09.04.2019 - 11:55 Uhr
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Fall Monika Frischholz - Einsatzkräfte graben verrotteten VW Käfer aus

Die Kriminalpolizei hat bei ihrer Suche nach den sterblichen Überresten von Monika Frischholz ein Auto ausgegraben. Eine Technische Einheit barg einen verrotteten grünen Käfer. Die Spurensicherung sicherte Gegenstände, auch Stofffetzen.

von Christine Ascherl Kontakt Profil

Gegen 15.30 Uhr tritt Polizeisprecher Florian Beck vor die Kameras. Kurz zuvor fahren zwei weiße Polizeibusse vor die Grabungsstelle, um die Sicht zu versperren. Als Grund dafür gibt Beck bekannt, dass eine Spur auf Monika Frischholz hinweisen könnte. „Es wurden Feststellungen gemacht, die mit unserem Fall in Verbindung stehen könnten.“ Mehr will er nicht sagen. Auch nicht, ob die Polizei wisse, wer der Fahrzeughalter war.

Nur soviel: Zumindest für die Ermittler ist der Fund des Autos keine Überraschung. „Wir haben damit gerechnet, dass wir das finden werden.“ Man geht davon aus, dass das Autowrack zu der Zeit eingegraben wurde, als Monika Frischholz verschwand.

Das werden im Mai 43 Jahre. Aus heutiger Sicht wäre man anders an den Fall herangegangen, hätte intensiver und mit ganz anderen Methoden gesucht. Damals gab man die Suche nach wenigen Tagen auf. Spuren aus dem Nahbereich wurden ad acta gelegt. Schuld daran war auch ein – falscher – Hinweis auf ein gelbes Auto mit westfälischem Kennzeichen, in das die Schülerin in Floß eingestiegen sein sollte. Viel zu lange ging man von einem Vermisstenfall aus. Das glaubte oder wollte auch die Mutter glauben, die dem Mädchen an Weihnachten 1976 noch Geschenke unter den Baum legte. Vor wenigen Wochen starb der letzte Blutsverwandte, der Bruder, damals 17, der sich bis zuletzt sehr eine Aufklärung der Umstände wünschte.

Spur führt nach Waldkirch

Heute ist man sich sicher: Es war Mord. Monika Frischholz, fast 13 Jahre, hatte sich am Nachmittag des 25. Mai 1976, zwei Tage vor Christi Himmelfahrt, von den Eltern verabschiedet. Das Familienleben war harmonisch. Die Schülerin traf sich gegen 15.15 Uhr mit Freundinnen. Dann muss sie die Hauptstraße entlang zum Ortsausgang in Richtung Floß spaziert sein. An der Abzweigung nach Waldkirch wurde sie zuletzt gesehen, knapp einen Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt. Monika trug eine dunkelgrüne Hose, einen gelben Pullover und einer rot-schwarz gemusterte Strickweste, dazu braune Halbschuhe aus Leder.

Der Weiler Waldkirch liegt gute sechs Kilometer von Flossenbürg entfernt. Undenkbar, dass eine Zwölfjährige die kurvige und steigungsreiche Straße zu Fuß zurückgelegt hat. Am Vormittag war Monika Frischholz schon einmal in Waldkirch, zum Bittgang mit der Schulklasse. Der Lehrer hatte mit seinen Kindern den deutlich kürzeren Wanderweg nach Waldkirch, abgehend von der KZ-Gedenkstätte, genommen. Er erinnert sich, dass die Kinder nach der Messe in der Kirche noch Pferde gestreichelt hatten. Nach einer Brotzeit im Ort ging man wieder nach Flossenbürg.

Montag, 8. April 2019, 8.30 Uhr. Die Kirche von Waldkirch ist gut zu sehen von der Wiese am Waldrand, auf die in der Früh 15 Fahrzeuge der Polizei rollen. Man kann nach Waldkirch hinunter gucken, aber nicht von Waldkirch nach oben. Die technische Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei Nürnberg kommt mit einem Unimog. Kreissägen kreischen. Es dauert keine halbe Stunde, da fallen krachend die ersten Bäume. Die Polizeibeamten reißen zwei 20 Meter hohe Fichten mitsamt Wurzeln um.

Baggerschaufel scheinbar gezielt angesetzt

Genau dahinter wird eine Grube ausgehoben. Die „Ermittlungsgruppe Froschau“ der Kripo ist unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Armin Bock vollzählig vor Ort. Man scheint sich sehr sicher zu sein, wo genau die Baggerschaufel ansetzen muss.

Es ist ein steiniges Terrain. Schubkarre um Schubkarre mit Feldsteinen wird abgetragen und auf eine Plane gekippt. Die Schutthalde auf der Plane wächst. Daneben wird die Grube immer tiefer. Nach fünf Stunden ist von den Bereitschaftspolizisten nur noch der halbe Kopf zu sehen, als schließlich um 13.30 Uhr die Runde macht: Auto gefunden! Es dauert zwei Stunden, bis der Käfer frei gelegt ist, um 16 Uhr baumelt das Wrack am Kranhaken.

Fortsetzung am Dienstag

Karlheinz Grundler, Leiter der Spurensicherung, steht im Zentrum des Grabungsortes, mit ihm Mitarbeiter der Tatortgruppe des BKA Wiesbaden. Er tütet Gegenstände ein. Mitarbeiter sieben Erdreich. Der Laderaum des „Spusi“-Busses füllt sich. Angaben werden nicht gemacht. Die Asservate kommen ins Labor.

Sollte es tatsächlich gelingen, den Mordfall nach 43 Jahren noch aufzuklären? Stellvertretender Kripochef Thomas Gallei ist vor Ort, auch Thomas Meiler, Bürgermeister von Flossenbürg und Polizist von Beruf. Am Nachmittag trifft Oberstaatsanwalt Bernhard Voit ein. Er mahnt zu Geduld. Der Fundort wird wetterfest gemacht und über Nacht bewacht. Laut Polizeisprecher Florian Beck werden die forensischen Grabungen am Dienstag fortgesetzt. „Wir wollen den Ort noch näher nach Relevantem untersuchen.“

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