12.01.2021 - 16:40 Uhr
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Burglengenfelder Bombenbastler vor Gericht: Anschlag auf Polizeiwache geplant

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Er wurde mit einem europaweitem Haftbefehl zurück nach Deutschland gebracht. Nun muss sich der mutmaßliche Bombenbauer von Burglengenfeld vor dem Landgericht Amberg verantworten: Offenbar plante er einen Anschlag auf eine Polizeiwache.

Die spanische Guardia Civil holte ihn am 18. März 2019 mit europaweitem Haftbefehl aus der Villa einer Freundin auf Mallorca. Nun muss sich der mutmaßliche Bombenbauer von Burglengenfeld vor dem Landgericht Amberg verantworten.
von Autor HWOProfil

Es war ein langer Ermittlungsweg vom Bombenfund am 17. Februar 2019 bis zum Prozess vor der Großen Jugendstrafkammer des Amberger Landgerichts, der nun am Donnerstag beginnt und auf mehrere Tage angesetzt ist. Der mutmaßliche Haupttäter ist unterdessen 30 Jahre alt. Neben ihm muss ein heute 21-Jähriger auf der Anklagebank Platz nehmen. Er gilt für die Behörden als Mittäter. Weil er zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war, hat die Jugendkammer den Fall zu verhandeln.

Als der Sprengsatz in einem Burglengenfelder Neubaugebiet am Hussitenweg gefunden worden war, hatte die Staatsanwaltschaft Amberg mit umfangreichen Nachforschungen begonnen. Doch dann übernahm im vergangenen Jahr die für Terrorismus in Bayern zuständige Generalstaatsanwaltschaft München das Verfahren. Genaue Auskünfte über Hintergründe gab es nie. Weder aus Amberg noch aus München.

Zünder versagt

Erst jetzt wird deutlich, was mit dem Sprengsatz eigentlich hätte bewirkt werden sollen. Er wurde nach Lage der Dinge von dem zur Tatzeit 28 Jahre alten Burglengenfelder im Keller seines Wohnanwesens gebaut und vom mutmaßlichen Komplizen, der offenbar gegen Entlohnung angeheuert worden war, am Gebäude der Burglengenfelder Polizeiinspektion deponiert. Als der Zünder versagte, trug ihn der junge Mann weg und legte die Bombe in einem Neubaugebiet ab.

Warum sollte dieser geplante Anschlag auf eine Polizeiwache stattfinden? Auch dazu scheint es jetzt, zwei Jahre später, Antworten zu geben. Der heute 30-Jährige, als Drogenkonsument bekannt, war im Januar 2019 von Uniformierten in seiner Heimatstadt kontrolliert worden und wollte blitzartig ein Tütchen mit Rauschgift verschlucken. Das verhinderten die Beamten durch körperlichen Einsatz und zogen sich dadurch den Unmut des Mannes zu.

Glasflasche mit Quecksilber

Ab dann soll sich der jetzt im Prozess als Hauptangeklagter geltende Burglengenfelder mit Plänen getragen haben, einen Sprengsatz zu bauen. Das geschah dann auch in Form einer sogenannten Rohrbombe, die eine Glasflasche mit hoch gefährlichem Quecksilber enthielt. Sie hätte nach ihrer Detonation erhebliche gesundheitliche Schäden bei in der Nähe befindlichen Menschen anrichten können, meint die Generalstaatsanwaltschaft. Doch der Zünder in Form einer Wunderkerze erlosch, als sie der mutmaßliche Mittäter am Polizeigebäude in Brand gesetzt hatte. Da trug er den Sprengsatz weg und deponierte ihn in einem Neubaugebiet. Spaziergänger fanden den zunächst ominösen Gegenstand und verständigten die Polizei.

Nach dem Fund des mit Muttern verschraubten Metallrohrs hatte sich die Fahndung der Behörden relativ rasch auf den heute 30-Jährigen konzentriert. Doch er galt zunächst als verschollen. Daraufhin erwirkte die Staatsanwaltschaft Amberg einen europaweit ausgestellten Haftbefehl. Mit einem Erfolg, der im März 2019 und damit nur wenige Wochen nach dem Burglengenfelder Bombenfund, für Schlagzeilen in ganz Deutschland sorgte.

Festnahme auf Mallorca

Das Ermittlungsersuchen war auch der spanischen Guardia Civil in Spanien bekannt geworden. Fahnder drangen daraufhin am 18. März 2019 in der Ortschaft Peguera auf der Ferieninsel Mallorca in eine Villa vor und nahmen den Oberpfälzer fest. Er hielt sich allem Anschein nach bei einer Bekannten auf und wurde wenige Wochen später nach Bayern überstellt.

Zu diesem Zeitpunkt war noch eine gegen ihn im Jahr 2018 vom Amtsgericht Schwandorf verhängte längere Freiheitsstrafe wegen Drogendelikten offen. Sie wurde vom Landgericht Amberg in einem Berufungsprozess bestätigt. Allerdings bekam der 30-Jährige in dieser Instanz die noch Möglichkeit, eine Entzugstherapie anzutreten.

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