06.03.2020 - 16:38 Uhr
SchirmitzDeutschland & Welt

So lebt es sich in einem Smart Home in Schirmitz

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"Hallo, willkommen zu Hause!" Wenn Markus Meierhöfer und seine Partnerin Martina Eckert ihr Haus in Schirmitz betreten, werden sie namentlich begrüßt. Das Eigenheim verkörpert eine neue Generation des smarten Wohnens in der Oberpfalz.

Die beiden Katzen gibt es wirklich, sie sind nicht virtuell. Im Schirmitzer Smart Home scheinen sie sich wohl zu fühlen. Die Bewegungsmelder im Raum sind so eingestellt, dass sie nachts das Licht nicht einschalten, wenn die Vierbeiner umherschleichen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Ein Schlüssel ist nicht nötig. Der Fingerabdruckscanner unter der Kamera an der Freisprechanlage gewährt nur den Besitzern Zutritt. "Wir haben noch einen Schlüssel, aber ich weiß nicht, wann ich den zuletzt dabei hatte", sagt Martina Eckert. Wenn sie oder ihr Lebenspartner Markus Meierhöfer nach Hause kommen, beginnt die stille Kommunikation zwischen den Smartphones der beiden und ihrem Smart Home. Erstere loggen sich ins hauseigene W-Lan ein, über letzteres begrüßt das Haus die Bewohner namentlich, schaltet mit Hilfe der Bewegungsmelder das Licht ein, aktiviert die Stromzufuhr an den Steckdosen und lässt Musik im Wohnzimmer abspielen.

Seit zweieinhalb Jahren wohnt Meierhöfer nun in dem Schirmitzer Neubau. Der Geschäftsführer der Weidener i-Novation GmbH für Softwareentwicklung sagt über sich: "Technik war bei mir immer schon ein großes Thema. Von Kindheitstagen an habe ich mich für Computer interessiert."

Sprachboxen ersetzen Schalter

Als der Beschluss fiel, gemeinsam mit Partnerin Martina ein Eigenheim zu bauen, "stellte sich für uns die Frage, wie wir uns den Alltag erleichtern können", erklärt der 42-Jährige die Entscheidung für ein intelligentes Haus. "Während der Bauplanung haben sich viele Features von selbst ergeben. Das war nicht alles von vorneherein so geplant."

Lichtschalter gibt es in dem modernen Einfamilienhaus kaum, auch Fernbedienungen sucht man vergebens. Die Eltern eines Kleinkinds kommunizieren hauptsächlich per Sprachsteuerung mit dem Smart Home. "Wir haben zwei Google- und zwei Amazon-Sprachboxen. Darüber erteilen wir Befehle für das Licht, den Fernseher, die Musik", sagt Meierhöfer. Eine Wetterstation auf dem Dach misst Windstärke und Temperatur. Über das Internet erhält das Haus aktuelle Warnungen und Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes. Die vollautomatischen Jalousien fahren bei Sturm automatisch hoch. Im Sommer beschatten sie eigenständig das Haus, um Hitze fernzuhalten.

Zig Tasten auf verschiedenen Fernbedienungen drücken ist bei uns Vergangenheit.

Markus Meierhöfer (42)

Markus Meierhöfer (42)

Händisches Lüften ist dank einer zentralen Wohnraumlüftung ebenfalls unnötig. "Das ist auch eine Frage der Energieeffizienz, weil man die Wärme im Winter nicht mehr zum Fenster rauslüftet", freut sich Meierhöfer. Steht bei Regen doch ein Fenster oder die Haustür offen – die Alexa-Sprachbox gibt Bescheid. Sie informiert die Bewohner morgens auch über nächtlichen Schneefall. "Dann weiß ich: Früher aufstehen, ich muss noch räumen", sagt der Hausherr. Während die Wickelstation speichert, wann zuletzt die Windeln des Babys gewechselt wurden, ist auch das Musikprogramm auf die individuellen Vorlieben zugeschnitten. "Martina hört morgens am liebsten Radio. Wenn sie ins Bad geht, läuft automatisch B5 aktuell. Bei mir hingegen wird meine Spotify-Playlist abgespielt," sagt der Schirmitzer.

Schon gewusst? Smart Homes sind meist sehr energieeffizient - und schützen so die Umwelt.

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Per Tablet das Haus im Blick

Besonders nützlich ist laut Martina Eckert auch das Tablet auf der Küchenplatte. "Der Stromverbrauch, die Daten von Heizung und Lüftung, welche Geräte laufen gerade, wo wird Musik gespielt, hier sind alle Funktionen und Werte des Hauses digital zusammengefasst", erläutert sie die Funktionen. Meierhöfer ergänzt: "Der Kern, der bei uns das Smart Home ausmacht ist, dass alle Systeme und Verbraucher miteinander kommunizieren und dadurch Komfortgewinn und Energieeinsparung erreicht werden."

Doch haben die Schirmitzer keine Sicherheitsbedenken? Schließlich ist bekannt, dass Google und Amazon alle Sprachbefehle speichern. "Ich komme aus dem IT-Bereich, Sicherheit spielt bei uns deshalb eine große Rolle", entgegnet Meierhöfer. "Ich habe es bewusst so gelöst, dass alles ohne Internetverbindung funktioniert. Wir verwenden Google und Alexa ausschließlich für Sprachbefehle, alle wichtigen Daten bleiben im Haus gespeichert." Vielmehr müsse man sich Gedanken machen, welche Bilder und Informationen die Menschen in den sozialen Medien von sich preisgeben, gibt der Softwareentwickler zu bedenken. Letztlich müsse man abwägen, was einem der Zugewinn durch Technik bedeute. "Für uns ist Komfort und die Optik am wichtigsten. Zig Tasten auf verschiedenen Fernbedienungen drücken ist bei uns Vergangenheit. Wir sagen einfach: 'Film abspielen!'"

Markus Meierhöfer bedient ein Tablet in seiner Küche. Damit kann er auf alle Systeme wie Lüftung, Heizung und Multimedia im Haus zugreifen oder beim Kochen Rezepte im Internet nachlesen. Die Alexa-Sprachbox von Amazon neben dem Tablet informiert die Bewohner, wenn die Waschmaschine im Keller fertig ist oder bei Regen die Haustür offen steht.

Meierhöfer macht es Spaß, die Konfigurationen zu ändern: "Je länger wir im Haus wohnen, umso besser wissen wir, was zu unseren Abläufen passt. Ich entwickle die Funktionen deshalb ständig weiter. Wenn es mir nicht gefällt, ändere ich es wieder. Das ist wie bei einer Modelleisenbahn, die kann man auch jederzeit umbauen." Seine Partnerin ergänzt: "Es gibt ein gewisses Sicherheitsgefühl, wenn man von unterwegs über das Handy prüfen kann, ob zu Hause alles in Ordnung ist."

Softwareentwickler Meierhöfer vor dem Technik-Schaltkasten im Keller. „Ich habe die Programmierung der Geräte selbst vorgenommen. Damit blieben die Kosten auf dem Niveau einer gewöhnlichen Elektroinstallation.“

Was Hausbesitzer können und wissen müssen, um ihr Zuhause smart zu machen.

Oberpfalz

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