zum Dienstag als Nachfolger von Richard Grenell, der nach zwei Jahren in der deutschen Hauptstadt Anfang Juni zurückgetreten war. Macgregror muss noch vom Senat bestätigt werden. Ob das bis zur Präsidentschaftswahl am 3. November erfolgt, ist offen.

Grenell war in Berlin regelmäßig angeeckt, so dass er zunehmend gemieden wurden. Etliche vermuten ihn als treibende Kraft hinter den Abzugsplänen, da er Deutschland regelmäßig wegen zu niedrigen Verteidigungsausgaben attackiert hatte. Diese führt auch Trump als Begründung für den Abzug von 9500 der rund 35 000 der in Deutschland stationierten US-Soldaten an.

In den vergangenen Jahren hat Macgregor Deutschland mehrfach wegen mangelnder Verteidigungsanstrengungen kritisiert. Während des Nato-Gipfels im Juli 2018 sagte er etwa als Militärexperte im Interview mit dem amerikanischen TV-Sender Fox-News: "Die Deutschen fühlen sich dank uns nicht verpflichtet, sich selbst zu verteidigen. Und der Präsident hat einfach gesagt: Warum sollte der amerikanische Steuerzahler Sie verteidigen, wenn Sie nicht willens sind, sich selbst zu verteidigen?"

Macgregor spricht Deutsch

Ähnlich hatte sich auch Grenell regelmäßig geäußert. Doch anders als dieser ist Macgregor ein Deutschlandkenner. Unter anderem hat er Bücher über den Kalten Krieg und die DDR veröffentlicht. "Macgregor spricht fließend Deutsch, lebte mehrere Jahre dort und ist ein großartiger Vertreter in Deutschland", sagte der pensionierte Oberstleutnant Daniel L. Davis am Montag dem US-Magazin "Politico". Davis ist heute Forschungsstipendiat beim Think Tank " Defense Priorities Foundation" in Washington. Er kennt Macgregror seit Jahrzehnten. Von ihm stammt die Beschreibung der Übung der 2. Schwadron in Grafenwöhr und Umgebung.

Als am 2. August 1990 die Panzer des irakischen Diktators Saddam Hussein in Kuwait einfielen, diente Davis im "Eagle Troop" der 2. Schwadron. Sein Chef war H. R. McMaster, damals noch Hauptmann. Später, 20187-2018, war er Nationaler Sicherheitsberater von Trump. Macgregror war 1990 Operations Officer der 2. Schwadron des 2. US-Kavallerieregiments. Der Verband war unter anderem in Amberg, Bindlach und Weiden stationiert und sicherte die Grenze. Heute ist das Regiment in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) zu Hause, wo es US-Außenminister Mike Pompeo erst im Herbst 2019 besucht hatte.

Als seine Kameraden mit ihren Panzern nach Saudi-Arabien verlegten, war Pompeo schon in die USA versetzt worden. McMaster und Macgregor begründeten wegen ihres Erfolges in der "Battle of 73 Easting", der größten Panzerschlacht während "Desert Storm (Wüstensturm)", ihren militärischen Ruhm. Den Grundstein dafür hatten sie in der Oberpfalz gelegt. McMaster und Macgregor hätten kurzerhand das Übungsszenario angepasst, als sie vom Einmarsch in Kuwait erfahren hätten, berichtet Davis. Sie wollten, dass der Verband vorbereitet ist, falls er gerufen würde. Macgregor zeichnete sich im Militär häufiger durch unkonventionelle Ideen aus. Als er mit dem Buch "Breaking the Phalanx" Reformen einforderte, stoppte dies seine Karriere

Derzeit nicht klar ist, ob wegen des US-Abzugs dunkle Wolken über den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels aufziehen. US-Verteidigungsminister Mark T. Esper hat zuletzt am Freitag mit Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer darüber gesprochen. Im Laufe der Woche werde es "eine abgestimmte öffentlichkeitswirksame Äußerung sowohl der Amerikaner als auch unserer Stellen geben", sagte eine Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Zuvor sollen aber noch das Parlament informiert werden.

Wechsel bei der Kavallerie

Bei der US-Armee in der Oberpfalz geht derweil alles seinen gewohnten Gang. Am Freitag schloss die Stadt Pegnitz und das 1st Battalion, 6th Field Artillery Regiment aus Grafenwöhr unter dem Kommando von Oberstleutnant Angel Llompart eine Partnerschaft. Vergangene Woche wechselte auch das Kommando über das 2. US-Kavallerieregiment in Vilseck. Oberst Joseph Ewers übernahm von Oberst Thomas Hough. In den nächsten Tagen üben auf den Schießbahnen in Grafenwöhr Schützenpanzer und Artillerie des US-Heeres. Anfang August beginnt dann in Hohenfels "Saber Junction 20". An der Übung der 173. US-Luftlandebrigade nehmen rund 4000 Soldaten teil. Neben Amerikanern sind dies Soldaten aus Albanien, Georgien, Lettland, Litaune, Moldawien, Nord-Mazedonien, Rumänien und der Ukraine.

Silberhorn in Washington

Heiße Sommertag erlebt derzeit der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Silberhorn (CSU) in Washington. Und das nicht nur, weil es bei seiner Ankunft am Montag 39 Grad Celsius hatte. Der Bundestagsabgeordnete spricht diese Woche mit Beamten und Politikern im US-Repräsentantenhaus, im Senat, im Außenministerium, im Pentagon und im Weißen Haus. Die Themen: unter anderem die deutschen Verteidigungsbeiträge und Beschaffungsvorhaben sowie die Stationierung der US-Streitkräfte in Europa .

Senator zu Abzugsplänen

Grafenwöhr
US-Präsident Donald Trump hat Douglas Macgregor als Botschafter in Berlin nominiert. Das Bild zeigt den pensionierten Oberst bei seinem Vortrag “Mission Command in the 21st Century Army” am „U.S. Army Command and General Staff College“ in Fort Leavenworth in Kansas im Februar 2018.
Kommentar:

Douglas Macgregor - ein Experte mit Haltung

Ob US-Präsident Donald Trump mit seinem neuen Botschafter in Berlin glücklich werden wird? Es spricht einiges dafür, dass die Kalkulation des Mannes im Weißen Haus am Ende nicht aufgehen wird. Sicher, Douglas Macgregor hat in den vergangenen Jahren mehrfach Deutschland wegen zu niedriger Verteidigungsausgaben kritisiert, unter anderen im amerikanischen TV-Sender "Fox-News". Das kann helfen, von Trump wahrgenommen zu werden. Vehement hat der pensionierte Oberst auch die US-Armee und ihr überholtes Konzept zur Verteidigung Osteuropas kritisiert. Und: Er ist nicht der einige, der die Abschreckung mit großen Panzerverbänden hinterfragt. Das kann ein Anknüpfungspunkt für deutsche Sicherheitspolitiker sein. Entscheidend ist: Macgregor war schon im Militär einer, der überkommende Konzepte und Autoritäten infrage stellte. Letzteres dürfte ihn in Konflikt mit Trump bringen.

Alexander Pausch

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