26.10.2020 - 16:53 Uhr
VilseckDeutschland & Welt

Abzug der US-Truppen stockt: Zarte Hoffnung in Vilseck und Grafenwöhr

Eigentlich sollte der im Juni angekündigte Abzug der US-Truppen so schnell wie möglich beginnen. Kurz vor der Präsidentschaftswahl hat sich aber immer noch nichts getan. In Vilseck und Grafenwöhr gibt man sich hoffnungsvoll.

Im Juni kündigte US-Präsident Donald Trump den Abzug von US-Truppen an, auch aus der Oberpfalz. Doch die Planungen stocken – und am 3. November wird in den USA womöglich ein neuer Präsident ins Amt gewählt.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Der geplante Abzug von etwa einem Drittel der US-Soldaten aus Deutschland hat auch mehr als vier Monate nach der Ankündigung durch US-Präsident Donald Trump noch nicht begonnen. Wie wird das in Vilseck und Grafenwöhr aufgenommen? Die beiden Bürgermeister sind von der Verzögerung zumindest nicht überrascht. 1000 Soldaten abzuziehen, das koste etwa eine Milliarde Dollar, sagt Hans-Martin Schertl, Bürgermeister der Stadt Vilseck. Diese Ausgaben seien im US-Haushalt noch gar nicht vorgesehen. Und für den Truppenabzug aus Deutschland sei schließlich ein Vielfaches davon nötig. Für den Abzug brauche es einen Vorlauf von mindestens ein oder zwei Jahren. Zeit genug, hofft Schertl, dass ein neuer US-Präsident den Schritt noch einmal überdenkt. "Manchmal sind Entscheidungen aus dem Bauch raus nicht so gut. Hoffentlich stimmen die Umfragewerte und im Januar heißt der US-Präsident Joe Biden."

Nicht nur abwarten

Auch Schertls Kollege Edgar Knobloch, Bürgermeister in Grafenwöhr, gibt sich hoffnungsvoll. Er sei überzeugt, "dass nicht alles so schlimm kommt, wie es jetzt aussieht. Es wurde in den letzten Jahren so viel in den Übungsplatz investiert, ich kann mir nicht vorstellen, dass das jetzt alles abgebrochen werden soll." Die Deutschen dürften aber, so Knobloch, nicht nur hoffen und abwarten. Man müsse es vielmehr schaffen, den Amerikanern zu vermitteln, dass auch sie vom Übungsplatz profitieren. Gleichzeitig könne man das Bild, das in den USA von Deutschland herrscht, aufpolieren. Ganz gleich, wer aber die Wahl gewinne, das Thema Truppenabzug werde noch lange brisant bleiben. Die Präsidentschaftswahl am 3. November wollen beide Bürgermeister intensiv verfolgen. "Vielleicht mit ein paar befreundeten Amerikanern", überlegt Schertl. Dass es sich für die Region um eine enorm bedeutsame, vielleicht schicksalshafte Wahl handelt, das wissen sie beide.

Wann aber ist nun, sollte er denn wirklich kommen, mit dem Abzug der Truppen zu rechnen? Die Kommandozentrale für die US-Streitkräfte in Europa (Eucom) in Stuttgart teilte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit, dass die Vorbereitung noch Zeit brauche. "Die Planung erfolgt auf den höchsten Ebenen und berücksichtigt zahlreiche Überlegungen. Dies wird einige Zeit dauern", heißt es in der schriftlichen Antwort. Die Soldaten würden über die Planungen auf dem Laufenden gehalten. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir aber keine weiteren Einzelheiten zu bieten und können auch nicht über Zeitpläne spekulieren."

Ursprünglich war erwartet worden, dass zumindest die ersten Soldaten noch vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November abgezogen werden. Präsident Trump hatte den Abzug eines großen Teils der rund 36 000 US-Soldaten in Deutschland schon am 15. Juni angekündigt. Der Grund: die aus seiner Sicht zu niedrigen Verteidigungsausgaben Deutschlands

Erst Wochen, nun Monate

Sechs Wochen später stellte Trumps Verteidigungsminister Mark Esper die Details des Truppenabzugs vor und machte dabei klar, dass die Pläne "so schnell wie möglich" umgesetzt werden sollen. Die ersten Soldaten könnten "innerhalb von Wochen" das Land verlassen. Daraus sind nun schon Monate geworden.

Insgesamt sollen etwa 12 000 der 36 000 in Deutschland stationierten Soldaten abgezogen werden, also ein Drittel. Gut die Hälfte soll in die USA zurückgeholt werden, 5600 in andere Nato-Länder verlegt werden. Drei Standorte in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz trifft es besonders hart:

  • Vilseck: 4500 Soldaten sollen von dem bayerischen Standort am riesigen Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz nach Hause in die USA geholt werden.
  • Stuttgart: Die beiden Kommandozentralen für die US-Truppen in Europa und Afrika sollen aus dem Schwabenland nach Mons in Belgien verlegt werden.
  • Spangdahlem: Ein Geschwader mit etwa 20 F16-Kampfjets soll samt Besatzung, Mechanikern und Unterstützungskräften von dem Luftwaffenstützpunkt in der rheinland-pfälzischen Eifel nach Italien verlegt werden.

Auch in Berlin hatte man fest damit gerechnet, dass die ersten Schritte des Truppenabzugs vor der Wahl erfolgen. Allerdings wurde die Bundesregierung von Anfang an von den US-Verbündeten in die Planungen kaum einbezogen. Auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Alexander Neu, ob sie Kenntnis von erfolgten oder in den nächsten Monaten geplanten Truppenverlegungen habe, antwortete ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der vergangenen Woche nur mit dem knappen Satz: "Der Bundesregierung liegen keine entsprechende Erkenntnisse vor." Neu interpretiert das als Beleg für den schlechten Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen: "Sollte dies tatsächlich so sein, so spräche das Bände über das belastete deutsch-US-amerikanische Verhältnis."

Hoffnungsträger Joe Biden

Aber selbst wenn es schon einen groben oder konkreten Zeitplan für die ersten Abzugsschritte geben sollte, könnte er je nach Wahlausgang auch wieder über den Haufen geworfen werden. Darauf hofft man in Berlin für den Fall, dass Trump die Wahl verliert. "Da sehe ich bei einem Präsidenten Biden definitiv die Chance, dass diese Sache revidiert wird", sagt der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Johann Wadephul. In Vilseck und Grafenwöhr würde man dieses Wahl-Szenario sicher begrüßen. Daumen drücken für Joe Biden, heißt es dort am 3. November.

Mit Material der dpa

Die Debatte zum US-Truppenabzug

Grafenwöhr

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