München
29.01.2020 - 18:53 Uhr

Opposition attackiert Piazolo, weil Lehrer in Bayern mehr arbeiten sollen

Kultusminister Piazolo hat Anfang Januar verkündet, dass Grund-, Mittel- und Förderschullehrer ab dem kommenden Schuljahr mehr arbeiten müssen. Seitdem bläst ihm Gegenwind ins Gesicht. Auch im Landtag.

Michael Piazolo (Freie Wähler), Staatsminister für Unterricht und Kultus, ist wegen seiner Pläne für Mehrarbeit an Bayerns Schulen in die Kritik geraten. Archivbild: Peter Kneffel/dpa
Michael Piazolo (Freie Wähler), Staatsminister für Unterricht und Kultus, ist wegen seiner Pläne für Mehrarbeit an Bayerns Schulen in die Kritik geraten.

Es ist eigentlich ein Wunder, dass Michael Piazolo noch keine Fusseln am Mund hat. Seit der Kultusminister Anfang Januar verkündet hat, dass Bayerns Grund-, Mittel- und Förderschullehrer - ausgenommen die in Familienteilzeit - ab dem kommenden Schuljahr mehr arbeiten müssen, steckt er in einer Dauererklärungsschleife. "Es geht darum, die Unterrichtsversorgung in Bayern sicherzustellen", sagt der Freie Wähler im Landtag, den die Debatte nun auch erreicht hat. Denn ohne seine Maßnahmen, so Piazolos Lesart, wären zum nächsten Schuljahr 1400 Lehrerstellen an den betroffenen Schularten unbesetzt.

Zur Erinnerung in Kürze: Grundschullehrer sollen ab September per "Arbeitszeitkonto" für einige Jahre eine Stunde mehr pro Woche unterrichten. Zudem wird Teilzeit aus nicht familiären Gründen an allen drei Schularten um drei Pflichtstunden aufgestockt, der vorzeitige Ruhestand erst ab 65 und damit ein Jahr später möglich. Hauptbetroffene aber - und das lässt der Minister gerne unerwähnt - sind die Grundschullehrer in Familienteilzeit, für die sich angeblich gar nichts ändert. Fallen die nämlich aus dieser Phase heraus, weil ihre Kinder erwachsen geworden sind oder der über Jahre zu Hause gepflegte Vater gestorben ist, erhöht sich deren Lehrdeputat von durchschnittlich etwa 15 mit einem Schlag auf mindestens 25 Stunden. Ähnliches gilt für die Mittel- und Förderschulen.

München07.01.2020

Mit Dringlichkeitsanträgen und scharfen Attacken auf den Minister versucht die Opposition, Piazolo zum Einlenken zu bewegen. Die Grünen schlagen vor, noch mehr arbeitslose Realschul- und Gymnasiallehrer für den Einsatz an Grund- und Mittelschulen nachzuqualifizieren und mit einer Rückkehrerprämie in früheren Jahren trotz bester Eignung abgewiesene Grundschullehrkräfte aus anderen Bundesländern und Berufen zurückzuholen. Die FDP setzt statt auf von oben verordneter Mehrarbeit auf Freiwilligkeit durch finanzielle Anreize. SPD und AfD plädieren zudem für eine Entlastung der Lehrkräfte von dem immer größer werdenden Wust an neuen Aufgaben und Vorschriften.

Der Grüne Thomas Gehring erkennt in der "Verzweiflungsmaßnahmen" Piazolos einen "Offenbarungseid in der Personalplanung". Dass vor allem Teilzeitkräfte, also fast ausschließlich Frauen, betroffen sind, ist für ihn eine fatales frauenpolitisches Signal. Matthias Fischbach (FDP) erinnert daran, dass Piazolo vor einem halben Jahr noch alle Warnungen vor einem Lehrermangel als "Panikmache" abgetan habe. "Jetzt werden Lehrkräfte, die eh schon am Zahnfleisch gehen, noch weiter ausgepresst", klagt er. Die Lehrer müssten nun alleine die Zeche für eine jahrelang verfehlte Personalpolitik zahlen, ergänzt Simone Strohmayr (SPD).

Piazolo lässt mit Rückendeckung der Regierungsfraktionen alles an sich abperlen. Alle Vorschläge der Opposition reichten nicht aus, die errechnete Lehrerlücke zu schließen. Das gelinge nur mit seinem Paket, denn Alternativen wie größere Klassen oder weniger Unterricht seien mit ihm nicht zu machen. Immerhin kündigt Piazolo an, die Lehrkräfte von Aufgaben entlasten zu wollen. Dazu werde er bald Vorschläge vorlegen. Unter anderem erwägt Piazolo, die Zahl der Pflichtproben in der für den Übertritt entscheidenden 4. Klasse zu reduzieren. Das würde als Nebeneffekt auch Druck von den Kindern nehmen.

 
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