Kommunalwahl-Hoppala: CSU und SPD treten mit gleichem Slogan an

Mit möglichst einprägsamen Wahlsprüchen wollen Bürgermeister-Kandidaten derzeit punkten. In der Oberpfalz setzen Kandidaten von CSU und SPD dabei unbeabsichtigt auf den gleichen Slogan.

Am 15. März 2020 finden in Bayern Kommunalwahlen statt
von doa Kontakt Profil

Wer sich da von wem letztlich hat inspirieren lassen, kann nicht mehr gänzlich geklärt werden. Aber so viel ist sicher: Gleich mindestens drei Oberpfälzer Kandidaten für ein Bürgermeisteramt setzen bei der Kommunalwahl auf den gleichen Slogan. Prominentester Vertreter ist dabei der CSU-Herausforderer in Weiden, Benjamin Zeitler. Seine komplette Kampagne mit Homepage, Wahlkampf-Geschenken, soziale Medien und Flyer läuft unter dem griffigen Spruch "Weiden kann mehr". Damit ist er allerdings nicht der Einzige, denn rund 40 Kilometer südlich tritt in Schwandorf die SPD-Quereinsteigerin und Verwaltungsfachangestellte Karin Frankerl mit dem gleichen, freilich regional adaptierten Wahlspruch "Schwandorf kann mehr" an.

Zwei Zeitlers teilen sich einen Slogan

Und seit dem Wochenende schwingt noch ein Zeitler mit in diesem Takt: Der CSU-Kandidat in Nabburg (Kreis Schwandorf), Frank Zeitler, findet folgerichtig: "Nabburg kann mehr".

"Weiden kann mehr", sind die Stadtratskandidaten der CSU Weiden mit ihrem Oberbürgermeisterkandidaten Benjamin Zeitler überzeugt.
Die SPD im Landkreis Schwandorf setzt auf Karin Frankerl und den Wahlspruch "Schwandorf kann mehr".

Ganz neu ist der Slogan allerdings nicht: Bereits bei der Kommunalwahl 2014 setzte ein Kandidat auf diesen Spruch - allerdings ohne Erfolg: Mit "Amberg kann mehr" wollte der SPD-Herausforder Florian Fuchs die CSU-Hochburg einnehmen – und verfehlte sogar die Stichwahl.

"Nabburg kann mehr"

Nabburg

Dass sich der Slogan dennoch so großer Beliebtheit erfreut, überrascht Experten weniger. Auffällig ist natürlich, dass er hauptsächlich vom Herausforder gewählt wird. "Es wird damit bewusst eine vergleichende Glorifizierung angestrebt, nach dem Motto ,Eigentlich sind wir besser, weil der jetzige Amtsinhaber das Potenzial noch nicht voll ausschöpft'", analysiert der Politikwissenschaftler und Wahlkampf-Experte Dr. Branko Woischwill für Oberpfalz Medien.

Experte analysiert für Oberpfalz Medien

Gleichzeitig erfolge mit dieser Formulierung eine direkte Zuwendung an die Zielgruppe, die Wähler und Wählerinnen. "Damit drückt der Kandidat aus: 'Ich habe Eure Bedürfnisse erkannt und verstanden. Ihr könnt mir vertrauen.'"

SPD tritt mit Karin Frankerl an

Schwandorf

Zusätzlich werde die Botschaft übermittelt: "Wenn Ihr mir vertraut, dann ändert sich etwas. Ich werde diesen Ort sichtbar besser gestalten." Im Kern werde hiermit an Konzepte der Soziologie, der Kommunikationswissenschaft und des Marketings angeknüpft, argumentiert Woischwill, Autor eines Buchs über Vertrauenskommunikation sowie Lehrbeauftragter an der FU Berlin mit Seminaren über politischen Wahlkampf.

"Weiden kann mehr"

Weiden in der Oberpfalz

Ein Blick in die Archive zeigt: Auch außerhalb der Oberpfalz erfreut sich der Wahlspruch parteiübergreifend enormer Beliebtheit. Im Münchner-Umland findet etwa die CSU: „Gräfelfing kann mehr“. "Forchheim kann mehr", sind auch ihre fränkischen Parteifreunde überzeugt. Freie Wähler aus München-Land treten im März mit „Hohenbrunn kann mehr“ an. Und der frühere SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz setzte 2017 sogar noch eins drauf und befand bei der Vorstellung seines Zukunftsprogramms gleich: "Deutschland kann mehr."

Grüne treten erstmals in Wackersdorf an

Wackersdorf

Auch in abgewandelter Form ist der Wahlspruch beliebt, wie ein Beispiel aus dem Landkreis Schwandorf zeigt: In Wackersdorf treten erstmals die Grünen mit eigener Liste an und finden: "Wackersdorf kann mehr Grün."

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