13.08.2020 - 15:00 Uhr
Deutschland & Welt

Corona trifft Grammer: Verlust und Umsatzrückgang im ersten Halbjahr

Grammer bekommt die Coronakrise mit voller Wucht zu spüren: Im ersten Halbjahr 2020 ging der Umsatz um ganze 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Ein Grammer-Standort immerhin sendet positive Signale.

Grammer stellt unter anderem Sitze für Züge oder Großfahrzeuge her.
von Martin Bink Kontakt Profil

Die Produktionsstopps wegen der weltweiten Corona-Pandemie und der damit verbundene drastische Rückgang von ausgelieferten Bestellungen haben den Oberpfälzer Fahrzeug-Zulieferer Grammer schwer getroffen. Laut Mitteilung vom Donnerstag sank der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten 2020 um 30 Prozent auf 735,8 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 1051,5 Millionen Euro). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im ersten Halbjahr unter anderem aufgrund von Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen bei minus 53 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 50,2 Millionen Euro). Das operative Ebit reduzierte sich von 50,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf minus 45,7 Millionen Euro. Das operative Ebit wurde um Währungseffekte sowie Kosten für Infektionsschutz bereinigt."Wir haben frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um sicher durch die Covid-19-Krise zu kommen und unser Performance-Programm weiterverfolgt. Zudem stellen wir die weltweite Unternehmensorganisation derzeit schlanker und flexibler auf", wird Vorstandsvorsitzender Thorsten Seehars in der Mitteilung zitiert.

Besserung in China

Zu Jahresbeginn seien zunächst in China Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus erforderlich gewesen, bevor auch Europa und die USA vergleichbare Schritte eingeleitet hätten, teilte Grammer weiter mit. In China hatte das Unternehmen infolge staatlicher Anordnungen die Werke Ende Januar 2020 zeitweise geschlossen. Die Produktion dort wurde jedoch ab Anfang März nach und nach wieder aufgenommen. Mitte März waren aufgrund von Produktionsstopps vieler Kunden in deren europäischen und amerikanischen Standorten gleiche Schritte in den Grammer-Werken erforderlich. Dies habe zu signifikanten Nachfrageeinbrüchen in allen drei Regionen geführt. In China seien aber im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum wieder Umsatzzuwächse zu verzeichnen gewesen, so Seehars weiter.

Der Nachfragerückgang habe sich im zweiten Quartal in beiden Segmenten deutlich ausgewirkt, teilte Grammer weiter mit. Ursachen für den gesunkenen Umsatz im Segment Automotive im ersten Halbjahr seien neben den bereits zu Jahresbeginn rückläufigen globalen Fahrzeugmärkten die erheblichen Auswirkungen der Pandemie in allen für Grammer relevanten Märkten gewesen. Der Umsatz im Segment Automotive sank um 33 Prozent auf 499,1 Millionen Euro. Das operative Ebit in diesem Segment betrug minus 57,9 Millionen Euro nach 27,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Im Segment Commercial Vehicles (Nutzfahrzeuge) ging der Umsatz um 22,8 Prozent auf 256,6 Millionen Euro zurück. Die noch vergleichsweise hohe Nachfrage im ersten Quartal habe die geringeren Kundenabrufe aufgrund der weltweiten Werksschließungen im zweiten Quartal nur teilweise kompensieren können. Das operative Ebit lag bei 14,5 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 32,3 Millionen Euro).

Grammer habe frühzeitig "umfangreiche Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und zum Kostenmanagement eingeleitet. Hierzu gehörte die Einführung von Kurzarbeit, die Reduzierung von variablen Ausgaben und Investitionen sowie die strikte Fokussierung auf die Cashflow-Steuerung und die Initiierung von Finanzierungsmaßnahmen", heißt es in der Mitteilung weiter.

Ortsbesichtigung: Neuer Grammer-Zentrale in Ursensollen

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Keine Prognose für Gesamtjahr

Während die Industrieproduktion in China weitgehend zur Normalität zurückgekehrt sei, sind die anderen Regionen weiterhin von teilweise starken Einschränkungen betroffen. Deshalb will das Unternehmen auch weiterhin keine zuverlässige Prognose für das Gesamtjahr abgeben. "Grammer erwartet, dass sowohl der Umsatz als auch das operative Ergebnis deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden", heißt es lediglich.

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