Ich fahre gerne Rad. Daran, zu dicht überholt zu werden oder dass meine Vorfahrt missachtet wird, bin ich als Radfahrer schon gewohnt. Beim Fahren mit dem Rennrad auf einer wenig befahrenen Landstraße werde ich auch schon mal mit gestreckten Mittelfingern oder mit einem Hupzeichen bedacht. Darüber ärgere ich mich zwar, aber auch damit kann ich mittlerweile leben.
Kürzlich kam ich allerdings in den Genuss eines doch sehr überoptimistischen Fahrmanövers. Ich fuhr mit etwa 30 km/h auf einem Gehsteig, der von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden darf. Zugegebenermaßen nicht langsam, aber auch nicht verboten. Auf der einen Seite parallel dazu eine Straße mit 30er Beschränkung. Über den Radweg führen über abgesenkte Bordsteine Einfahrten zu Geschäften. Von hinten näherte sich ein Auto, das versuchte, mich zu überholen. Als der Fahrer zwei Autolängen zwischen mich und sich gebracht hatte, legte er den Blinker ein und bog unvermittelt über den Radweg in eine Geschäftseinfahrt ein.
Ich konnte nur rechtzeitig bremsen, weil ich bereits beim ersten Blinken die Vollbremsung einleitete. Was mich in diesem Moment am meisten ärgerte, war nicht etwa, dass ich gerade fast mit 30 km/h frontal in ein Auto gekracht wäre. Leider hat mein Rad keine Hupe, mit der ich den Lenkrad-Akrobaten auf sein Fehlverhalten aufmerksam hätte machen können. Ich stand also nach meiner Vollbremsung einfach da und blickte fassungslos auf den Autofahrer. Der überquerte seelenruhig den Radweg und nahm die Einfahrt.
Ich behaupte nicht, dass ich mich an alle Verkehrsregeln halte. Was ich schon behaupte, ist, dass mir ein voll funktionsfähiges Gehirn zum Nachdenken zur Verfügung steht. Bei einigen Mitverkehrsteilnehmern würde ich nicht so weit gehen.
Und ich will hier auch gar nicht die Seite irgendeiner Fraktion einnehmen. Denn als Autofahrer habe ich gleichermaßen manchmal das Gefühl, dass einige Pedalritter die Straßenverkehrsordnung als eine persönliche Einladung zur Privatnutzung der Verkehrswege betrachten. Die Schnittmenge mit den Radfahrern, an denen vorbeigegangen zu sein scheint, dass sie nicht in einem Panzer sitzen und deswegen verletzt werden können, ist dabei übrigens erstaunlich hoch.
Es liegt mir fern, Autos aus Städten verbannen zu wollen. Ich verlange nicht, dass Radfahrer immer Vorfahrt haben sollten. Und ich fordere auch nicht, jede noch so kleinliche Verkehrsregel perfekt einzuhalten. Aber es muss doch möglich sein, aufmerksam und mit gesundem Menschenverstand unterwegs zu sein. Sowohl als Autofahrer als auch als Radfahrer.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.



















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