Corona-Mutationen breiten sich aus: Verdachtsfälle auch im Bereich Amberg-Sulzbach und im Kreis Schwandorf

Seit den Alarmmeldungen aus Großbritannien blicken viele mit Spannung auf mögliche Corona-Mutationen. In der nördlichen Oberpfalz gibt es immer mehr Verdachtsfälle. Das hat Folgen für die Pandemiebekämpfung.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des "U.S. National Institute of Health" zeigt das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) (orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Nun gibt es in der ganzen nördlichen Oberpfalz Verdachtsfälle auf Corona-Mutationen. Nach der Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN am Sonntag, berichteten am Montag auch das Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach und der Kreis Schwandorf von entsprechenden Fällen. Der Landkreis Tirschenreuth hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass „aufgrund der steigenden Fallzahlen ... seit Tagen positive Befunde aus dem Landkreis stichprobenhaft auf eine Mutation untersucht“ würden.

Gibt es auch in Amberg und im Kreis Sulzbach-Rosenberg Verdachtsfälle?

„Ja, auch in unserem Zuständigkeitsbereich gibt es erste Hinweise und Verdachtsmeldungen“, teilte Dr. Roland Brey, Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach am Montag auf Anfrage mit. Er spricht von einem halben Dutzend Fällen in den vergangenen Tagen. Es handle sich um Positivbefunde mit Auffälligkeiten, die weitere Untersuchungen notwendig machen würden. Das Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach hat daher am Montag selbst Abstriche entnommen und ans Bayerische Landesamt für Gesundheit (LGL) weitergeleitet. „In den kommenden Tagen werden wir hoffentlich mehr Klarheit haben“, sagte Brey.

Das Auftreten von Mutationen bei dieser Art von Virus, „hat nicht überrascht, allerdings standen bekanntlich nur eingeschränkt Diagnostikmöglichkeiten zur Verfügung“, teilte Brey weiter mit. Durch die erst seit kurzem erfolgte Ausweitung der PCR-Untersuchungen und die Sequenzierung (Untersuchung des gesamten Virusgenoms) würden jetzt Fälle aufgedeckt, die bisher verborgen geblieben sind.

Wie sieht es im Landkreis Schwandorf aus?

Der Landkreis Schwandorf meldete am Montag, dass die Verdachtsfälle auf Corona-Mutationen, die bereits in der nördlichen Oberpfalz aufgetreten waren, den Landkreis erreicht haben. Es gehe um die Variante B.1.1.7, die erstmals im September 2020 in Großbritannien identifiziert wurde. Demnach gebe es elf Corona-Befunde aus dem Landkreis und zwei von Grenzgängern, die einen Hinweis auf eine entsprechende Mutation aufweisen würden.

Wie geht es im Landkreis Tirschenreuth weiter?

Der Landkreis Tirschenreuth nannte am Montag die Zahl von 40 Verdachtsfällen auf Corona-Mutation im Landkreis. Da immer mehr Firmen betroffen seien, würden nun mehr Reihentestungen durchgeführt. Zudem verstärken zweit Mitarbeiter des Landesgesundheitsamtes das Gesundheitsamt in Tirschenreuth. Die beiden sollen sich speziell um die Mutationsfälle kümmern.

Wie viele Fälle sind es in Weiden und im Landkreis Neustadt?

In der Stadt Weiden sind es 13 Fälle von Verdacht auf Corona-Mutationen, in Landkreis Neustadt/WN 27 Fälle. Nach Angaben des Landratsamtes richtet sich der Verdacht auf die Variante B.1.1.7., die erstmals in Großbritannien gemeldet wurde.

Welche Folgen hat die Ausbreitung der Mutanten?

Es lasse sich derzeit nicht abschätzen, welchen Anteil die Mutationen bei den Neuinfektionen haben, erklärt Dr. Brey. „Wir rechnen aber mit einer weiteren Ausbreitung, da eine höhere Ansteckungsfähigkeit nachgewiesen wurde.“ Diese habe „bereits jetzt zur Folge, dass die Zeit der Isolierung und Quarantäne bei Betroffenen verlängert werden muss bzw. eine Verkürzung nicht ohne Weiteres möglich ist“.

Die Sorge ist, dass mit der Mutation B.1.1.7 eine leichtere Übertragbarkeit einhergeht, schreibt das Landratsamt Schwandorf, „was eine stärkere Belastung des Gesundheitssystems zur Folge haben kann“. „Aus ärztlicher Sicht ist davon auszugehen, dass eine Infektion mit der britischen Variante zu keinem schwereren Krankheitsverlauf führt“, teilte das Landratsamt Schwandorf weiter mit.

Was sind Hinweise für einem Verdachtsfall?

Für einen Verdacht auf Corona-Mutationen braucht es bei positiven Corona-Befund einen entsprechenden Hinweis, etwa weil der Betreffende einen entsprechenden Kontakt hatte. Dann sequenziert das LGL die jeweiligen Proben im Auftrag der Gesundheitsämter. Hinweise könne sich auch aus dem Ergebnis des PCR-Tests ergeben. Auch bei Ausbrüchen in Kliniken werde auf Mutationen untersucht.

Wie viele Proben kann das LGL sequenzieren?

Vom bayerischen Landesgesundheitsamt (LGL) können derzeit bis zu rund 80 Proben die Woche sequenziert werden, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Damit liege das Landesgesundheitsamt „beim derzeitigen Aufkommen an positiven Proben am LGL über der Vorgabe des Bundes“. Im Rahmen der Surveillance-Verordnung des Bundes müssen fünf Prozent aller positiven Proben sequenziert werden. Denn nur systematisch und repräsentativ erhobene Daten über die Verbreitung der unterschiedlichen SARS-CoV-2-Varianten in Deutschland und Bayern können Gewissheit bringen.

Die Entwicklung im Kreis Tirschenreuth

Tirschenreuth

Wie läuft der Nachweis einer Mutation ab?

Im ersten Schritt werden am Landesgesundheitsamt alle PCR-positiven Proben mittels PCR auf das Vorliegen von drei Varianten vorgescreent, auf die Variante B.1.1.7 aus Großbritannien und die Variante B.1.351 aus Südafrika sowie auf die Variante aus Brasilien. Das Screening gibt erste Hinweise, die in einer Sequenzierung des Virusgenoms verifiziert werden müssen. Damit die Sequenzierung möglich ist, braucht es Proben mit relativ hoher Viruslast. Das Verfahren dauere zwischen 7 und 14 Tagen.

Die Entwicklung in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

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