03.02.2020 - 18:20 Uhr
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Space-Eye: Oberpfälzer helfen Flüchtlingskindern in Griechenland

Seit Weihnachten sammelte Space-Eye bayernweit für Flüchtlinge in Griechenland. Die Bilanz sprengt alle Erwartungen: Zehntausende Euro und 130 Tonnen Hilfsgüter. Ein Besuch in der Sammelstelle.

Die Organisatoren von Space-Eye planten ursprünglich mit einem Hilfstransport nach Weihnachten – dass es am Ende 14 große Lkw-Ladungen mit insgesamt rund 130 Tonnen wurden, sprengte alle Erwartungen.
von Redaktion ONETZProfil

Von Sonja Esmailzadeh und Tobias Gräf

Kleidung, Kuscheltiere, Schokolade: Dutzende Tüten und Kartons stapeln sich vor der Firma des Sea-Eye-Gründers, Michael Buschheuer, im Regensburger Hafengebiet. Wolfgang Suntrup und seine Frau Renate nehmen die Sachen an, die an Flüchtlinge in griechische Lager gehen. Zu den Spenden hatte Buschheuer im Dezember über seinen neuen Verein Space-Eye (siehe Info) aufgerufen. Weil es so gut lief, wurde die Sammlung bis 31. Januar verlängert. Woher kommt die Spendenbereitschaft?

"Ich bin seit dem 27. Dezember jeden Tag acht Stunden bei der Annahme", sagt Wolfgang Suntrup, Vereinsmitglied bei Sea-Eye. Immer wieder kommen Menschen und bringen Sachen vorbei. "Wir sind überwältigt von der Spendenbereitschaft. Es kommen nicht nur Leute aus Regensburg, sondern auch aus Wuppertal, Augsburg oder Straubing." Und die hinterlassen sowohl Sach- als auch Geldspenden. "Über 80 000 Euro und 14 Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern." Rein zweckgebunden seien die Geldspenden nicht. "Wir müssen die Container kaufen, Lastwagen mieten, Fahrer und Sprit zahlen", sagt Suntrup.

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"Leiden nicht zusehen"

Das Geld werde auch genutzt, um auf den griechischen Inseln Kos, Samos und Lesbos Hilfsgüter zu kaufen oder Kranke und Familien mit Kindern in Wohnungen unterzubringen. Wie die Geldspenden im Detail aufgeteilt werden, ist noch nicht aufgeführt. Irgendwann komme die Abrechnung, "dann haben wir einen Überblick", sagt Sprecher Hans-Peter Buschheuer, der mit seinem Neffen Michael 2019 den Verein Space-Eye ins Leben gerufen hat, über den Spenden gesammelt werden. Anders als die Schwester Sea-Eye hilft Space-Eye auch mit Vor-Ort-Aktionen wie dieser.

Unter den Spendern seien viele, die auch für andere Organisationen spenden, sagt Buschheuer. "Die Menschen sind im Gegensatz zu vielen Politikern emphatisch und wollen dem Leiden nicht untätig zusehen."

Zudem hätte wohl der Zeitpunkt des Aufrufs vor Weihnachten eine Rolle gespielt. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, forderte, Menschen aus den Lagern nach Deutschland zu holen. Die anderen Parteien aber lehnten den Vorstoß mit Verweis auf "faire Verteilung" und "Klarheit an der Grenze" ab. Vor allem, dass der Aufruf von Michael Buschheuer kam, veranlasste vermutlich viele zu spenden. Denn der Sea-Eye-Gründer ist auch außerhalb Regensburgs bekannt. Scrollt man durch Kommentare bisheriger Berichte über die Aktion, finden sich viele, die in dem Georg-Elser-Preisträger einen Helden sehen. Wohl auch deshalb haben hilfsbereite Menschen neben Regensburg auch in weiteren Orten Sammelstellen gegründet: In Amberg, Nürnberg, Augsburg und kleineren Orten. "Die Idee dazu kam eigeninitiativ von den Menschen selbst", sagt Hans-Peter Buschheuer.

