06.06.2019 - 14:58 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Zahl der Amphibien in der Oberpfalz ist alarmierend gering

Die Auswertung der diesjährigen Amphibienzählungen geben Anlass zur Sorge. Die Zahl der Amphibien reduzierte sich unter anderem wegen des sich verändernden Klimas und des Insektensterbens teilweise auf die Hälfte.

Die Zahl der Erdkröten in der nördlichen Oberpfalz ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

In ganz Bayern fanden die Naturschützer in diesem Frühjahr 40 bis 60 Prozent weniger Amphibien an den Fangzäunen vor wie bisher. Schon seit Jahren ist dieser Trend zu erkennen. Die Population geht stetig nach unten - bis sogar bestimmte Arten, wie einige Molche, gar nicht mehr vorkommen.

Den bayernweiten Trend bestätigt auch die Nachfrage in den Landkreisen der nördlichen Oberpfalz. Die Amphibien-Anzahl im Kreis Neustadt/WN ist im Vergleich zu den Vorjahren stark schwankend. Die Untere Naturschutzbehörde betreut nur noch einen Fangzaun, den an der Gemeindeverbindungsstraße Flossenbürg-Gaisweiher. Der Zaun ist 250 Meter lang. In diesem Jahr wurden dort 258 Erdkröten gezählt. Im Vorjahr waren es 312. Allerdings ist auch anzumerken, dass 2016 ebenfalls nur 283 Erdkröten registriert wurden, bevor es 2017 mit 446 einen Ausreißer nach oben gab.

116 auf 44 in vier Jahren

Die Grasfrösche kommen ohnehin weniger häufig vor. Doch auch bei ihnen ist eine deutliche Abnahme der Zahl zu erkennen: 2016 wurden 116 gezählt, im Jahr darauf fast die Hälfte weniger (59). 2018 erholte sich der Bestand leicht und lag bei 71. Heuer gab es erneut einen Einbruch auf 44 Exemplare. Die Statistik der Springfrösche ist kurz und knapp: Ein einziger war in den vergangenen vier Jahren im Sammeleimer. Das war 2017. Molche gab es dieses Jahr 14, im Jahr davor 25. Auch hier lässt sich eine Parallele zum Frühjahr 2016 erkennen, da waren es nur 16, bevor sich 2017 die Anzahl mehr als verdoppelte (34).

Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Landkreisen der Region, zum Beispiel in Amberg-Sulzbach. Horst Schwemmer, Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN), kann einen Negativ-Trend erkennen: "Seit etwa vier bis fünf Jahren geht die Amphibienpopulation im Kreis Amberg-Sulzbach durchschnittlich nach unten." Diese Tendenz sei bitter. Schwemmer und sein Team betreuen rund neun Amphibienzäune. Beispielsweise im Lauterachtal bei Kastl wurden im Vergleich zum Vorjahr 30 Prozent weniger Tiere gesammelt. Der Kammmolch sei fast nicht mehr zu finden.

In Amberg nur 30 Prozent

"In Amberg ist es ganz dramatisch", führte Schwemmer weiter aus. Nur noch 30 bis 40 Prozent der Amphibien wurden im Vergleich zum Vorjahr am Wagrain-Fangzaun zwischen Ammersricht und dem Mariahilfberg gesichtet. Auch die Amphibien im Gebiet der Wagensaß in Sulzbach-Rosenberg sind weniger geworden. Allerdings findet hier eine Umsiedlung durch den BN statt. Beim Amphibienzaun Griesweiher bei Friedenfels (Kreis Tirschenreuth) wurden laut Robert Mertl vom örtlichen BN mit 36 immerhin 12 Grasfrösche mehr als 2018 gefunden. 2016 waren es noch 163. Die Zahl der Erdkröten scheint sich laut Mertl einzupendeln: Im vergangenen Jahr lag sie bei 2009, heuer waren es 1801. Anders sieht das bei den Molchen aus: "Wir haben im Frühjahr 2019 auch eine Gemeindeverbindungsstraße bei Friedenfels überprüft. Dort hatten wir vor etwa 20 Jahren sehr viele Molche in den Eimern - heuer keinen mehr."

Ob sich die Amphibienpopulation davon wieder erholt, kann keiner der Naturschützer vorhersagen. Sie sind sich einig, dass das von den kommenden Frühjahren und Sommern abhängen werde.

Naturschützer rüsten sich für Krötenwanderung

Bayern
Ursachen für die sinkende Anzahl an Amphibien:

Die Trockenheit des vergangenen Sommers ist nur einer von mehreren Faktoren, die sich negativ auf die Amphibienpopulation auswirken. „Wir haben ein unnormales Frühjahr, aber was ist schon normal?“, sagte Horst Schwemmer, Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach. Früher sei es kühler und feuchter gewesen, wenn die Amphibien auf Wanderschaft gegangen sind. „Nachts sechs oder sieben Grad, ein bisschen Regen und das über drei bis vier Tage, das wäre ideal für die Amphibien.“ Auch das Insektensterben wirke sich negativ aus. Wenn das Futter fehlt, können Frösche, Kröten und Molche nicht überleben. Schwemmer setzt viel Hoffnung in das Gesetz zum Erhalt der Artenvielfalt und hofft, dass sich in den kommenden Jahren viel tut. „Doch so schnell erholt sich die Natur auch nicht“, gibt Schwemmer zu bedenken.

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