02.07.2018 - 10:30 Uhr
VilseckDeutschland & Welt

USA prüfen Truppenabzug aus Deutschland

Seit mehr als 70 Jahren gehören die amerikanischen Soldaten zur Oberpfalz. Nun lässt ein US-Präsident den Abzug der US-Truppen aus Deutschland prüfen.

US-Kampfpanzer vom Typ Abrams.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Grafenwöhr/Washington. (paa) Das US-Verteidigungsministerium prüft auf Wunsch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump einen Abzug der US-Truppen aus Deutschland. Die amerikanische Tageszeitung "Washington Post" berichtet, dieser hätte gegenüber Militärberatern und Mitarbeitern des Weißen Hauses den Wunsch geäußert, die Truppen zu verlegen. Ein Abzug von US-Verbänden träfe vor allem die Oberpfalz hart. In Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN), Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) und Hohenfels (Kreis Neumarkt) sind mehr als 10 000 US-Soldaten stationiert - rund ein Drittel aller amerikanischen Heeressoldaten in Europa. Insgesamt leben mehr als 30 000 US-Bürger in der Oberpfalz. Jedes Jahr fließen mehr als 600 Milionen Euro in die Region, Ausgaben der US-Streitkräfte und der Soldaten und deren Angehörigen.

Noch ist die Prüfung laut "Washington Post" nur ein interner Vorgang auf unterer Ebene. Es würden Möglichkeiten bewertet. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Angriffe von Trump auf die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und auf Deutschland, weil es seine Verpflichtung gegenüber der Nato, zwei Prozent des Brutto-Inlandsprodukts für Verteidigung aufzuwenden, nicht erfüllt, dürften in Berlin und in München die Alarmglocken schrillen.

CH-47 Chinook setzt ein US-Geschütz ab.

Warschau wirbt um US-Panzerdivision

Zumal sich Polen seit langer Zeit aktiv als Standort für eine amerikanische Panzerdivision anpreist. Allerdings sind die von Warschau gebotenen zwei Milliarden US-Dollar nur die sprichwörtlichen "Peanuts" im Vergleich zu den tatsächlichen Stationierungskosten und zu dem, was in die Garnisionen in Deutschland investiert wurde. Ein Studie der Rand Corporation im Auftrag des Pentagon kam im Jahr 2013 zum Schluss, dass Deutschland rund 33 Prozent der US-Stationierungskosten trägt. Die Studie wurde auf Basis der Daten aus dem Jahr 2002 erstellt.

Debatten über die Notwendigkeit von Truppenstationierungen gibt es in den Vereinigten Staaten seit Ende des Kalten Krieges. Seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 waren im US-Militär aber Forderungen lauter geworden, eine weitere Heeresbrigade in Europa zu stationieren. Derzeit gibt es zwei Brigaden, das 2. US-Kavallerierregiement in Vilseck und die 173. US-Luftlandebrigade in Grafenwöhr und im italienischen Vicenza. Diese Verbände sind seit Jahren regelmäßig zu Übungen in Osteuropa, vom Baltikum über Polen, Rumänien und Bulgarien bis nach Georgien im Kaukasus.

Obama zog zwei Brigaden ab

Bis vor einigen Jahren waren es noch vier US-Heeresbrigaden in Europa. Doch Trumps Vorgänger, US-Präsident Barack Obama, hatte in den Jahren 2012 bis 2013 zwei im Zuge seiner Sparmaßnahmen aus Deutschland abgezogen, eine aus Baumholder und eine aus Grafenwöhr. Damit war letztlich ein Plan umgesetzt worden, den nochVerteidigungsminister Donald Rumsfeld entwickelt hatte. Dieser diente US-Präsident George W. Bush.

Eine amerikanische Haubitze vom Typ M109A Paladin feuert auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Die neuerliche Dabatte über die US-Stationierungen könnte angesichts des bevorstehenden Nato-Gipfels am 11. und 12. Juli in Brüssel, der Versuch sein, die aus Trumps Sicht unwilligen Deutschen unter Druck zu setzen. Zumal er erst am Freitag seine Kritik bekräftigt hat. Aber wenige Tage nach dem Nato-Gipfel reist er zum Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in die finnische Hauptstadt Helsinki. Und: Der US-Präsident hat am Freitag vor Journalisten nicht augeschlossen, dass er die Annexion der Krim durch Russland anerkennen könnte. Bereits beim G7-Gipfel in Kanada hat sich der 45. Präsident der USA als Fürsprecher Putins präsentiert - und zugleich die europäischen Verbündeten brüskiert, indem er gemachte Zusagen wenig später zurückzog. Die Frage der Stationierung von US-Truppen in Europa könnte aus Trumps Sicht eine Element eines Deals, eines Handels mit Putin sein. Das wäre sicher nicht zur Freude der Europäer sowie auf keinem Fall zur Freude der amerikanischen Verteidigungspolitiker und der US-Militärs. Diese hatte Trump mit Zusagen an den nordkoreanischen Dikator Kim Jong Un überrascht und vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wichtiges Element der Abschreckungsstrategie

Noch werben US-Militärs für die Stationierung in Europa. Der US-Oberbefehlshaber in Europa, General Curtis M. Scaparrotti, bezeichnete vor einem Jahr gegenüber dem US-Kongress die Zahl der in Europa stationierten Verbände als unzureichend, um Russland anzuschrecken. Deshalb verlegen die US-Streitkräfte alle neun Monate eine andere Panzerbrigade nach Europa. Zudem wird die Ausrüstung für weitere US-Kampfverbände in Belgien, den Niederlanden und Deutschland eingelagert. Der inzwischen pensionierte fühere Oberbefehlshaber des US-Heeres in Europa, Generalleutnant Frederick "Ben" Hodges, hat dieses Konzept mit entwickelt. Er lehnt die Stationierung weiterer Brigaden als ineffizient ab. Die für neun Monate aus den USA nach Europa verlegten Brigaden seien dauernd auf Truppenübungsplätzen und hätten deshalb eine deutlich höhere Einsatzbereitschaft, als permanent hier stationierte Verbände.

Der inzwischen pensionierte Kommandeur des US-Afrikakommandos, General Carter F. Ham, bezeichnet die dauerhafte Stationierung von US-Streitkräften in Europa als wesentliches Element für die amerikanische und Nato-Abschreckungsstragegie. Der 66 Jahre alte Vorsitzende der Vereinigung der US-Armee war zuletzt Chef der Kommission zur Zukunft der US-Armee. Diese befürwortete damals die Stationieurng in Europa. Abder das war 2016 und damals war von Obama der "Commander in Chief", der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Heute heißt dieser Trump.

Brigadegeneral Christopher LaNeve (links), Kommandeur des 7th Army Training Command, überreicht dem 2nd Armored Brigade Combat Team, 1st Infantry Division die Trophäe bei der Strong Europe Tank Challenge 2018.

 

 

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