17.08.2020 - 17:33 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Eltern von Maria Baumer: Angeklagter war Teil der Familie

Krankenpfleger Christian F. sei in ihrer Familie offen aufgenommen worden. Das sagte die Mutter der getöteten Maria Baumer am Montag vor dem Landgericht Regensburg über ihren früheren Schwiegersohn in spe.

Kein leichter Tag für die Eltern von Maria Baumer (rechts): Sie haben am Montag in dem Mordprozess als Zeugen ausgesagt. Ihnen schräg gegenüber sitzt der Angeklagte, der frühere Verlobte ihrer Tochter.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Der ruhigere Verlobte habe der teils impulsiven Tochter gutgetan. „Christian war sehr freundlich, hilfsbereit und umgänglich“, sagte die Rentnerin im Zeugenstand über den heute 35-jährigen Mann, dem die Staatsanwaltschaft Regensburg vorwirft, Maria Baumer umgebracht zu haben. Maria und Christian, die in Regensburg wohnten, hätten freie Wochenenden oft in Marias Elternhaus in Muschenried (Kreis Schwandorf) verbracht. Die Familie habe sogar eine Wohnung von F. übernommen, für die er eine Bürgschaft übernommen hatte, die Tilgungsraten aber nicht begleichen konnte, erklärte Maria Baumers Vater. Die Frage, ob Maria in den Monaten vor ihrem Verschwinden etwas besonders belastet hätte, verneinte die Mutter. Sie habe sich auf ihren Berufseintritt nach dem Studium gefreut.

Auch am Wochenende ihres Verschwindens wollten Maria und Christian gemeinsam nach Muschenried kommen, sagte die 69-Jährige. Doch am Samstagvormittag – es war der 26. Mai 2012 – habe Christian angerufen und gefragt, ob Maria bei den Eltern sei. Sie sei weg, zusammen mit Geld aus der gemeinsamen Urlaubskasse. „Mir kam das von Anfang an komisch vor“, sagte die Mutter. Sie habe sich nicht vorstellen können, dass ein anderer Termin plötzlich wichtiger für Maria gewesen sein könnte als zu den Eltern zu fahren.

Probleme im Studium

Ein Anliegen sei es Maria gewesen, dass Christian sein Medizinstudium, das er neben dem Teilzeitjob als Krankenpfleger absolvierte, durchzog, sagte die 69-Jährige, deren Familie in dem Prozess als Nebenkläger auftritt. Maria habe eigentlich selbst Medizin studieren wollen, habe schon im Kindergartenalter Ärztin gespielt – scheiterte dann aber am Numerus clausus. Doch Christian F. hatte Probleme im Studium, schaffte drei Scheine im Fach Chemie trotz mehrerer Anläufe nicht. Als einer von wenigen Studenten erhielt er ein Pflichtberatungsschreiben, weil er im fünften Semester noch nicht scheinfrei war, erklärte eine Studiengangkoordinatorin der Uni Regensburg im Zeugenstand. Im Mai 2012 hätte er noch ein Semester Zeit gehabt, scheinfrei zu werden.

Familienmitgliedern und Freunden gegenüber habe F. teils falsche Angaben über seinen Studienfortschritt gemacht, sagte ein Polizeibeamter aus, der mit Ermittlungen im Fall Maria Baumer betraut war. So habe er etwa angegeben, an einer Prüfung teilgenommen zu haben und Nachhilfe in Anspruch zu nehmen – obwohl er das nicht tat. Das Medizinstudium des Angeklagten spielt für die Ermittler eine wichtige Rolle: Sie gehen davon aus, dass er seine Verlobte zum einen tötete, weil er sich in eine andere Frau verliebt hatte – und weil er durch das „inszenierte Verschwinden“ von Maria die Möglichkeit gehabt habe, den Abbruch des Studiums vor seinem sozialen Umfeld zu rechtfertigen.

Transport wäre kein Problem gewesen

Der Beamte schilderte außerdem, wie die Polizei im Zuge der Ermittlungen Szenen nachstellte, um zu prüfen, ob der Angeklagte körperlich in der Lage gewesen wäre, den leblosen Körper von Maria Baumer von der gemeinsamen Wohnung ins Auto zu tragen. Ein Kollege, der ähnlich groß und kräftig wie der Angeklagte ist, habe die Aufgabe übernommen. Er habe eine Puppe mit Marias Gewicht ohne größere Probleme von der Wohnung im Hochparterre bis zum Auto in der Einfahrt in eineinhalb Minuten geschleppt. Schwerer sei es ihm gefallen, die Puppe im Kreuther Forst bei Bernhardswald (Kreis Regensburg) vom Auto-Abstellplatz bis zur Grube am Leichen-Fundort zu bringen. Doch auch das sei ihm in zweieinhalb Minuten gelungen. Nach der Auffassung der Staatsanwaltschaft tötete F. Maria Baumer in der gemeinsamen Wohnung mit einem Medikamentenmix, brachte sie mit dem Auto in den Wald und verscharrte ihren Körper dort.

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Unklar, ob Hochzeit stattfinden sollte

Aufhorchen ließ am zwölften Verhandlungstag die Zeugenaussage eines befreundeten Paars, das Maria und Christian zufällig auf der Regensburger Dult traf, fünf Tage vor Marias Verschwinden. Der Mann hatte die beiden Verlobten flapsig gefragt, „wer da wen heiraten will“. Daraufhin hätten Maria und Christian nicht geantwortet, sondern unter sich eine Diskussion angefangen. Die Situation sei komisch gewesen, schilderte das Paar. Danach hätten sie im Auto darüber gerätselt, ob die Hochzeit überhaupt noch stattfinden werde.

Der Prozess wird am heutigen Dienstag fortgesetzt. Dann wird unter anderem eine psychiatrische Sachverständige ihr Gutachten zu Christian F. vortragen. Zuvor wollen F.s Verteidiger eine Stellungnahme abgeben, wie Anwalt Michael Euler ankündigte.

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Der Fall Maria Baumer

  • Am 26. Mai 2012 verschwindet die 26-jährige Maria Baumer aus Muschenried (Kreis Schwandorf) verschwindet spurlos. Es folgt eine große Suche.
  • Am 8. September 2013 finden Pilzsammler die sterblichen Überreste Baumers bei Bernhardswald (Kreis Regensburg).
  • Im Februar 2020 kommt es zur Anklage. Neue Indizien belasten Maria Baumers Ex-Verlobten Christian F., der früh tatverdächtig ist.
  • Seit 1. Juni 2020 läuft der Mordprozess vor dem Landgericht Regensburg. Christian F. wird vorgeworfen, Maria Baumer mit einem Medikamentenmix getötet und im Wald verscharrt zu haben – weil er sich in eine andere Frau verliebt haben soll. Verhandlungstage sind bis Oktober angesetzt.
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