02.07.2018 - 19:45 Uhr
Deutschland & Welt

Seehofer hat skrupellos gezockt, den Schaden hat Deutschland

Der Asylstreit zwischen CSU und CDU war am Wochenende weiter eskaliert - trotz der Erfolge beim EU-Gipfel. Der Kleinkrieg gefährdet die Einheit der Union, dabei bräuchte Deutschland eine funktionierende, eine starke Regierung.

Horst Seehofer
von Alexander Pausch Kontakt Profil
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Von Militärs wird gesagt, sie bereiten sich immer auf den Krieg von gestern vor. Und bei alternden Generalen heißt es, sie schlagen immer die Schlachten von gestern. An solche, eher traurige Gestalten, erinnern Horst Seehofer und Teile der CSU-Führung.

Es ist, als ob die Männer um den Bundesinnenminister den Ansturm der Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 noch nachträglich verhindern oder gar ausradieren wollten. Und: Es ist als ob Seehofer nun den Mut hätte, der ihm damals trotz seiner scharfen, zum Teil maßlosen Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefehlt hatte.

Seehofer oder Merkel. Auf diesen Satz lässt sich das neuerliche Nachlegen des CSU-Chefs nach dem EU-Gipfel am Wochenende zusammenfassen. Doch diesen Kampf hatte Seehofer in dem Augenblick verloren, als durchsickerte, er sei bereit zurückzutreten. Dabei hätte der CSU-Chef gewarnt sein müssen. Schon einmal hat er sich verzockt und stand am Ende mit leeren Händen da - damals ging es um die Kopfprämie. Heute steht nicht nur er mit leeren Händen da, sondern auch Union, Bundesregierung und vor allem Deutschland.

Mäßigung, Kompromiss und Interessenausgleich, das was die politische Mitte ausmacht, zählen nicht mehr. Wie sich die Unionsschwestern künftig wieder vertrauen sollen, bleibt Seehofers Geheimnis. Auch jene in der CDU, die Merkels Politik kritisch gegenüberstehen und die CSU-Position teilen würden, sind fassungslos. Sie haben sich hinter der Kanzlerin versammelt. Manche wollen ihrerseits die CSU loswerden. Wie soll da eine Regierung funktionieren?

Eine starke Regierung wäre wichtiger denn je. US-Präsident Donald Trump nimmt Anlauf, die Europäische Union sturmreif zu schießen und Berlin in die Knie zu zwingen.

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