30.03.2021 - 16:12 Uhr
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Untersuchung gegen US-Oberst wegen mutmaßlichem Verstoßes gegen Corona-Regeln in Grafenwöhr

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Wenn US-Truppen nach Deutschland kommen, gehen sie in Quarantäne. So soll verhindert werden, dass sie Corona verbreiten. Nun gibt es eine Untersuchung gegen den Kommandeur einer dieser Brigaden wegen mutmaßlicher Corona-Verstöße.

US-Soldaten werden im Zuge der Quarantäne in Grafenwöhr auf regelmäßig Corona untersucht. So wie hier im Sommer 2020.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Nach einem Jahr Corona-Pandemie ist es schon Routine bei den US-Streitkräften. Wenn neue Truppen aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland kommen, gehen diese in Quarantäne und werden getestet. So soll verhindert werden, dass die Soldaten das Coronavirus verbreiten. So war es auch, als Ende vergangenen Jahres die 1. Panzerbrigade (1st Armored Brigade Combat Team) der 1. US-Kavalleriedivision aus Ford Hood nach Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) kam. Dabei muss aber einiges im Verband schief gegangen sein. Denn gegen den Kommandeur der Brigade läuft jetzt eine Untersuchung, wegen möglicher Verstöße des Panzerverbandes gegen die Corona-Regeln und wegen seines Führungsstils.

Ende 2020 und Anfang 2021 war eine Reihe von Soldaten des Verbandes im Camp Aachen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) Corona-positiv getestet worden. Die amerikanische Militärzeitschrift "Stars and Stripes" berichtet von knapp 300 Soldaten, die im Dezember positiv getestet worden seien. Zahlen nennt oder bestätigt weder das 7. US-Armee Trainingskommando in Grafenwöhr noch die für die Brigade verantwortliche 1. US-Kavalleriedivision in Fort Hood in Texas. Das entspricht den Vorgaben aus dem Pentagon. Die Zahlen von Infizierten könnten Rückschlüsse auf die Einsatzbereitschaft ermöglichen und das ist aus Sicht des US-Verteidigungsministeriums sicherheitsrelevant.

Anstieg von Covid-19-Fällen Ende Dezember im Camp Aachen

Oberstleutnant Christopher R. Brautigam, Pressesprecher der 1. US-Kavalleriedivison, spricht auf Anfrage von "einem Anstieg von Covid-19-Fällen im Verband Ende Dezember und im Januar". Die Fälle seien "schnell identifiziert, isoliert und die Kontakte verfolgt sowie die Situation erfolgreich eingedämmt worden". Auch der Sprecher des US-Trainingskommando in Grafenwöhr, Oberstleutnant Michael J. Weisman, verweist auf Anfrage darauf, dass der Verband isoliert worden sei.

Die 1. Panzerbrigade ist für neun Monate in Europa. Der Panzerverband aus Texas ist Teil der Operation "Atlantic Resolve" mit der die USA die Abschreckungsfähigkeit der Nato erhöhen wollen. Ende November hatten die Texaner die 2. Panzerbrigade der 3. US-Infanteriedivision aus Fort Stewart in Georgia abgelöst, die zuvor für neun Monate in Europa gewesen ist. Das militärische Zeremoniell fand in Grafenwöhr statt.

Die Artillerie der 1. Panzerbrigade übt auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr

Teilnahme an "Combined Resolve XV" in Hohenfels

"Als Rotationeinheit, die auf dem Truppenübungsplatz stationiert war, war sie vom Rest der Einrichtung isoliert", sagt Oberstleutnant Weisman. Daher habe es keine Auswirkungen auf die Militärgemeinde in den Tower Barracks in Grafenwöhr noch in den Rose Barracks in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) gegeben. Zudem habe der Verband keine Möglichkeit gehabt, die Einrichtung zu verlassen. Trotz der Corona-Fälle hat die 1. Panzerbrigade von Anfang Februar bis Anfang März an der Übung "Combined Resolve XV" im Joint Multinational Readiness Center (JMRC) auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels (Kreis Neumarkt) teilgenommen. "Wie wir es seit einem Jahr bei jeder Übung im JMRC gemacht haben, wurden alle übenden Einheiten vor und während der Übung zu 100 Prozent getestet, und es wurden Bewegungseinschränkungen verordnet", sagt Oberstleutnant Weisman.

An "Combined Resolve XV" nahm die Brigade bereits ohne ihren bisherigen Kommandeur teil. Der Verband wird von einem amtierenden Kommandeur geführt. Der Oberst kehrte im Februar zur medizinischen Behandlung in die USA zurück. Soldaten der Brigade werfen ihm laut "Stars und Stripes" unter anderem vor, gegen Quarantäne-Regeln verstoßen zu haben. Zudem ist von einem vergifteten Führungsstil die Rede. Wegen beiden Vorwürfen läuft die Untersuchung. Verantwortlich für diese ist die 1. US-Kavalleriedivision. Der Oberst ist aber nicht seines Kommandos enthoben, betont Oberstleutnant Brautigam. Ob er nach Europa zurückkehrt ist offen, das hängt unter anderem von einer erfolgreichen medizinischen Behandlung ab. Die Bataillone der 1. Panzerbrigade haben die Oberpfalz verlassen. Sie üben inzwischen unter anderem in Polen, Rumänien und Griechenland.

Vorwürfe wegen Führungsstil in Fort Hood in Texas

Es ist nicht das erste Mal, dass es Vorwürfe wegen eines vergifteten Führungsklimas in einem Verband aus Fort Hood in Texas gibt. Anfang Dezember 2020 sprach der damalige Heeresminister Ryan D. McCarthy von eine Führungsklima "sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe" zugelassen hat. Damals legte er einen Untersuchungsbericht vor und mehr als ein Dutzend Führungskräfte waren entlassen oder suspendiert worden.

Die 1. Panzerbrigade aus Fort Hood übernimmt

Grafenwöhr
Hintergrund:

Corona-Fälle in den Streitkräften

  • Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte der Fall des US-Flugzeugträgers "Theodore Roosevelt" weltweit Schlagzeilen gemacht. Von knapp 5000 Besatzungsmitgliedern hatten sich Hunderte infiziert. Schließlich musst der Träger die Insel Guam im Pazifik anlaufen und war nicht mehr einsatzbereit.
  • Anfang März 2020 gingen eine Reihe von hochrangigen Generälen in Europa vorsorglich Quarantäne. Sie waren bei einer Tagung dem italienischen Heereschef begegnet, der schon infiziert gewesen war. Sowohl der Oberkommandierende des US-Heeres in Europa, General Christopher G. Cavoli, als auch der Chef des deutschen Heeres Generalleutnant Alfons Mais, zogen sich zur Quarantäne ins Homeoffice zurück.

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