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Nur ehrenamtliche Helfer

Suntrup hievt eine Ladung in einen lilafarbenen Container. Von dort kommen die Sachen in eine Halle auf der anderen Seite des Hafens. "Dort stehen vier Container, die beladen werden und demnächst auf Reise gehen." Nicht nur die Spendenbereitschaft ist groß - auch viele Freiwillige engagieren sich. In der blau-weißen Halle sortieren, beschriften, verpacken Helfer die Sachen - immer freitags, samstags und sonntags. "Viele kommen einfach in der Mittagspause für eine Stunde", sagt Helferin Carmen Schirrmacher-Spathas.

Hunderte beschriftete Kisten und Kartons liegen herum: Kleidung, Nahrung, Hygieneartikel. Was benötigt wird, übermittelt ihnen etwa der Verein Flying Help aus Nittenau (Kreis Schwandorf), der Flüchtlinge auch in Griechenland mit Hilfsgütern versorgt. "Heute haben wir eine große Geldspende im Wert von 20 000 Euro und Artikel von einem Babynahrungshersteller bekommen." Der Spender möchte nicht genannt werden.

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Keine neue Sammlung geplant

Sechs Transporte sind inzwischen an den Zielorten in Thessaloniki, auf Chios, Samos und Lesbos angekommen. Acht weitere sind auf dem Weg oder starten demnächst. Die Sammlung ist inzwischen beendet - ob es künftig eine Neuauflage gibt, ist noch unklar. "Die Kräfte sind erschöpft. Wir haben bis zu 60 Mitarbeiter, die in ihrer Freizeit, am Wochenende, mitanpacken. Manche haben sogar ihren Urlaub geopfert", beschreibt Buschheuer die Situation. Eine neue Sammlung sei deshalb gegenwärtig nicht vorgesehen, aber: "Wenn erneut eine ähnliche Notsituation auftreten sollte, sind wir bereit, wieder zu helfen."

Info:

Was ist Space-Eye?

Der Verein Space-Eye sammelt seit Dezember Spenden, um Flüchtlinge in überfüllten Lagern Griechenlands zu unterstützen. Space-Eye ist der zweite Verein des Sea-Eye-Gründers Michael Buschheuer. Aber was ist Space-Eye eigentlich und was macht der Verein?

Im März 2019 hieß es laut Mitteilung, dass Space-Eye mit der Aufklärungs- und Dokumentationsarbeit beginnt. Der dazu passende Slogan: „Wir sehen, was du nicht sehen sollst.“ Space-Eye soll, wie der Name schon sagt, auf Satellitenbildern sichtbar machen, was nicht zu sehen ist. Mit dem privaten Satellitenbetreiber „Planet.com“ wurde ein Vertrag geschlossen.

Heute, rund ein Jahr später, erklärt Hans-Peter Buschheuer auf Nachfrage zu ersten Ergebnissen, dass sich Space-Eye noch in der Erprobungsphase befinde. Die Technik zu erforschen, sei nicht so leicht. „Im Frühjahr starten wir mit ersten Drohnen auf der Alan Kurdi und erproben die Technik.“

Satelliten, Drohnen, unbemannte Flugzeuge sollen das Mittelmeer vor der libyschen Küste fotografieren oder filmen. „Ziel ist es, Schiffbrüchige und Ertrinkende ausfindig zu machen, die wegen der schwierigeren Bedingungen für NGOs nicht mehr oder seltener entdeckt werden“. Dann solle Hilfe geschickt werden. Auch sollen Menschenrechtsverletzungen dokumentiert werden. In dem Verein sind etwa 35 bis 40 Mitglieder aktiv. „So viele Mitglieder wie bei Sea-Eye braucht es nicht“, sagt Buschheuer.

Space-Eye ist eine eigenständige Organisation, arbeitet aber mit anderen Seenotrettungsorganisationen, darunter auch Sea-Eye, zusammen.

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