29.04.2021 - 19:23 Uhr
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Partycrasher Corona: Das Feiern muss in der Oberpfalz weiter warten

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Wegen Corona bleibt es das zweite Mal an einem 1. Mai ruhig - große Feiern finden nicht statt und auch das Baumaufstellen wird schwierig. Wie steht es eigentlich um die Volksfeste und Kultur-Events in der Region? Wir haben nachgefragt.

Wegen Corona bleibt es das zweite Mal an einem 1. Mai ruhig - große Feiern finden nicht statt. Die Kontaktbeschränkungen gelten auch an diesem Feiertag.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Der 1. Mai ist in Bayern nicht nur auf dem Kalenderblatt ein Feiertag. Der 1. Mai ist ein Tag voller Blasmusik, Bier und Burschen, die den Maibaum in die Höhe wuchten - also eigentlich, wenn nicht gerade Pandemie ist. Die aktuelle Zeit wird aber nicht von Festen dominiert, sondern von bürokratischen Formulierungen wie dieser: "Der rein technische Vorgang des Aufstellens eines Maibaums fällt nicht unter das Veranstaltungsverbot im Sinne von § 5 der 12. BayIfSMV." Das ist ein Teil der Antwort eines Sprechers des bayerischen Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien.

Grundsätzlich ist das Aufstellen eines Maibaums aktuell also nicht verboten, aber es darf quasi keiner mit anpacken. In Oberviechtach hat deshalb bereits am Donnerstag ein Autokran den Baum schnell und sicher in die Verankerung gehoben. Seit nun schon zweieinhalb Jahren vermissen die Bürger ihren Maibaum in Oberviechtach. Die Stadt und die Bundeswehr wollten deshalb trotz Corona-Pandemie zusammen ein Zeichen setzen und organisierten das kreative Projekt. Ohne die Hilfe eines Krans bleibt das Maibaumaufstellen in der Pandemie aber weiter schwierig.

Kontaktbeschränkungen gelten auch hier

Denn laut Ministeriumssprecher würden natürlich die Kontaktbeschränkungen auch am 1. Mai gelten. Heißt: In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen eine 7-Tage-Inzidenz von 100 überschritten wird, darf sich ein Angehöriger eines Hausstands mit einer weiteren Person treffen. In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die 7-Tage-Inzidenz zwischen 35 und 100 liegt, dürfen sich immerhin ein Angehöriger des eigenen Hausstands mit Angehörigen eines weiteren Hausstands treffen, solange dabei eine Gesamtzahl von insgesamt fünf Personen nicht überschritten wird. Zu fünft einen Maibaum aufstellen? Das wird knapp.

Rein theoretisch würde die Kontaktbeschränkung für Ehrenamtliche - wie zum Beispiel Feuerwehren - nicht gelten, aber: "Dies gilt jedoch nur soweit und solange das Zusammenwirken der beteiligten Personen zwingend erforderlich ist", erklärt der Ministeriumssprecher. Nach 2020 bleibt es nun also auch am 1. Mai 2021 ruhig.

"Alles ist unsicher. Es wird, wenn überhaupt, nur ins Blaue geplant."

Säm Wagner, Popmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz

Säm Wagner, Popmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man auf die weiteren großen Feste in der Region und auf die Kulturszene blickt. "Alles ist unsicher. Es wird, wenn überhaupt, nur ins Blaue geplant", fasst Säm Wagner die aktuelle Lage zusammen. Der gebürtige Pressather ist Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz und hat vor allem die Konzerte im Blick. "Immerhin, es gibt gerade eine kleine Aufbruchstimmung", sagt er. Vor einem Monat hätte noch niemand an Festivals gedacht. "Die große Hoffnung ist, dass an der frischen Luft etwas stattfinden kann. Viele Organisatoren werden kreativ."

