02.02.2021 - 18:56 Uhr
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Bayern prüft Aufnahme tschechischer Covid-19-Patienten

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Schon im November hat Ministerpräsident Markus Söder dem Nachbarland Tschechien Hilfe im medizinischen Krisenfall versprochen. Der Kreis Karlsbad will jetzt das Angebot in Anspruch nehmen. Einige Oberpfälzer Kliniken sind zur Hilfe bereit.

Im Infektionszimmer für Covid-19-Patienten hält die Mitarbeiterin einer Intensivstation die Hand eines Patienten.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Aufnahme von bis zu 100 Intensivpatienten hat Ministerpräsident Markus Söder im November dem Nachbarland Tschechien versprochen. Jetzt könnte es so weit sein, dass die ersten Covid-19-Patienten nach Bayern gebracht werden. Zu Informationen unserer Redaktion, wonach inzwischen eine Voranfrage von tschechischer Seite zur Verlegung von Patienten in deutsche Krankenhäuser vorliegt, gab es zunächst keine Stellungnahme. Demnach gab es darüber erste Gespräche beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit. In Tschechien dringt vor allem der Kreis Karlsbad auf eine Verlegung. Das Regionalparlament hat am Montag einen Beschluss verabschiedet, mit dem die tschechische Regierung aufgefordert wird, die Verlegung in deutsche Krankenhäuser zu genehmigen, berichtet Radio Prag. In der Oberpfalz wäre eine Reihe von Kliniken grundsätzlich bereit, tschechische Patienten aufzunehmen.

Universitätsklinikum Regensburg zur Aufnahme bereit

"Sollten Anfragen von unseren tschechischen Nachbarn zur Übernahme von intensivpflichtigen Covid-19-Patienten kommen, wäre das Universitätsklinikum in der Lage, eine begrenzte wenn auch limitierte Anzahl von tschechischen Patienten zu übernehmen", sagte Professor Bernhard Graf, stellvertretender Ärztlicher Direktor sowie Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsklinik Regensburg (UKR). Auch die Sana-Klinik in Cham, das Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf und das Klinik St. Marien in Amberg wären bereit, tschechische Patienten aufzunehmen. Die Vorrausetzung: eine entsprechende staatliche Vereinbarung.

Auch das Klinikum Nordoberpfalz in Weiden will nicht Abseits stehen, verweist aber auf die hohe Inzidenz und die angespannte Situation in seinen Häusern. "Derzeit werden am Klinikum Weiden 59 und am Krankenhaus Tirschenreuth 39 Covid-19-Patienten stationär behandelt", teilte Sprecher Michael Reindl am Dienstag auf Anfrage mit. Eine intensivmedizinische Betreuung erhalten demnach insgesamt 18 Patienten, in Weiden 10 und in Tirschenreuth 8. Wie lebensnotwendig die gegenseitige Hilfe zwischen den Krankenhäuser ist, weiß gerade das Klinikum Nordoberpfalz. "Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden mehrfach Intensiv-Patienten in andere Kliniken mit entsprechend freien Kapazitäten verlegt, um Behandlungskapazitäten innerhalb der Häuser der Kliniken Nordoberpfalz zu schaffen", teilte die Klinik mit. Dies sei "vor allem während der ersten Welle unumgänglich" gewesen. Nur so hätten Kapazitäten für die intensivmedizinische Versorgung geschaffen und die Notfallversorgung weiterhin gewährleistet werden können. Die gute Nachricht: "In dieser Woche wurden keine Patienten in Häuser außerhalb der Kliniken Nordoberpfalz verlegt."

Sollten Anfragen von unseren tschechischen Nachbarn zur Übernahme von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten kommen, wäre das UKR in der Lage eine begrenzte wenn auch limitierte Anzahl von tschechischen Patienten zu übernehmen

Prof. Dr. Bernhard Graf, Stellvertretender Ärztlicher Direktor sowie Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsklinik Regensburg

Prof. Dr. Bernhard Graf, Stellvertretender Ärztlicher Direktor sowie Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsklinik Regensburg

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Versorger für ganz Ostbayern

Die Verlegungen erfolgen in der Region in Abstimmung mit dem Ärztlichen Leiter Krankenhauskoordinierung. Ein Klinikum, das häufig Covid-19-Intensiv-Patienten aufnimmt, ist das Universitätsklinikum Regensburg (UKR). "So werden mehr als 95 Prozent aller intensivpflichtigen Covid-19-Patienten durch das UKR von anderen Krankenhäusern aus der Region übernommen, wobei die Patienten in der Regel schon längere Zeit auch intensivmedizinisch in diesen Häusern versorgt worden sind", sagte Graf. Damit erfülle das Universitätsklinikum "seinen Auftrag als medizinischer Maximalversorger für die gesamte Region Ostbayern und auch darüber hinaus".

Derzeit werden 28 Covid-19-Patienten am UKR intensivmedizinisch versorgt, wovon sich nahezu die Hälfte dieser Patienten an einem Lungenersatzverfahren (ECMO) befinden. An den Sana-Kliniken des Landkreises Cham werden derzeit 29 Patienten behandelt, die positiv auf Sars-Cov-2 getestet wurden, teilte Sprecher Alexander Schlaak mit. Drei dieser Patienten werden intensivmedizinisch versorgt, einer davon beatmet. "Das Patientenaufkommen ist damit auf einem hohen Niveau." Am Klinikum in Amberg werden derzeit 14 Covid-19-Patienten behandelt, vier davon intensivmedizinisch, teilte Sprecherin Sandra Dietl mit. St. Marien musste bisher keine Corona-Patienten in andere Häuser verlegen, hat aber aus anderen Kliniken Patienten übernommen. Das gilt auch für das Krankenhaus St Barbara. Dort werden Stand Dienstagmittag 19 Corona-Patienten auf Isolierstation und vier Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt. "Von den Patienten auf Intensivstation werden je zwei invasiv beziehungsweise nicht-invasiv beatmet", teilte Sprecherin Marion Hausmann mit. Hinzu käme ein Verdachtsfall, bei dem das Testergebnis noch aussteht.

Mutationen breiten sich in der Region aus

Weiden in der Oberpfalz

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