Als ich vom Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hörte, kamen bei mir sehr gemischte Gefühle auf. Zunächst der Schock und die Bestürzung, dass so etwas passiert. Dann der Frust und Ärger, dass der Vorfall sofort wieder instrumentalisiert wird.
Und schließlich Sorge und Angst: War jemand dort, den ich kenne? An dem Abend habe ich einige Nachrichten geschrieben und schlecht geschlafen. Am Morgen hatte ich Gewissheit. Alle Familienmitglieder und Freunde aus Berlin waren entweder gar nicht da oder sind schon früh gegangen.
Erleichterung macht sich in mir breit, ich kann tief durchatmen. Aber schon folgt das nächste Gefühl: Scham. Scham darüber, dass ich froh sein kann, weil meinen Lieben nichts passiert ist, während eine Frau getötet und viele verletzt wurden.
Letztes Wochenende war auch in Amberg CSD. Die Organisatoren und Teilnehmer konnten sicher nicht umhin, sich ähnliche Gedanken zu machen. Trauer, aber auch Sorge: Was, wenn es bei uns passiert? Gefeiert, demonstriert und gemeinsam den Opfern gedacht haben sie aber trotzdem.
Der queeren Community, darunter einige meiner Freunde, kann ich sehr gut nachfühlen, wie es ihnen gerade geht. Sie müssen – neben ihren eigenen gemischten Gefühlen – auch noch mit Meinungen aus allen Richtungen umgehen. Trotzdem ändert das nicht, dass ich "einfach" weitermachen kann, weil es mich nicht getroffen hat.
Dieses Vorgehen ist, denke ich, aber auch sehr menschlich. Womit wir psychisch nicht umgehen können, vertagen wir. Bei dem Ansturm von negativen Nachrichten heutzutage wahrscheinlich auch die einzige Möglichkeit, einen geregelten Alltag zu führen.
Auch für die Zukunft denken wir uns: Es passiert ja nur den anderen, nicht mir selbst. Ich kann mir nicht ausmalen, wie ich reagieren würde, wenn ich oder meine Lieben in einen schweren Autounfall geraten, weil ich auch gar nicht darüber nachdenken will.
Menschen, die wie ich noch immer sehr verwirrende Gefühle nach dem Anschlag durchmachen, aus Empathie oder weil sie Teil der Community sind, kann ich nur sagen: Es ist okay, das ist nur menschlich.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.



















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