"Tonart light" als Hoffnungsschimmer

Ein Beispiel für einen Versuch, bald wieder kulturelles Leben stattfinden zu lassen, findet man in Nabburg. Dort gab die Stadt das offizielle "Okay" für ein "Tonart light". Eigentlich ist "Tonart" eine große Musik-Veranstaltung, welche die gesamte Altstadt füllt - viele Bühnen, viele Menschen, viele Stände, die für Verköstigung sorgen. In diesem Jahr soll das Event aber coronakonform ablaufen. Stattfinden soll das Festival 2021 auf zwei Bühnen, im Spital- und im Schlosshof - denn hier gibt es kontrollierbare Zugänge. Vom 16. bis 18. Juli 2021 finden an drei Abenden im Spital- und Schlosshof jeweils zwei Konzerte statt - so der Plan. "Ob die Zahlen das im Juli auch wirklich zulassen, müssen wir aber sehen", sagt Martina Hölzl vom Nabburger Ordnungsamt.

Derzeit gäbe es in der ganzen Oberpfalz noch viele weitere Planungen im Bereich Musik und Unterhaltung, sagt Säm Wagner. "Vor allem Strandkorbkonzerte und Autokinos stehen hoch im Kurs." Die Veranstalter würden zwar wie schon beschrieben ins Blaue planen, aber sich klugerweise auch absichern. So bekämen Kunden oft Gutscheine, die für eine längere Zeit gelten. "Mit den Gutscheinen wächst die Planungssicherheit für die Veranstalter, denn sie müssen ja unter anderem die Bands und Bühnenbauer bezahlen", erklärt Wagner.

Autokino in Kemnath geht in die zweite Runde

Kemnath

Planungssicherheit bräuchten jetzt eigentlich auch die Veranstalter der klassischen Volks- und Altstadtfeste oder der beliebten kulturellen Dauerbrenner wie dem Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Grafenwöhr. Eigentlich soll es am ersten August-Wochenende 2021 stattfinden. "Es ist noch nichts entschieden - aber die Tendenz geht schon eher in Richtung Absage. Wir müssen ja auch viele Sachen aus Amerika bestellen, da gibt es dann auch eine Deadline und die ist bald da", sagt Andreas Kreuzer, der für die Öffentlichkeitsarbeit der US Army tätig ist.

Volksfeste mit Planungsschwierigkeiten

Unsicher ist im Moment immer noch, ob das Volksfest in Weiden stattfindet. "Aufgrund der derzeitigen pandemischen Lage und der aktuellen Rechtslage und deren nicht absehbarer Entwicklung ist bezüglich des Volksfestes noch keinerlei Entscheidung getroffen worden. Bis wann diese fällt, ist noch nicht absehbar", erklärt ein Sprecher der Stadt Weiden.

Das Fragezeichen, das hinter dem für Mitte Juni geplanten Amberger Altstadtfest stand, ist verschwunden - im negativen Sinn. Die Amberger Congress Marketing, bei der alle organisatorischen Fäden zusammenlaufen, hat die beliebte Freiluft-Veranstaltung abgesagt. In einer Pressemitteilung heißt es dazu: "Das Infektionsgeschehen lässt uns leider keine andere Wahl." Zwar gebe es Überlegungen für ein Alternativprogramm, doch die bisherigen Gespräche seien ergebnislos verlaufen, wie die städtische Pressesprecherin Susanne Schwab auf Nachfrage bestätigt: "Solange Außengastronomie nicht möglich ist, ist es schwierig, eine Veranstaltung in dieser Größenordnung zu planen."

"Im Moment sind die Inzidenzwerte einfach noch viel zu hoch und es ist wirklich noch nicht viel möglich", fasst Säm Wagner zusammen. Und auch der Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums betont in seiner Antwort mit Blick auf das kommende Wochenende: "Maibaumfeste können daher nicht stattfinden. Sollte es verbotswidrig zur Ansammlung von Schaulustigen aus einem solchen Anlass kommen, wären diese gegebenenfalls durch die Polizei aufzulösen." Auch in Oberviechtach wurde am Donnerstag nach dem Aufstellen nicht mehr gefeiert, aber die Bürger dürfen sich nach zweieinhalb Jahren Abstinenz wenigstens wieder über einen Maibaum freuen. Der letzte musste nämlich vorzeitig einer Baustelle weichen.

Maske auf, Augen zu und durch!

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